Schüleraustausch

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  • #4092
    GroM
    4243 Beiträge

    Hallo zusammen!
    Meine Mutter hat seit ca. 20 Jahren eine belarussische
    Brieffreundin. Weil es gerade vom Alter her passt,
    haben wir ihren Sohn (17, spricht etwas Deutsch) eingeladen,
    zwei Wochen bei uns
    zu verbringen. Meine Fragen:
    Muss man irgendetwas beachten,
    sollte man sich in irgendeiner Weise anders verhalten, als wenn
    man bspw. einen Engländer oder Franzosen zu Gast hätte?
    Was darf er in sein Land mitnehmen (Andenken, Prospekte, Photos…)?

    Ich weiß zwar ungefähr, was in Belarus los ist,
    bei ganz praktischen Fragen wird es dann aber schwierig.
    Vielen Dank!

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    #4093
    GroM
    4243 Beiträge

    Ja glaubst du den wirklich alles was in den westlichen Medien berichtet wird.
    Ich lebe nun schon seit einiger Zeit hier in Belarus und musste feststellen, dass es sich hier genau so lebt (ich meine politisch) wie im uebrigen Europa.

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    #4094
    GroM
    4243 Beiträge

    Hallo Bofrostmann.

    Das ist eine sehr gute Idee den Jungen zu euch einzuladen. Das wird sicherlich auch für dich eine sehr interessante Begegnung sein. Die jungen Menschen in Belarus [b]sind[/b] anders, als in Frankreich oder England, das meine ich aber im positiven Sinne! Du kannst womöglich sogar für dein Leben etwas Neues aus dieser Begegenung und dem Austausch mitnehmen. Aber du wirst es schon selber sehen.

    Zu deiner Frage: mache dir nicht zu viel Kopf darüber. Wenn deine Mutter bereits seit 20 Jahren (!) im regen Briefwechsel mit ihrer Freundin in Belarus steht, dann wird da sicherlich auch über den Alltag kommuniziert. So fremd und einseitig von westlichen Medien geprägt dürfte das Bild von Belarus bei euch also nicht sein. (bezugnehmend auf die erneuerte Demagogie von Belaruski).
    Außerdem ist man mit 17 Jahren schon relativ groß, um selbst einschätzen zu können was geht und was nicht. Unterhalte dich mit dem Jungen. Frage in aus. Gerne kannst du später von deinen Eindrücken hier berichten. Das wäre toll. Seid ihr euch bei einer oder anderen Sache (praktische Fragen) nicht sicher, dann spricht einfach mit seiner Mutter. Sie wird das schon verstehen. Viel Spaß!

    Beitrag geändert von: GroM, am: 01.08.2007 12:43

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    #4103
    Belarusdrug
    10 Beiträge

    Hallo Bofrostmann,
    wir pflegen selbst schon über mehrere Jahre Kontakte zu Familien in Belarus, hatten auch schon unsere Freunde bei uns und waren mehrmals bei ihnen zu Gast. Du wirst auf jeden Fall Erfahrungen machen, die Dich zum nachdenken anregen werden. Es wird sicher eine schöne und interressante Zeit werden. Ich wünsche Dir viel Spass. Die Idee, den Sohn einzuladen ist auf keinen Fall verkehrt.
    Ich möchte Dir nur einen kleinen Rat geben. Wenn euer Besuch aus sehr ländlicher Gegend kommt,passt nur auf, dass der Kulturschock nicht zu gross wird.
    Wegen Andenken und Fotos würde ich mir nicht so einen grossen Kopf machen. Fotos bzw. Foto-CD`s geben wir immer gleich mit und mit Andenken werdet Ihr ihn ja nicht so voll packen, dass er es nicht mehr tragen kann 🙂

    Beitrag geändert von: belarusdrug, am: 11.08.2007 00:50

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    #4105
    GroM
    4243 Beiträge

    Das mit den Kulturschock ist doch sicher nicht ernst gemeint. Ich wohne seit einiger Zeit schon hier in Belarus, komme sehr viel herum, auch in die wie du schreibst sehr laendliche Umgebung und muss immer wieder eines feststellen. Was Bildung betrifft koennten sich so manche und viele Zeitgenossen in Westeuropa an den Belarussen in gesamten, ein Beispiel nehmen.
    Viele Gruesse aus Belarus

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    #4107
    Wowa
    113 Beiträge

    Hallo, da muß ich auch was sagen. Von der Bildung ist nicht unbedingt die Rede, wenn man vom Kulturschock die Rede ist. In dem abgelegenen Gebiet, das ich kenne, sind es eher die Dinge, die für uns selbstverständlich sind, die ganz anders sind. Im normalen Alltag ist nicht so eine Reizüberflutung vorhanden , wie bei uns. Der Alltag selbst ist sehr viel umständlicher, wenn die Wasserstelle auf der Straße oder im Garten ist. Ebenso die Toilette. Badezimmer sind noch längst nicht selbstverständlich. Meist wird einmal in der Woche die Saune angeheizt. Waschmaschinen hat man auch nicht unbedingt.
    Für einen Besucher, der zum ersten Mal in Deutschland ist, ist allein das schon ein Erlebnis, wie wir leben. Jeden Tag Programm von morgens bis abends ist auch nicht immer gut.
    Ich denke, das sind die Dinge,die Belarusdrug meint.
    Wowa, die schon die Tage zählt, bis es endlich wieder losgeht nach Osten.

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    #4114
    Belarusdrug
    10 Beiträge

    Sorry belaruski, wenn ich mich nicht klar ausgedrückt habe. Wowa hat schon den Daumen drauf. Es war nicht auf die Bildung angesprochen, sondern wirklich auf die Lebensumstände, auf den ganz normalen Alltag. Das Leben ist zum Teil sehr hart auf dem Lande und je weiter man sich von Minsk entfernt, um so schlechter wird es. Und das Schlimmste ist, das die Menschen teilweise kaum die Möglichkeit haben, es aus eigener Kraft zu verändern. Doch in einem muss ich Wowa doch widersprechen : Die Reizüberflutung ist, zumindest in den laendlichen Gebieten die ich kenne, nicht nur geringer – sie ist überhaupt nicht da.
    Ansonsten stimmt natürlich, was Du schreibst. Sowohl an Bildung, als auch an Höflichkeit, Herzlichkeit und Gastfreundschaft können sich viele ein Beispiel nehmen.

    Grüss mir Belarus. Wenn alles klappt, bin auch ich bald wieder da.

    Beitrag geändert von: belarusdrug, am: 12.08.2007 00:48

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    #4119
    GroM
    4243 Beiträge

    Kurz auch von mir zum Thema Kulturschock.
    Habe gerade eine kurze aber schoene Rundreise in die nordwestliche Provinz von Belarus hinter mir: Wolozhin – Molodechno – Smargon – Aschmjany – Galschany – Zhuprany – Kuprany – Burany – Krewa. Was fuer eine Geschichte hat das Land! Und mit welcher Ignoranz laesst derzeitige Regierung diese Schoenheit und das einzigartige historische Erbe des Landes zerfallen und verschwinden… aber zurueck zum Thema "Kulturschock":
    Eigentlich sollte es nichts Neues fuer mich sein, dennoch war ich von der Armut, von der Trinkerei und Perspektivlosigkeit auf dem Land erschuettert. Und jedes Mal aufs Neue! Besonders erdrueckend vor dem Hintergrund der europaeischen Geschichte und ihren schweigenden, zerfallenden Denkmaelern.

    PS: Belaruski spricht offenbar von "sterilen" und perfekt organisierten Reisen aufs Land: z.B. Stalin Front, Dududki, Neswizh, Mir etc. Ein perfektes Theates mit einer wunderschoenen Kulisse.

    Beitrag geändert von: GroM, am: 15.08.2007 16:34

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    #4122
    Wowa
    113 Beiträge

    Da wir immer auf eigene Faust losziehen, haben wir das glitzernde Minsk bei Nacht gesehen, auch die neue Bibliothek, den schönen botanischen Garten und vieles mehr. Unsere Reise ist eine Reise des Herzens, daher fahren immer ein kleines Dorf im Mogilower oblast. Unsere ersten Reisen waren immer zwischen Lachen und Weinen angesiedelt. Und das ist auch heute noch so. Soviel Elend, soviel Hilflosigkeit, soviel Freundlichkeit. Die jungen Leute verlassen die Dörfer, um zu arbeiten. Am Wochenende kommen sie nachhause und helfen dort bei der Ernte, beim Vieh. Sie sind meist sehr verwurzelt in ihren Familien, würden aber nicht mehr dort leben wollen. Die kleinen Dörfer sind von alten Menschen bewohnt, nur im Sommer kommen die Enkelkinder und bringen Leben in die Siedlungen. Für Leute mit höherem Bildungsgrad, Lehrer oder Ärzte, die dort hängengeblieben sind, ist es oft frustrierend, daß sie wie jeder Arbeiter ihre Äcker haben müssen und einfach keine Möglichkeit haben, etwas anderes zu sehen. Die jungen Lehrer, die in die Provinz geschickt werden, sehen zu, daß sie bald dort wegkommen. Aber die ältere Generation ist schon müde geworden. Ich fühle mich in der ruhigen dörflichen Gegend und der schönen Natur in meine Kindheit versetzt, vor 50 Jahren war es bei uns im Dorf noch ähnlich.
    Wowa [img]http://www.belarusnews.de/de/media/kunena/attachments/legacy/images/mkarta.jpg[/img]

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