Sozialsysteme/Arbeitslosigkeit in Belarus/Renten

Foren Soziales Sozialsysteme/Arbeitslosigkeit in Belarus/Renten
Ansicht von 15 Beiträgen - 1 bis 15 (von insgesamt 26)
  • Autor
    Beiträge
  • #4674
    GroM
    4243 Beiträge

    Immer mal wieder höre ich, Belarus ist war eine schlimme Diktatur, aber im Gegensatz zu RU/UA würde sich der Staat um seine Bürger kümmern.
    So auch hier: "…egal ob man jetzt in einer diktatur lebt,wo man zwar seine meinung nicht frei äussern darf,dafür aber fürsorge vom staat bekommt oder ob man im liberalisierten westen lebt,wo man jede minute um seinen arbeitsplatz fürchten muss."

    Meine Frage dazu ist, wie ist die Situation der Rentner, Berufsunfähigen, Arbeitslosen ect in Belarus im Vergleich zu den Nachbarländern, speziell RU/UA?Wie sieht es mit Arbeitsmöglichkeiten und Arbeitslosigkeit aus?

    Gruß Mirko

    0
    #4677
    Nanaviki
    136 Beiträge

    Hallo Mirko, durch meine Erfahrungen im Bekanntenkreis und meine angeheirateten Verwandten in Belarus kann ich ein wenig auf Deine Frage antworten.
    Meine Schwiegereltern bekommen eine für Belarus gute Rente, mein Schwiegervater bekommt 150 US$ und meine Schwiegermutter 120 USD. Ich denke, das damit die große Anhängerschaft der Rentner des Präsidenten ruhig und zufrieden damit gehalten werden (und sie haben es sich auch verdient. Aber ohne ihre Landwirtschaft wäre es auch bei dieser Rente schwierig normal zu leben.
    Die Situation meines Bekannten, der im Rollstuhl sitzt ist dagegen schlimmer, er bekommt zum Leben zu wenig Geld, wieviel Arbeitslosengeld man bekommt weiss ich nicht (aber es ist sehr wenig lt. einem Artikel in der Zeitung Belarus Perspektiven)die offizielle Zahl der Arbeitslosen liegt, glaube ich bei 1,5%.
    Von Arbeitslosengeld allein kann man nicht leben, wer Arbeit will, findet welche. Im großen Bekanntenkreis meines Mannes gibt es keine Arbeitslosen. Aber die Gehaltsunterschiede sind gewaltig, eine junge Frau, die in einer ländlichen Möbelfabrik arbeitet bekommt 60 USD im Monat, eine Cousine, die in Minsk als Lehrerin arbeitet bekommt 200 USD im Monat, meinem Mann wurde im November in MInsk als Tischler ein Job für 500 Dollar angeboten… Er hat auch eine Zeitung mit Jobangeboten mitgebracht, Arbeitsmöglichkeiten gibt es wie Sand am Meer (und "positiv" ist, dass es keine Schwarzarbeit gibt, man kann also ohne Vertrag und schlechtes Gewissen jobben gehn).
    Also das wären jetzt unsere Erfahrungen.
    Poka! Nanviki

    0
    #4680
    natallia
    3 Beiträge

    Hallo Mirko,
    ich als Weissrussin moechte hier auch meinen Standpunkt darstellen. Die Arbeitslosenhilfe in unserem Land betraegt 20 USD. Manche Arbeitslosen lassen sich nicht registrieren, weil es sich nicht lohnt. Ich habe vor kurzem die Meinung eines Wirtschaftlers gelesen. Er vermutet, dass die Zahl der Arbeitslosen in Weissrussland etwa 7% ist.

    Es gibt viele Arbeitsmoeglichkeiten in Minsk. Das stimmt. Aber es gibt bei uns auch viele kleine Staedte, so wie meine. Dort sind die Frauen mit Hochausbildung froh, als Putzfrauen eingestellt zu werden.Und in grossen Staedten wie Minsk oder Brest braucht man vor allem Bauarbeiter und Naeherinnen. Sollen in diesem Fall alle zu Bauarbeitern und Naeherinnen werden?
    Nicht alle koennen auch nach Minsk kommen, um dort zu arbeiten, denn die Mieten dort zu hoch sind.

    Und ich fuerchte, die Situation wird noch schlimmer. Aber im Fernsehen spricht man nur von Erfolgen.

    Gruesse

    0
    #17165
    Econom
    179 Beiträge

    Dieses Thema ist zwar mittlerweile 5 Jahre alt, aber mich würde trotzdem interessieren ob sich etwas geändert hat.

    Vor allem ob es auch so eine Art Grundsicherung wie in D gibt. Vielleicht gibt es ja den ein oder anderen Forumsteilnehmer der heute etwas mehr weiß?

    Gruß Econom

    0
    #17166
    mikael321
    2337 Beiträge

    [quote=“Econom“ post=17658]Dieses Thema ist zwar mittlerweile 5 Jahre alt, aber mich würde trotzdem interessieren ob sich etwas geändert hat.[/quote]Meine Schwimu und SChiegervater hatten zusammen ca. 3 Millionen ( Vater war Major gewesen ) Zusätzlich Medikamente frei . Nach dem Tod meines Schwiegervaters bekam Schwimu dann nur noch 690.000 BLR und muss die Medikamente selbst zahlen .

    Im Moment sieht es so aus ( ich mach es mal in EU ) : Sie bekommt im Moment so ca. 95 EU Rente . Dann gehen ca. 35 EU für Medikamente ab. Bleiben also 60 EU . Davon gehen ca. 30 EU für Gas, Heizung, Wasser u.s.w. ab. Sie wohnt kostenfrei in der Wohnung meiner Frau und es bleiben ca. 30 EU fürs leben übrig . Wenn man jetzt noch weiß, das Butter, Milch , Wurst, Obst u.s.w. mehr kosten als in Deutschland, kannst du dir selbst ein Bild machen.

    Und meine SChwimu bekommt schon für eine Frau die nicht beim Militär gedient hat, eine ziemlich hohe Rente . Und in der eigenen Wohnung leben auch nicht so viele . Meine Schwimu ist nach BY Verhältnissen schon mehr der höhere Mittelstand . Sie könnte von der Rente leben weil sie wie alle BY Bürger die ich kenne , eine Datscha hat. Da wird dann Obst und Gemüse rangezogen, und der Rest für den Winter eingemacht. Hühner und Hasen ( Eier + Fleisch ) hält sie auch auf der Datscha . Früher als Schwiegervater noch lebte, hatten die sogar immer ein Schwein .

    Aber ohne den Support meiner Frau, wäre ihr leben trotzdem nicht so angenehm wie im Moment .

    Von Sozialhilfe oder so was, habe ich noch nie gehört . Ich sehe immer nur die Omas und Opas die am Basar runlungern und im Sommer Produkte aus dem Wald oder der Datscha verkaufen, und im Winter Socken und Schuheinlagen . Aus Spass machen die das bestimmt nicht.

    Michael

    0
    #17168
    Econom
    179 Beiträge

    So habe ich es auch gesehen. Hatte aber trotzdem die Frage gestellt bzw. das Thema wieder aufgegriffen da ich mir nicht vorstellen kann wie die BY-Bürger ein Auskommen haben, die nicht über Kontakte (Familie oder Freunde die sie unterstützen) nach EU verfügen oder einen einigermaßen zufriedenstellenden Verdienst haben.

    Gruß Econom

    0
    #17169
    GroM
    4243 Beiträge

    ein Arbeitslosengeld gibt es wohl , aber es ist sehr gering und auch nur sehr zeitlich begrentzt ,

    man kann auch viel schneller entlassen werden von seinem Arbeitgeber
    dafür findet man aber auch viel schneller wieder einen neuen Job ,
    alle die ich kenne die mal einen neuen Job als Ing. gesucht haben hatten in der Regel nach einem Monat wieder eine neue Anstellung , manchmal sogar noch besser bezahlt dann

    0
    #17170
    mikael321
    2337 Beiträge

    [quote=“Detlef Billerbeck“ post=17662]gesucht haben hatten in der Regel nach einem Monat wieder eine neue Anstellung , manchmal sogar noch besser bezahlt dann[/quote]Für den neuen Job besser bezahlten Job ohne Schichtdienst meiner Schwägerin, hat mein Frau 300 US Dollar hin geblättert . Das ist doch üblich in BY das man da jemanden schmiert, um einen guten Job zu bekommen .

    Michael

    0
    #17171
    GroM
    4243 Beiträge

    das ist üblich so ,

    selbst wenn ein Kind eingeschult wird und die Eltern wollen das es in eine andere Schule geht muss man ca 200 Dollar an den Direktor der Schule bezahlen ,

    meine Bekannte sagt immer in BY gibt es das weisse und das schwarze Geld am Ende des Monats

    0
    #17174
    mikael321
    2337 Beiträge

    [quote=“Detlef Billerbeck“ post=17664]meine Bekannte sagt immer in BY gibt es das weisse und das schwarze Geld am Ende des Monats[/quote]So ist das . Leider auch bei den Ärzten . Die Freundin meiner Frau in Minsk verdient ca. 1300 Dollar . Davon 500 von Vater Staat und 800 von den Patienten .

    Als Schwimu noch mit dem Bus nach BY zurück gefahren ist, wurde immer Geld vor der Grenze eingesammelt. Meist 5 EU pro Fahrgast . Dann hat es an der Grenze nur 30-45 Minuten gedauert . Bei 30 Passagieren pro Bus (150 EU) ist schon nicht schlecht. Wer weiß wie viele Busse da jeden Tag durchfahren ?

    Michael

    0
    #17216
    Helfer
    399 Beiträge

    Ich bin im Februar wieder dort, werde mich diesbezüglich mal schlau machen lassen.

    Soweit ich es jetzt mit dem Stand vom vorigen Jahr beurteilen kann, das Leben ist nicht übig, die Gehälter für die Mehrheit nicht uferlos aber man kann leben. Arbeit gibt es wohl genug, viele Leute haben auch mehrere Jobs um besser zu leben oder auch die Familie (Kinder) zu unterstützen. Schaun wir mal! Nach Rückkehr melde ich mich nochmals zum Thema.

    0
    #17241
    MrRossi
    316 Beiträge

    [quote=“Econom“ post=17658]Vor allem ob es auch so eine Art Grundsicherung wie in D gibt.[/quote]

    Es gibt ein „Existenzminimum“ von z.Z. irgendwas um die 1Mio. Rb.
    Ob das aber nur eine statistische Größe ist, oder ob man das im Bedarfsfall wirklich auch ausbezahlt bekommt, entzieht sich meiner Kenntnis.
    Desweiteren gibt es einen allgemein über alle Branchen gültigen Mindestlohn (von ca. 1,4 Mio)

    Von daher kann daran irgendwas nicht stimmen:

    [quote=“mikael321″ post=17658]Sie bekommt im Moment so ca. 95 EU Rente
    […]
    bekommt schon für eine Frau die nicht beim Militär gedient hat, eine ziemlich hohe Rente
    […]
    nach BY Verhältnissen schon mehr der höhere Mittelstand
    [/quote]

    Die Durchschnittsrente liegt im Moment bei ca. 2Mio Rb!
    Irgendwo hatte ich mal was von Mindestrente in Höhe von 1,4Mio gelesen, finde aber den Link grad nicht.
    Selbst wenns nicht stimmt, sind aber 1Mio Rb Existenzminimum.
    Wie kann 95€ (= 1.1Mio Rb) dann „eine ziemlich hohe Rente“ sein??

    Und dann noch „höherer Mittelstand“.
    Aha…

    Entweder sind das veraltete Zahlen von 2011 o.ä. oder Du willst uns veräppeln, oder wirst selbst veräppelt 😀

    Der Durchschnittslohn beträgt z.Z. irgendwas um die > 4Mio Rb.
    D.h. alles drüber wäre dann wohl „höherer Mittelstand“.

    Warum soll denn ein Otto-Normal-Belarusbürger nicht auskommen können ohne EU-Kontakte??

    0
    #17242
    MrRossi
    316 Beiträge

    [quote=“Detlef Billerbeck“ post=17664]das ist üblich so[/quote]
    Was ist schon üblich?

    Unsere Tochter ist in der Schule eingeschult worden, wo wir sie haben wollten.
    Ohne irgendwelchen Zuwendungen vorab.
    Sie hat die dortigen Vorprüfungen bestanden und gut ist.

    Hätte sie sie nicht bestanden, hätten wir aber wohl mit etwas Kleingeld nachhelfen können 😉

    Für den „richtigen“ Kindergartenplatz des Sohnemanns mussten wir aber schon ein wenig finanzielle Überzeugungsarbeit leisten

    0
    #17244
    GroM
    4243 Beiträge

    [b]Unsere Tochter ist in der Schule eingeschult worden, wo wir sie haben wollten.
    Ohne irgendwelchen Zuwendungen vorab.[/b]

    von meiner Freundin in Minsk ist das Kind eingeschult worden und sie wollte das es in eine andere Schule kommt als in dem Wohnbezirk
    dafür musste sie 200 Dollar bezahlen an den Direktor

    da könnte ich noch ganz andere Storrys erzählen , wie Studenten von betuchten Eltern Ihr Medizin Studium bestehen und der Profesor sich so etwas sein kleines Gehalt aufbessert ,

    in der Ukraine ist das übrigens alles noch etwas verschärfter als in BY

    0
    #17245
    MrRossi
    316 Beiträge

    [quote=“Detlef Billerbeck“ post=17737]musste sie 200 Dollar bezahlen an den Direktor[/quote]
    Ich glaub Dir das – kein Problem.

    Und wir mussten das nicht (und die Schule ist weit entfernt von unserer Wohngegend) – kann halt auch so gehn.

    0
Ansicht von 15 Beiträgen - 1 bis 15 (von insgesamt 26)

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.