Wie lassen sich die Touristen nach Minsk locken?

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    GroM
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    Es ist kein Geheimnis: Minsker Tourismus hat einen ausgeprägten Ausreisecharakter. Die Zahl der Ausländer, die unsere Stadt besucht haben, ist mit der Zahl der Besucher von den Hauptstädten der anderen benachbarten osteuropäischen Länder nicht zu vergleichen.z.B. 2003 haben Vilnus 717 Tausend Touristen besucht, Kiew – 193 Tausend, Prag und Warschau –etwa 2,5 Mio, Minsk dagegen – nur 42 Tausend. Und das ungeachtet der jährlichen Steigerung der Zahl der Besucher in unserer Stadt.

    Im Großen und Ganzen haben sich die Stadtbehörden Gedanken darüber gemacht, wie sich das Interesse für die belarussische Hauptstadt erwecken lässt. Die Antwort auf diese Frage gibt das Programm für Entwicklung des Tourismus in der Stadt Minsk 2006-2010, das von den Stadtverordneten auf der 16. Tagung angenommen worden ist.

    Die Fachleute weisen vor allem darauf hin, dass die Touristeninfrastruktur bei uns dem angenommenen Niveau nicht enspricht. Den meisten Touristen aus dem westlichen Ausland fällt sofort der Mangel an Hinweisschildern, Schildern, Werbeplakaten, Faltblättern Reiseführern auf Englisch und anderen Fremdsprachen auf. In Minsk gibt es kein Netzwerk von den Informationsreisebüros, die die Dienstleistungen im Bereich der Touristeninformation, Buchung der Hotelzimmer, Auswahl der Exkursionen, Reiserouten usw. bieten würden.

    Außerdem fehlen in den besonders gut besuchten Gegenden Parkplätze für Reisebusse, und die Verkehrsdichte des historischen Zentrums von Minsk sorgt auch nicht für die Erholung. Es mangelt hier auch an überdachten Parkplätzen. In den bei den Touristen besonders beliebten Plätzen werden nicht immer Kreditkarten angenommen. Es steht noch an, für die Sicherheit und Versicherung der Gäste der Hauptstadt zu sorgen, und ihre medizinische Versorgung auf dem hohen Niveau zu gewährleisten.

    Vor einem Jahr gab es in Minsk 27 Hotels (16 republikanische und 11 private) mit der Gesamtzahl der Plätze 4993. Darunter gibt es ein Viersternehotel, fünf Dreisternehotels, zwei Fünfsternehotels werden noch gebaut (sie werden noch nicht in die Statistik aufgenommen). Alle anderen Hotels werden nach den Inlandskategorien klassifiziert: drei Hotels sind von der höchsten Kategorie, zwei – der ersten, vier – der zweiten, fünf – der dritten, zwei – der vierten, fünf – ohne Kategorie.

    Zur Zeit gibt es in Minsk 109 Restaurants, 261 Bars, 552 Gaststätten, Imbissstuben in den besonders gut besuchten Erholungsplätzen – 9, andere – 254. Gesamtzahl: 1343 mit 114015 Sitzplätzen.
    Was meinen Sie, mit welchem Ziel kommt man am häufigsten nach Minsk? Wegen einer Geschäftsreise. Um das Klientel nicht zu verlieren, hat es die Stadtverwaltung vor, die Zahl der Hotelskomplexe der Reisekategorie zu vergrößern (von Zwei-bis Fünfsternehotels). Hinzu kommt es noch, dass der Kulturbildungstourismus den Vorrang haben wird. Wir haben vieles zu zeigen – zahlreiche historische Kulturdenkmäler, Museen und Ausstellungen. Es wurde auch festgestellt, dass die hiesigen Sitten und Bräuche besonderes Interesse der westlichen Touristen erwecken. Nicht von ungefähr steht es im Programm zu lesen: Die Reiserouten sollen danach gerichtet sein, die Vergangenheit und nationale Besonderheiten des Landes zu zeigen.

    Nicht weniger interessant ist der ethnographische Tourismus, den man bald den Gästen anbieten wird. Er sieht die Entwicklung der Touristenzonen von Minsk vor: das historische Zentrum (Obere Stadt, Minsker Burg, der Troizkij Vorort und der Rakowski Vorort) und Loschitza Guts-und Parkanlage.Dort hat man vor, das Museum der Lebensweise des Adels, eine Bäckerei mit dem Restaurant, ein Restaurant mit der eigenen Brauerei usw. zu eröffnen. Im Troizkij Vorort möchte man das Volkshandwerkszentrum gründen. Es wird auch geplant, in mehr Restaurants, Cafes, Gaststätten belarussische Spezialitäten anzubieten. Außerdem möchte man die traditionellen Volksfeste – Kupalje, Koljady u.a. für eine größere Teilnehmerzahl organisieren.

    Neue Perspektiven eröffnet für Minsk der religiöse Tourismus, weil sich hier Kirchen verschiedener Konfessionen, wundertätige Ikonen und Reliquien der Heiligen befinden. Das alles macht die Organisation der Pilgerreisen für Gläubige möglich. Die ethnischen (Nostalgie-) reisen sind extra für belarusstämmige Ausländer gedacht.

    Es unterliegt keinem Zweifel, dass man eine breite Werbekampagne betreiben und für die Angebote der Reiseunternehmen auf dem Auslands-und Innenmarkt werben soll, um die Ausländer in unsere Stadt anzulocken. Es wird die Teilnahme an den wichtigsten internationalen Ausstellungen und Messen geplant, indem man einen gemeinsamen Stand aller Reiseanbieter präsentiert. Man kann ohne Schaffung eines Internet-Portals nicht auskommen, wo die Touristeninformation, Nachrichten über solche Veranstaltungen wie Tag der Stadt, Masleniza, Neujahrsfest, Ostern u.a. in verschiedenen Fremdsprachen untergebracht werden. Außerdem wird die Herausgabe des Kalenders der wichtigen Veranstaltungen, die in der Stadt stattfinden, geplant. Man hat auch vor, Fernsehspots über unsere Stadt in verschiedenen internationalen Fernsehkanälen zu zeigen. Es wird auch das Werbelogo und das Slogan von Minsk ausgearbeitet.

    Im Allgemeinen, wenn uns die Realisierung von allen oben erwähnten Ideen gelingt, dann wird die Steigerung der bezahlten Reisedienstleistungen, Profite von den Reisebüros bis zum Jahr 2010 (im Vergleich zum vergangenen Jahr) um 14 Mal prognostiziert. Die Zahl der ausländischen Touristen soll mehr als 150 Tausend betragen.

    [b][size=3]Kommentar der Reisefirmen[/size][/b]

    [b]«Diese Dokumente sind der nächste Tropfen in das Fass unserer Ungastfreundschaft», meint man in den Reisebüros.[/b]

    Die Verordnung des Ministerrates «Über die Annahme der Regeln des Aufenthalts der ausländischen Bürger und der Personen ohne Staatsbürgerschaft in der Republik Belarus» und «Über die Annahme der Regeln über den Transit der ausländischen Bürger und der Personen ohne Staatsbürgerschaft durch das Territorium der Republik Belarus» sind am 5.Februar in Kraft getreten und werden vor allem jene Reiseunternehmen angehen, die sich unmittelbar mit dem Einreisetourismus beschäftigen. Wie können die in diesen Dokumenten verankerten Verordnungen den Einreise –und den Ausreisetourismus beeinflussen und was halten die Fachleute von deren Zweckmäßigkeit?

    [b]Marija Filipowitsch, «Belintourist»:[/b]

    Natürlich, alle Beschränkungen der Freizügigkeit der ausländischen Bürger auf unserem Territorium werden uns nicht zugute kommen.Wenn wir selbst nach Europa kommen, sollen wir uns z.B. nicht anmelden lassen. Niemand kontrolliert unseren Aufenthalt im Land. Zweifellos gibt es bestimmte vernünftige Forderungen, die an alle Touristen gestellt werden, die ins Land kommen: Vorhandensein des Visums, manchmal – minimale Geldsumme für jeden Aufenthaltstag. Reisebüros kümmern sich um die Ankunft der Touristen. Wir können nicht kontrollieren, womit sich auf dem Territorium von Belarus ausländische Bürger beschäftigen werden. Womit sich die Ausländer auf dem Territorium von Belarus beschäftigen werden: Pilze sammeln, Museen besuchen, Sehenswürdigkeiten besichtigen – das bleibt ihre private Sache solange sie keine Straftaten auf dem belarussischen Territorium begehen. Aber wenn wir den Weg des Misstrauens den Touristen gegenüber gehen werden, werden wir normale Touristen abschrecken, die bereit sind, das Geld nach Belarus zu bringen. Die Reiseunternhemen werden jetzt mit der Problem konfrontiert, den Touristenzustrom um 30% zu erhöhen!

    [b]Galina Potaewa, «Wiapol»:[/b]

    Die angenommenen Dokumente sind der nächste Tropfen in das Fass unserer Ungastfreundschaft, ich würde sogar sagen unserer Unfreundlichkeit. Und wenn der Inlandstourist, überhaupt belarussische Bürger, schon gegen solche Schritte des eigenen Staates eine Art Immunität bekommen haben, wird dieses gegen die ausländischen Touristen gerichtete Dokument zweifellos ihrem Interesse an Belarus als an einem Reiseland einen starken Abbruch tun. Auch ohne diese Verrodnung erweist sich die Bekanntschaft mit unserem Land des öfteren als nicht besonders angenehm. Länder, in denen die Tourismusbranche tatsächlich profitabel ist – Österreich, Tschechien und Belgien – bekommen einen Löwenanteil gerade vom Transit. Dank seiner geographischen Lage könnte Belarus zum Zentrum des Transit- und des Geschäftstourismus werden, zu der sog. «Pufferzone» zwischen starken Wirtschaftspolen – dem Osten und dem Westen – und daraus sehr gute Profite erzielen. Leider durchkreuzt die neue Verordnung sowohl den Geschäfts-als auch den Transittourismus. Laut den Prognosen der WTO besuchen Russland bis zum Jahr 2020 40 Mio ausländische Touristen. Und wenn sogar jeder zehnte von ihnen durch unser Land als «Transittourist» fahren wird und bei uns übernachtet (und dafür sein Geld bei uns lassen wird) – das sind schon vier Mio Touristen im Vergleich zu den 60 Tausend, die wir jetzt haben. Dabei kann man nicht sagen, dass es keine strengen Maßnahmen und Beschränkungen in anderen Ländern gibt. Ungeachtet aller Freundlichkeit kann sich jeder Staat leisten, streng zu sein, ebenso wie der gastfreundlichste Mensch die Bitte um Übernachtung abschlagen kann. Es ist nicht angenehm, dass Frankreich die Einreisenden «aussiebt» – aber das ist bei 75 Mio Touristen jährlich! Aber Belarus hat bei weitem eine ganz andere Situation, wir haben keine Schlangen der Einreisewilligen. Die Formulierung, dass der Transittourist von der internationalen Strecke nicht abkommen darf, ist überrhaupt Nonsens! Statt dessen könnte man unmittelbar auf der Strecke einen großen farbenfrohen Stand aufstellen, mit dem Hinweis darauf, dass es sich ein paar Kilometer entfernt das Denkmal befindet, das auf UNESCO-Liste steht! Der Logik nach sollten neben dem Schloss ein Hotel, eine Gaststätte sein, ein Ferkel am Spieß gebraten werden… Wenn diese Dokumente von den ausländischen Medien einfach zitiert werden, wird es ausrechen, um das Bild eines «gastfreundlichen Landes» zu bilden, man braucht keine Kommentare.

    [size=1][Quelle: Gazeta "Turizm i otdych" und http://www.belarusnews.de; Übersetzung: TanKa][/size]

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