20 Jahre nach dem Supergau

Foren Tschernobyl-Initiativen Aktuelles 20 Jahre nach dem Supergau
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  • #544
    Wowa
    113 Beiträge

    Wir nordwestdeutschen Tschernobyl-Initiativen haben uns zusammengeschlossen, um zum 20. Jahrestag am 26.04.06 eine Erinnerungsaktion in der Oldenburger Innenstadt zu starten. Welche anderen Initiativen machen auch etwas? Und was? Vielleicht können wir uns austauschen?
    Wowa

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    #613
    GroM
    4243 Beiträge

    Ich bin Mitglied in der Bürgerinitiative für eine
    Welt ohne atomare Bedrohung e.V. Rottweil. Zusammen
    mit dem BUND wurde am Montag dieser Woche der
    Bundestagsabgeordnete Scheer (Präsident EUROSOLAR,
    alternativer Nobelpreisträger) eingeladen, es folgte
    ein Vortrag vor Hunderten von Leute in Tuttlingen
    über Regernative und fossile / atomare Energien.
    Anschließend Fragen und Diskussion. Wir haben eine
    Tschernobylwoche mit Petitionen und Zusammenarbeit
    mit Amnesty International initiiert, sowie bei der Publikmachung des Films „89-Milimeter“ mitgeholfen
    (Plakate). Weitere Infos:
    http://nrwz.de/nrwz/rottweil/00005768
    http://nrwz.de/nrwz/kreis/00005727
    http://nrwz.de/nrwz/rottweil/00005382

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    #614
    Wowa
    113 Beiträge

    Danke für die Info. Leider ist in den Köpfen der Menschen schon vieles vergessen. Aber deshalb ist es gerade wichtig, noch einmal zu erinnern, denn es gibt ja auch viele junge Menschen, die damals noch nicht auf der Welt waren oder sehr jung.
    Wowa

    0
    #2657
    Alex
    523 Beiträge

    [url]http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,409404,00.html[/url]

    0
    #2664
    Wowa
    113 Beiträge

    Danke für den Tip. Es findet außerdem vom 27.04.-03.06. in der art gallery der Nord/LB in Hannover eine Fotoausstellung statt zum Thema 20 Jahre Tschernobyl- Leben mit der Tragödie. Es gibt dazu auch einen Bildband.
    Unter http://www.tschernobyl.niedersachsen.de gibt es Info´s.Das Ganze organisiert die Landesstiftung "Den Kindern von Tschernobyl" im Nieders. Ministerim für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit.
    wowa

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    #2711
    GroM
    4243 Beiträge

    [b]Zum Thema Tschernobyl:[/b]

    [u]Was wissen Deutsche über Tschernobyl?[/u]
    http://www.move-by.net/workshops/video/tschernobyl.wmv

    [u]Kinofilm DIE WOLKE – Aufführung am 20. Tschernobyl Jahrestag[/u]
    http://www.life-upgrade.com/Die-Wolke.doc

    [u]IPPNW Tschernobyl Kongress in Bonn[/u]
    http://www.ippnw.de/

    [u]Das Manifest 2006:[/u]
    http://www.lebenshaus-alb.de/mt/archives/003610.html

    [u]Netzwerk Friedenskooperative[/u]
    http://www.friedenskooperative.de/

    [u]Tschernobyl 06:[/u]
    http://www.tschernobyl2006.de/

    [u]Chornobyl 20:[/u]
    http://www.ch20.org/

    [u]Musik für ein Leben nach Tschernobyl:[/u]http://www.cantusdomus.de/

    [u]Böll Stiftung und Tschernobyl:[/u]
    http://www2.txt.de/cgi-bin/WebObjects/TXTSVBoellstiftung.woa/wa/startWithArtikelDetail?isbn=3-927760-51-X

    [u]Gesellschaft für Strahlenschutz:[/u]http://www.gfstrahlenschutz.de/

    [u]BAG Tschernobyl:[/u]http://www.bag-tschernobyl.net/

    [u]Castor:[/u]
    http://www.castor.de/

    Und meine Site, im Profil.

    0
    #2740
    GroM
    4243 Beiträge

    Der Gast da oben war ich. Ende des Monat
    präsentiere ich viel Neues auf meiner Webseite.

    0
    #3003
    GroM
    4243 Beiträge

    [i]Aus: Die Opfer von Tschernobyl nach zehn Jahren – copyright 1996 Insel Verlag.[/i]
    (Warnung auf Seite 278 findet sich auch ein Interview mit Prof. Lengfelder).

    [b]27.06.1986[/b]
    Anweisung U 2617, Dritte Hauptabteilung des Gesundheitsministeriums der UdSSR: „[i]Alle Mitteilungen über die Havarie sind geheim zu behandeln[/i]“

    UdSSR, ohne Datum:
    Vermerkt: Streng geheim
    Einziges Exemplar
    Tschernobyl-Protokoll der Sitzung des Politbüros des ZK der KpdSU
    Leitung: Michail Gorbatschow
    „Die Havarie ereignete sich als Folge grober Verletzungen der technischen Vorschriften durch das Bedienungspersonal und im Zusammenhang mit schwerwiegenden Konstruktionsfehlern des Reaktors. Die Kommission hält jedoch Bedienungsfehler des Personals für die Hauptursache der Katastrophe. Die Gruppe der Spezialisten, die die Sicherheit des Reaktors vom Typ RBMK prüfte und im Auftrag der Kommission tagte, kam zu dem Ergebnis, dass der Reaktor nicht den gültigen Sicherheitsvorschriften entspricht. Die Spezialistengruppe kommt zu dem Schluss, dass der Reaktor einer Expertise auf internationalem Niveau nicht standhalten würde und international abgelehnt würde. Die Reaktoren vom Typ RBMK sind potentiell gefährlich (…) allein im Zeitraum des 11. Fünfjahresplanes mussten 1042 Notabschaltungen bei AKW’s vorgenommen werden. 381 davon bei AKW’s vom Typ RBMK. Im AKW von Tschernobyl gab es 104 dieser Notabschaltungen. Davon waren 35 auf Versagen des Personals zurückzuführen.“

    [b]29.07.1987[/b]
    Direktor des Atomkraftwerks, Wiktor Brjuchanow, Chefingenieur Nikolaij Fomin und der Leiter des vierten Unglücksreaktors Anatolij Djatlow werden zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt. Der Direktor wurde auch zu fünf Jahren wegen Amtsmissbrauchs verurteilt.

    [b]20.04.1989[/b]
    Baustopp für den fünften und sechsten Reaktorblock in Tschernobyl.

    [b]06.09.1989[/b]
    In einem Monat, dem August 1989, gab es in 44 sowjetischen Atomkraftwerken neun Abschaltungen, bei 189 gab es Störfälle, gegen 131 Mitarbeiter wurden administrative Strafen verhängt, 51 Mitarbeiter wurden entlassen oder degradiert.

    [b]12.10.1991[/b]
    Feuer in Block 2 Tschernobyl, Löschung erst nach wenigen Stunden. IAEO wurde nicht unterrichtet. Notabschaltung des Blocks.

    [b]03.03.1993[/b]
    Leck in einer der acht Wasserpumpen des Kühlkreislaufs. Das Atomkraftwerk Tschernobyl wird abgeschaltet.

    [b]18.03.1993[/b]
    Zum zweiten Mal wird das Atomkraftwerk Tschernobyl abgeschaltet, da Wasser aus einem Kühlystem ausgelaufen war. Zweimal innerhalb eines Monats.

    [b]12.04.1993[/b]
    Erneuter Zwischenfall im Tschernobyl-Reaktor: Druckverlust in der Dampfturbine -> beide noch arbeitenden Reaktoren werden abgeschaltet.

    [b]18.10.1994[/b]
    Störungen im Reaktorblock 3 Tschernobyl: Austritt von Trubinendampf -> Abschaltung des Reaktors

    [b]13.04.1995[/b]
    Direktor des ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl Sergej Paraschin: Tschernobyl ist eine der besten Anlagen der Ukraine.

    [b]26.04.1995[/b]
    Der ukrainische Gesundheitsminister Andrej Serdjuk: Bis 1994 sind 125.000 Menschen an Strahlenkrankheiten gestorben.

    ——————
    KOSTEN TSCHERNOBYL
    ——————

    [b]17.04.1991[/b]
    Allein im Jahre 1991 kosten den sowjetischen Staat die Spätfolgen des Reaktorunglücks von Tschernobyl knapp zehn Milliarden DM. In den ersten vier Jahren nach der Atomkatastrophe waren knapp 9 Milliarden DM aufgewendet worden.

    [b]25.04.1991[/b]
    BUND und der Frankfurter Verein „Leben nach Tschernobyl e.V.“ fordern von der Bundesregierung mehr humanitäre und medizinisch Hilfe.
    Ferner müssten eine Millionen Menschen müssten umgesiedelt werden –
    [b]Die Kosten: 30 MILLIARDEN DM[/b]
    [b]2006:[/b]
    Heute leben 1,6 – 2 Mio. Menschen in kontaminierten Gebieten.

    [b]Gesamtkosten Tschernobyls, würde man sie denn
    aubringen: ca. 600 Milliarden DM.[/b]

    Baukosten aller Atomkraftwerke der Welt, zusammen:
    600 Milliarden DM.
    Sie erzeugen nur knapp 4% der weltweiten Energie.

    Der größte FLOP der Menschheitsgeschichte.

    0
    #3033
    GroM
    4243 Beiträge

    Und jetzt mal die [u]Störfälle in deutschen Reaktoren[/u]:

    http://www.bfs.de/kerntechnik/ereignisse/berichte

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    #3043
    Lothar1962
    17 Beiträge

    Mojn Jan,

    nun ja, ob das Ansprechen eines Sicherheitsventils beim einer Druckprüfung ein Ereignis ist, über das ich informiert werden will (Bericht 03/2005), das sei mal dahingestellt. Nur so als Beispiel.

    Ob man das Chornobyl-Unglück dazu heranziehen sollte, die Sicherheit westeuropäischer Kernkraftwerke in Zweifel zu ziehen, bezweifle ich auch.

    Und warum man die in Teilbereichen menschenverachtende Informationspolitik der damaligen Sowjetunion als Argument gegen Atomkraft heranziehen sollte, erschließt sich mir auch nicht.

    Dass graphitmoderierte RBMK – Reaktoren durchgehen können, ist bekannt – deswegen gehören sie abgeschafft (wenn es sie überhaupt noch geben sollte).

    Für mich kommt auch noch ein ganz anderer Faktor dazu: Abgesehen vom extrem hohen CO2-Ausstoß durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe (den ich für relativ unbedeutend halte) ist das eine andere Sicherheitsbetrachtung: Bei der Förderung von Kraftwerkskohle – z.B. in China, aber auch in anderen Ländern – gibt es jährlich zwischen 6.000 und 10.000 Tote durch Betriebsunfälle. Das ist Fakt und muss IMO in die Sicherheitsbilanz der Kohlekraftwerke eingehen.

    Mich irritiert auch sehr, dass Umweltgruppen und teilweise auch politische "grüne" Parteien – wie z.B. in der Schweiz – die Kernkraft als sichere und umweltverträgliche Energiealternative loben (siehe z.B. Werbung der Firma Migros für den Transport der Ware mit dem Zug mit Atomstrom Mitte der 90er, gesehen in den Märkten Herblingen und St.Margrethen).

    Ich habe mich – damals noch als Mitglied der "Grünen" in Deutschland – mit der Thematik sehr beschäftigt – ich wohnte ganz in der Nähe eines AKW (Neckarwestheim – ca. 9km Luftlinie), heute ist Grafenrheinfeld in ca. 70km Luftlinie von mir entfernt.

    Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich selber Kernkraftbefürworter werde – allerdings von Anlagen, die bei massivem Fehlverhalten nicht durchgehen können. Wenn die überhitzen, dann verdampft das Wasser und die Kettenreaktion bricht ab.

    Nichts desto trotz muss es im Bereich der Energiegewinnung und des Energieverbrauchs Weiterentwicklungen geben, wie es sie ja auch schon bisher gegeben hat – man vergleiche mal den Energieverbrauch eines Käfers mit einem heutigen Corsa oder den Verbrauch eines Magirus-Busses aus den 1960ern mit einem ganz neuen Reisebus. Selbst in den USA brauchen die Autos immer weniger Energie – auch dort wird die Energie immer teurer.

    Chornobyl-Initiativen haben daher auch [b]für mich [/b]nicht die Funktion eines Forums gegen die Atomkraft, sondern als Möglichkeit, Menschen, die zum einen Opfer einer technischen Katastrophe und zum anderen Opfer einer nicht gerade menschenfreundlich agierenden Regierung geworden sind, zu helfen.

    In diesem Rahmen unterstütze ich die Arbeit, darüber hinausgehend nicht.

    Gruß
    Lothar

    0
    #3050
    fabmatti
    245 Beiträge

    [quote]Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich selber Kernkraftbefürworter werde – allerdings von Anlagen, die bei massivem Fehlverhalten nicht durchgehen können. Wenn die überhitzen, dann verdampft das Wasser und die Kettenreaktion bricht ab. [/quote]
    Ich kann auch nicht verstehen, wie die Kernkraft total verteufelt wird. Es ist eigentlich sauber, wären da nicht die Endprodukte.

    Ich stimme dir voll zu.

    Btw: Bin ja auch so ca. 50km Luftlinie von Grafenrheinfeld geboren und aufgewachsen. Als Technikfreak finde ich das schon imposant, wenn ich dort vorbei fahre.

    Grüße
    Matthias

    0
    #3051
    GroM
    4243 Beiträge

    Fast jedes Land mit Atomkraftwerken hat Atombomben. So viel steht schon mal fest. Das destabilisiert die Welt.

    Es gibt kaum Endlager, ausser vielleicht diese uralten, leckenden Behältnisse in Nevada. Der neue Tschernobyl Sarkophag soll 100 Jahre halten. Und dann? Auf der Welt wird das Geld knapper. Wird das Geld knapper, werden die Sicherheiten nicht mehr so ernst genommen. Die Genauigkeit bei der Arbeit sinkt. Und das macht gefährliche Situationen in industriellen Einichtungen wahrscheinlicher.

    Wenn man aus dem Tschernobyl-GAU nur gelernt hat, RBMK Reaktoren abzustellen, ist das schon mal ganz nett, wesentlich geistvoller wäre es, alle Atomkraftwerke abzustellen und abzureissen (wobei der Abriss gleich mal teurer ist als der Bau).

    Die Subventionen von 37.000.000.000 €uro, in die Atomenergie, gehören in die regenerative gesteckt.
    Eventuelle Folgekosten von Atomkraftwerken werden
    übrigens auf das Land abgewälzt, und dabei sind unsere Atomkraftwerke kaum versichert. Zum Glück reicht Uran nur noch 40 bis 60 Jahre (40 beim derzeit geplanten Ausbau). Für mich ist die Bekämpfung der Atomkraft und ihrer
    Befürworter eine logische Evolution, aus der Tschernobyl-Bewegung hinaus. Ansonsten bleiben wir "nur" bei Kinderreisen und Fotos-Zeigen, und die Gegner, allen voran die IAEO, machen weiter wie
    bisher, nur noch schlimmer.

    Dass es 20 Jahre nach dem GAU immer noch AKWs gibt, und diese sogar ausgebaut werden sollen, zeigt doch,
    wie erbärmlich es bisher lief. Darum hat wohl auch die IAEO letztes Jahr den Friedensnobelpreis bekommen – völlig absurd.

    Wer unabhängig forscht, wird schon mal nicht so gut finanziert und gehört. Wer dann die Folgen von Atomkraft untersuchen will, wird schon mal isoliert und diffamiert. 90% der Forscher die sich damit beschäftigen, arbeiten für die Atomlobby, oder wandern, wie Bandaschewski(http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/0/08b59e76d956a1e2c125702600492123?OpenDocument), in den Knast, u.a. dank Vorwürfen von Seiten
    Prof. Dr. Dr. Lengfelder des Otto Hug Strahleninstituts (den Kontext muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: unabhängiger Wissenschaftler, von Strahleninstitut diffamiert!) Wer sich dann dennoch weiter versucht, Folgen der zivilen Atomkraftutzung auf die Gesundheit zu erforschen, muss sich in Kreisen bewegen, die vielleicht ein paar Millionen Fälle ergeben. Nur solche, und von der IAEO unterzeichnete "signifikante" Ergebnisse, nimmt die Weltöffentlichkeit überhaupt in ihrem Popkultur-Kurzzeitgedächtnis zur Kenntnis.

    Also: Atomenergie ist unbezahlbar (eine Kostenspirale), hat ein paar Prozent Anteil an der
    Bruttostromerzeugung der Welt, kostet aber gleich Unsummen mehr, als die regernative Energie, sie beschäftigt weniger Arbeiter als die regernativen Energieträger, ihre Baukosten schwanken von mehrere hundert Millionen €uro bis hin zu Mrd. (auch in deutschen Kraftwerken), sie ist nicht ökonomisch, sie ist keinesfalls ökologisch, sie ist ein ukalkulierbarer Drift, und Irrtum der Menschheit. Atomkraftwerke haben bestenfalls einen Wirkungsgrad von etwas über 30% – ist das effizient?

    Kleine Erinnerung:

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    #3054
    Lothar1962
    17 Beiträge

    Mojn Jan,

    nun ja – der Fall Bandaschewski spielte in Belarus und es ging, wenn ich Amnesty richtig verstanden habe, nicht um Bestechungsgelder, sondern um Kritik am Staat. Dass man dafür in Belarus unter Umständen in Haft wandert, ist bekannt und spricht nicht gegen Kernenergie. Hier die "Atomlobby" dafür verantwortlich zu machen, ist unfair. Wenn wir schon von Diffamierung reden wollen, dann aber auch in diesem Zusammenhang.

    Und Greenpeace – eine der umstrittensten, undemokratischsten und teilweise arg unwissenschaftlichen Organisation (die in ihrem Gründungsland Kanada die Gemeinnützigkeit verloren hat) – ist meiner Meinung nach keine Organisation, die für Ausgewogenheit und wissenschaftlicher Treue steht (siehe z.B. auch die "Wahlfreiheit"-Kampagne im Zusammenhang mit grüner Gentechnik – da wird mächtig Stimmung gemacht).

    Die Tatsache, dass Länder, die KKW haben, auch Atombomben haben, ist so trivial wie die Tatsache, dass in Ländern, in denen Messer im Handel erhältlich sind, Morde passieren. Das ist ebenfalls kein Argument gegen die Nutzung der Kernenergie zur Energiegewinnung.

    Kernkraftwerke sind nicht versichert, weil der Bund die unbeschränkte Haftung für den Betrieb übernimmt. Genau so, wie Dienst-KFZ von Bund, Ländern und Militär nicht versichert sind – da übernimmt ebenfalls der Bund die Haftung.

    Würde die Ukraine neue Kernkraftwerke bauen, wenn sie diese subventionieren müsste ? Ich glaube, nicht.

    An Endlager fallen mir Salzstöcke ein, die weltweit für solche Zwecke genutzt werden.

    Im übrigen hat man im Westen schon länger keine RBMK Reaktoren mehr eingesetzt – das hatte nichts mit Tschernobyl zu tun, Tschernobyl hat nur bewiesen, dass diese Reaktoren unbrauchbar sind.

    Das Uran hält – vorsichtigen Schätzungen nach – 100 Jahre, wenn man nicht auf Brutreaktoren und Wiederaufarbeitungsanlagen setzt. Wenn man diese beiden Technologien einsetzt und dazu noch Hochtemperaturreaktoren hat, die Thorium als "Brennstoff" einsetzen, dann wird man zu vernünftigen Preisen noch ca. 200 Jahre auf diese Weise Energie gewinnen können – wenn nicht deutlich länger (die Thorium-Vorräte werden als relativ umfangreich eingeschätzt). Ist alles eine Frage des Geldes – die arg kurzen Schätzungen gehen von einer Situation aus, dass die Preise für konventionell und regenerativ erzeugte Energie nicht oder nur unwesentlich steigen. Ein Rohstoff geht nicht "aus", sondern wird immer teurer – und das ist dann immer eine Frage des Marktes und der Alternativen.

    Im übrigen ist es nicht die Kernenergie, die wirklich subventioniert wird – es ist die regenerative Energie. Das unselige Einspeisungsgesetz verlangt von mir als Atomkraft-Befürworter, dass ich völlig unwirtschaftliche und energetisch fragwürdige Anlagen massiv unterstütze. Ich muss Windkraftwerke zahlen, die 10-15% ausgelastet sind, ich muss Photovoltaik zahlen, die 4x so viel Energie bei der Herstellung der Zellen frisst, als sie jemals wieder erzeugt (in unseren Breitengraden). Wohl gemerkt: Nicht die Forschung an diesen Technologien – das würde ich ja noch einsehen – sondern den Betrieb. Unglaublich. DAS ist ein Skandal, hervorgerufen von einer wissenschaftlich inkompetenten Regierung, die einer bestimmten Lobby entgegenkommen wollte.

    Mal davon abgesehen: Ich stelle mir gerade das Heulen und Zähneknirschen von Greenpeace und co. vor, wenn wir wirklich ernst machen würden und unsere Landwirtschaft auf Energiepflanzen umstellen; dazu überall hin diese tollen Vogelmixer – äh – Windkraftanlagen stellen und reihenweise Täler in der Größe Kaprunspeicher oder Schlegeisspeicher absaufen lassen.

    Die Energie wird definitiv gebraucht – ob sinnvoll oder sinnlos, sie wird gebraucht. Die Chinesen haben ein gigantisches Flusskraftwerk gebaut, welches "nur" 12 riesige Tschernobyls ersetzt.

    Dafür muss man doch auch einen Preis zahlen.

    Ich halte nach wie vor Kernenergie für eine ökologisch sinnvolle und preisgünstige Art, Strom zu erzeugen. Unvoreingenommene Forschung auch in diesem Gebiet, Einsatz von Wiederaufarbeitungsanlagen, von Brutreaktoren, Weiterentwicklung von Hochtemperaturreaktoren, die Thorium einsetzen, das alles führt auch zu immer weniger "Atommüll" pro Kilowattstunde.

    Kernkraft steht nicht alleine in der Welt – sie konkurriert zu anderen, ebenfalls mit massiven Nachteilen behafteten Methoden der Energiegewinnung.

    Dazu kommt noch, dass sich das KKW hervorragend als Grundlastkraftwerk eignet – so lange wir nicht richtig Energie speichern können, brauchen wir Kraftwerke, die gleichmäßig Strom erzeugen. Die Leute brauchen ja auch gleichmäßig ihre Energie. Windkraft ist dazu nicht geeignet, daher substituiert Windkraft auch keine Grundlastkraftwerke. Und Pumpspeicherkraftwerke wie Walchensee/Kochelsee sind ja auch nicht unbedingt so ökologisch gut.

    Gruß
    Lothar

    0
    #3055
    Lothar1962
    17 Beiträge

    Mojn Matthias,

    [quote]
    Ich kann auch nicht verstehen, wie die Kernkraft total verteufelt wird. Es ist eigentlich sauber, wären da nicht die Endprodukte.[/quote]

    Genau, die Endprodukte. Die sind tatsächlich ein Problem, aus meiner Sicht das einzige Problem. Allerdings ist der Endprodukteanfall durch neue Technologien zu verringern. Die WAA wäre dazu eine gute Lösung gewesen – das wollte man aber nicht. Brutreaktoren sind auch eine Möglichkeit, da hat man aber auch nicht weitergeforscht.

    [quote]Bin ja auch so ca. 50km Luftlinie von Grafenrheinfeld geboren und aufgewachsen. Als Technikfreak finde ich das schon imposant, wenn ich dort vorbei fahre.[/quote]

    Stimmt. Ich war als Schüler öfters in Neckarwestheim, die hatten damals ein riesiges Informationszentrum, wo am Wochenende immer ein Physiker (!) da war, der Fragen beantwortet hat. Filme, Ausstellungen, … – das war toll. Und ich habe mal mit der Volkshochschule einen Ausflug nach Philippsburg gemacht, um dort das KKW anzuschauen. War recht interessant.

    Gruß
    Lothar

    0
    #3056
    Lothar1962
    17 Beiträge

    Technik allgemein:

    [url]http://www.buerger-fuer-technik.de/[/url]

    Energiethemen:

    [url]http://www.buerger-fuer-technik.de/body_energie.html[/url]

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