Wie Bio ist eigentlich Belarus?

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    Maxim Gro
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    Auf Facebook wird gerade eine spannende Frage diskutiert:
    „Gestern haben wir auf #3sat die Reportage Bio: „Wahn oder Sinn“ geschaut. Meine Schwiegermutter meint, es gäbe in Belarus kaum chemische Dünger mangels finanzieller Möglichkeiten. Ist das so?“

    Die Rückmeldungen sind sehr interessant. Hier einige Auszüge:

    „Das habe ich früher zu Beginn meiner Belarus-Bio )) auch geglaubt, aber eher aus dem Grunde: Die machen vieles noch selber (selbser anbauen, selber pflücken), die sind naturverbundener usw. Aber vor allem die Landwirtschaftliche Produktion (Kolchosen usw.) kommt kaum ohne Pestizide aus, Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel usw. werden auch dort benutzt, gerade weil sie billiger sind als natürliche Zutaten und dem Verbraucher eine Illusion von Frische und Qualität vorgaukeln.“


    „ich vermute, dass Belarus großteils chemisch verfeinerte Düngemittel auf Basis von Saligorsk gewonnens Kaliumkarbonat (Potasche) sowie in Grodno (chemisch) erzeugte Düngemittel (Grodno Azot: urea – 785 thousand tons a year, urea-ammonium nitrate mixture – UAN – 720 thousand tons year, ammonium sulphate – 319 thousand tons a year) .. was Nitratbelastung der Gewässer bzw. des Grundwassers anbelangt, gibt es keine offiziellen Daten – aber ich gehe aufgrund der intensiven, grossflächigen und jahrzehntelangen massiven Einsatz von einer starken bzw. sehr starken Nitrat-Belastung aller Gewässer in Belarus aus. davon merkt deine Schwiegermutter natürlich nichts, wenn sie gekaufte Lebensmittel verzehrt.

    weiters ist mit freiem Auge feststellbar: die Biodiversität – sowohl Pflanzen als auch Lebewesen) in Belarus ist eine Katastrophe. wer meint, dass großflächige Monokulturen wie in Belarus ohne den massiven Einsatz von Pestiziden und Herbiziden betrieben werden kann, lebt imho hintern Mond. Rückstände dieser chemischen Umweltgifte sind in der Lebensmittelverarbeitung verschleierbar – oder mangels Messung verschweigbar – in der Landschaft (Böden, Oberflächen- und Grundwasser, langjährige Pflanzen) bleiben sie hingegen zur Gänze zurück und werden via Staub und Rauch (Verbrennung von Pflanzenrückständen) großflächig verfrachtet. davon merkt deine Schwiegermutter natürlich auch nichts, wenn sie gekaufte Lebensmittel verzehrt – aber der Indikator Biodiversität geht in der Regel konform mit der Lebenserwartung der Bevölkerung – weshalb ich auch nicht in Belarus leben möchte.

    von André erwähnte zusätzliche Faktoren in der Lebensmittelverarbeitung (Konservierungsmittel, Geschmacksverstärker, Farbstoffe) existieren – inwieweit eine vollständige und genormte Kennzeichnungspflicht wie in der EU besteht, kann ich nicht mit Sicherheit sagen – aber ich bezweifle es. als Beispiel kann ich Vegata anführen, ein in Osteuropa seit den 60erm verwendetes Gewürz, das zu 15 Prozent aus chemischen Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat (E621) sowie aus weiteren chemischen Zusatzstoffen E 630, E 631, E 632 und E 633 besteht – und dessen Inhaltsstoffe erst durch die EU-Kennzeichnungspflicht korrekt offen gelegt wurden. in der Zeit davor galt Vegata als rein pflanzlich – und ich vermute – in Osteuropa denken das Babushkas immer noch, wenn sie einen Extra-Löffel Vegata in die Suppe oder Fleischsosse mischen, falls einmal ihre Enkelkinder zu Gast sind.

    Und was meint ihr?

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