RIA-NOWOSTI | Dramatischer Exodus: Weißrussen fliehen aus Lukaschenko-Land

Foren Wirtschaft RIA-NOWOSTI | Dramatischer Exodus: Weißrussen fliehen aus Lukaschenko-Land
Ansicht von 15 Beiträgen - 1 bis 15 (von insgesamt 74)
  • Autor
    Beiträge
  • #16573
    GroM
    4243 Beiträge

    […] Die weißrussischen Gewerkschaften teilten mit, dass die Zahl der Werktätigen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 100 000 geschrumpft sei, wobei die Arbeitslosenzahl konstant blieb. Das stimmt mit den Zahlen unabhängiger Experten überein. Ihnen zufolge verlassen jedes Jahr etwa 150 000 Weißrussen ihre Heimat. 85 Prozent von ihnen wandern nach Russland aus, der Rest in die naheliegenden EU-Länder, vor allem nach Polen.

    Der Exodus ist durch die niedrigen Löhne in Weißrussland zu erklären. […] Doch die niedrigen Gehälter sind nicht der alleinige Grund. Junge Menschen und qualifizierte Arbeitskräfte sehen in Weißrussland keine Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung. Dass das aktuelle Wirtschaftsmodell ausgedient hat, räumen selbst weißrussische Spitzenfunktionäre hinter vorgehaltener Hand ein: Niemand wagt es, Präsident Alexander Lukaschenko offen zu widersprechen.

    Quelle&Volltext: http://de.ria.ru/zeitungen/20121130/265042767.html

    0
    #16576
    Andreas
    755 Beiträge

    Wer kann es ihnen verdenken, wie soll man mit so einem Gehalt und der steigenden Inflation seine Familie ernähren?
    Meine Frau hat ca. 300 USD im Monat verdient und das als Lehrstuhlinhaberin an der Uni für das Fach Englisch. Ohne zusätzlichen Nebenjob war ein „normales“ Leben nicht möglich.

    Aber wie schon geschrieben, Lukaschenko darf man damit nicht kommen.
    Bringt eh nichts da er ja nur das sozialistische Wirtschaftsmodell kennt.
    Man hat das Gefühl er leitet das Land wie er seine Kolchose geführt hat.

    0
    #16579
    MrRossi
    316 Beiträge

    Leider unterscheidet der Autor nicht, zwischen Auswanderern und Saisonarbeitern.
    Das viele Weißrussen in Russland arbeiten, wegen höherer Löhne, ist ja nun nichts Neues.
    Das sie dann aber das Geld nach Belarus zu Ihrer Familie tragen und hier ausgeben, bleibt natürlich unerwähnt.

    Auch sonst finden sich leider keine weiteren Quellenangaben, auf der russischen Seite von RIA habe ich auf die Schnelle diesen Beitrag gar nicht gefunden?!

    Und – ach.
    Wir diskutieren hier ständig über Visumsprobleme…
    Dabei ist es doch so einfach.
    Wir wandern mal schnell nach Polen aus.
    Dann ist ja alles kein Problem, oder? *klopfklopf*

    Aber das der Autor keinen seriösen Bericht schreiben wollte, sieht man ja schon am Titel. Ich dachte das Land heißt Weißrussland bzw. Belarus…

    0
    #16580
    mikael321
    2337 Beiträge

    [quote=“MrRossi“ post=17059]Wir wandern mal schnell nach Polen aus.
    Dann ist ja alles kein Problem, oder? *klopfklopf*[/quote]Kommt darauf an, welchen Beruf du hast . Für zb. Ärzte, kein Problem . ( auch nach D. nicht )

    Michael

    0
    #16582
    Andreas
    755 Beiträge

    [quote=“MrRossi“ post=17059]Leider unterscheidet der Autor nicht, zwischen Auswanderern und Saisonarbeitern.
    Das viele Weißrussen in Russland arbeiten, wegen höherer Löhne, ist ja nun nichts Neues.
    Das sie dann aber das Geld nach Belarus zu Ihrer Familie tragen und hier ausgeben, bleibt natürlich unerwähnt.

    Auch sonst finden sich leider keine weiteren Quellenangaben, auf der russischen Seite von RIA habe ich auf die Schnelle diesen Beitrag gar nicht gefunden?!

    Und – ach.
    Wir diskutieren hier ständig über Visumsprobleme…
    Dabei ist es doch so einfach.
    Wir wandern mal schnell nach Polen aus.
    Dann ist ja alles kein Problem, oder? *klopfklopf*

    Aber das der Autor keinen seriösen Bericht schreiben wollte, sieht man ja schon am Titel. Ich dachte das Land heißt Weißrussland bzw. Belarus…[/quote]

    Schon mal was vom „kleinen Grenzverkehr“ zw. Belarus und Polen gehört? *klopfklopf*

    0
    #16585
    MrRossi
    316 Beiträge

    [b][i]Honig-Marmelade![/i][/b]

    Was das damit zu tun hat?
    Genauso viel wie der „kleine Grenzverkehr“ mit dem Auswandern…
    [img]http://www.freesmileys.org/smileys/smiley-laughing013.gif[/img]

    0
    #16586
    GroM
    4243 Beiträge

    [quote=“MrRossi“ post=17059]Leider unterscheidet der Autor nicht, zwischen Auswanderern und Saisonarbeitern.[/quote]Und unterscheidet man hier in D. bei Türken zwischen Auswanderern und Saisonarbeitern? *klopfklopf*

    Der Titel ist zwar „schreierisch“ – Menschen fliehen nicht, viele verlassen nur vorübergehend (saisonal) das Land. Doch der Grundton stimmt: Belarus erlebt ein dramatisches Braindrain und eine enorme Ressourcenabwanderung. Außerdem fließt das mitgebrachte Geld nicht unbedingt in die belarussische Wirtschaft: damit werden eigene Wohnungen mit importierten Baumaterialien renoviert, Autos oder Wohnungen gekauft.

    Wie schmerzhaft diese temporäre/saisonale Abwanderung für Lukaschenko-Land (hier trifft die Bezeichnung genau zu!) ist, merkt man am Verhalten des Staatsoberhauptes. Kürzlich hat er den Arbeitnehmern von „Borisovrev“ verboten zu kündigen. Wer kündigt – bekommt eine Strafe… und muss weiter arbeiten. So sieht seine Modernisierungsstrategie für belarussische Betriebe aus.
    [quote]“Подготовьте декрет: до окончания модернизации и реконструкции этих предприятий запрещается увольнение работников. Работник не может уволиться с этого предприятия без разрешения руководителя.

    Отпустят — пусть уходит, не отпустят — должен работать. За нарушения — на принудительные работы. Уволился — на принудительные работы, и сюда же работать.“ (http://n1.by/news/2012/11/30/486032.html)[/quote]
    Aufgrund totaler Unfähigkeit bleibt ihm nichts anderes übrig, als zu drohen, zu verbieten und zu bestrafen. Willkommen im Lukaschenko-Land!

    0
    #16588
    Andreas
    755 Beiträge

    [b]Neuer Präsidentenerlass. „Zurück zu Stalins Zeiten“[/b]

    Habe es leider nur in russisch, vielleicht kann es ja jemand übersetzen.
    Moderne Sklaverei in Belarus

    http://www.mk.ru/politics/article/2012/12/03/782249-uvolilsya-na-prinuditelnyie-rabotyi.html

    Bericht zu GroMs Posting.

    0
    #16591
    MrRossi
    316 Beiträge

    Ich hab die Schlagzeilen der letzten Tage auch schon gelesen „Zwangsarbeit“, „Sklaverei“ etc…

    Vielleicht sollte man erstmal abwarten, was wirklich dabei herauskommt.
    Kann ich nur empfehlen.

    Schon vergessen, was für ein Traraa auch in der deutschen Presse zu lesen war, als das neue weißrussische Internetgesetz verabschiedet wurde?
    „Belarus schottet sich ab!“, „Aufruf fremder (ausländischer) Server verboten“, „Kontrolle aller Internetaktivitäten!“ usw. usw.
    Und was ist?
    Nüscht…

    Weißrussische Firmen müssen/sollten ihren Webspace in Belarus haben, InternetCafes müssen sich den Paß zeigen lassen, und ein wenig Vorratsdatenspeicherung…

    Während ich mir nun genüsslich von Mogilev aus diverse Musikvideos auf Youtube anschaue, bekommt ihr mit eurem Standard-Zwei-Jahres-Internetknebelvertrag die Meldung „Iss nich, dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar…“
    Ich darf nach Herzenslust auf Google suchen, während bei euch immer wieder mal die Meldung kommt, daß einige Suchergebnisse aufgrund „deutscher Authoritäten“ nicht verfügbar sind.
    ([url=http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/06/43908/]Die deutsche Bundesregierung stellt in Europa die meisten Aufforderungen an Google, Suchergebnisse zu löschen.[/url])
    😀

    Zurück zum Thema:
    Vielleicht sollte man wissen, daß weißrussische Angestellte eigentlich von heute auf morgen kündigen können.
    Vielleicht ist daß, was jetzt groß als „Zwangsarbeit“ tituliert wird, nichts weiter als die Einführung einer Kündigungsfrist.
    Außer den markigen Äußerungen Lukaschenkos ist doch bisher noch nichts weiter bekannt, oder?

    0
    #16592
    MrRossi
    316 Beiträge

    [quote=“GroM“ post=17067]Doch der Grundton stimmt: Belarus erlebt ein dramatisches Braindrain und eine enorme Ressourcenabwanderung.[/quote]

    Hast Du Dir vielleicht mal das eigentliche [url=http://www.ng.ru/cis/2012-11-30/1_minsk.html]Original[/url] aus der Независимая газета durchgelesen?
    Dort steht das relativ sachlich und nun überhaupt nicht reißerisch gut beschrieben drin.
    Ich frage mich, wie der Übersetzer von RiaNovosti dazu kommt, die Hälfte wegzulassen, letztlich die Zahlen missverständlich erscheinen lässt (bzw. verfälscht) um daraus einen reißerischen Beitrag zu erstellen?

    Im Original steht (kurz zusammen gefasst) drin:
    Es gibt viel mehr offene Stellen als Arbeitslose. Letztlich fehlen ca. 100000 Arbeitnehmer die weg sind. Da es keine offiziellen Zahlen dazu gibt, kann man nur Vermutungen anstellen. Denn in der Arbeitslosenstatistik tauchen sie nicht auf.

    Meine Erklärung:
    Also sind sie entweder woanders arbeiten, wo sie statistisch nicht, oder nicht direkt erfasst werden. Z.B halt arbeiten im Ausland, oder bleiben für das wenige Geld lieber zu Hause, oder betätigen sich auf dem Schwarzmarkt (Benzinschmuggel?) oder haben sich selbstständig gemacht.

    Von 100000-150000 Leuten die „Auswandern“ ist dort NULL die Rede von.
    Offiziell sind im Jahre 2011 „nur“ 2000 in die EU, 5000 nach Russland ausgewandert. (steht auch im Original so drin!)

    Frage:
    Warum wird die deutsche Übersetzung von RIA so dermaßen verfälscht?

    Deswegen falle ich nicht so schnell auf irgendwelche Pressemitteilungen herein.
    Andere wohl schon…

    0
    #16596
    0-gravity
    465 Beiträge

    [quote=“MrRossi“ post=17073]

    Frage:
    Warum wird die deutsche Übersetzung von RIA so dermaßen verfälscht?

    [/quote]

    „Cui bono?“ – das sollte man sich beim Lesen so manches Artikels schon fragen.

    Nachdem ich viele Jahre der freien Presse als vierter Gewalt eigentlich vertraut habe (aus Naivität?) macht mich seit einigen Jahren die Entwicklung doch etwas ratlos. Ich vermisse mittlerweile bei vielen Themen ne seriöse Recherche. Es werden oftmals nur platte vorfabrizierte Versatzstücke geliefert, ohne in die Tiefe zu gehen oder was umfassend zu analysieren. Man plätschert meistens nur auf der Oberfläche rum, auch vermeintlich seriöse Medien. Das kann man an Themen fest machen, die D unmittelbar betreffen (z.B. die Eurokrise). Das kann man aber auch bei Berichten über BY fest machen, welche ein Bild mit den zentralen Punkten „Diktatur – böse, böse – Repressalien – Wirtschaftskrise“ zeichnen.

    Aber was will man damit bezwecken? Den meisten Leuten hier in D ist BY doch sowieso egal! Die interessieren sich ja nichteinmal für Themen, die sie direkt betreffen, das bemerke ich jeden Tag im Kollegenkreis..

    Haben die im Verlauf des Threads angeführte Meldung am Freitag auch im russischen Fernsehen gesehen und uns zuerst gewundert. Aber die anwesenden Weißrussen feixten nur und meinten, das wäre alles halb so wild. So gesehen tendiere ich auch zu MrRossis Sichtweise: Abwarten.

    Ok, Lukashenko hat Tausende Stellen unbesetzt und versucht die Abwanderung der Arbeitskräfte mit seinen Mitteln zu stoppen. So what? In weiten Teilen der EU sieht es momentan aber genau anders aus. Spanien z.B. hat 50% Jugendarbeitslosgkeit, Tendenz weiter steigend. Da geht ne ganze Generation kaputt – [u]DAS[/u] finde ich dramatisch!

    0
    #16597
    GroM
    4243 Beiträge

    Und schon wieder macht sie ihre Runden: die unqualifizierte Verallgemeinerung.

    Ich muss nun MrRossi vorwerfen, daß er entweder nicht so gut Russisch kann oder schlichtweg nicht imstande ist, eine gründliche Textanalyse zu machen. Die Übersetzung aus dem russischen Original ist einwandfrei und weicht kein bisschen vom Original ab. Lediglich der Titel und einige Begriffe wurden überspitzt.

    Um den Kerninhalt zu verstehen, muss man auch richtig lesen können.
    Die wesentlichen Aussagen:

    [1] „Белорусские власти фиксируют тревожные тенденции на рынке труда.“
    -> belarussische Regierung stellt besorgniserregende Tendenzen am Arbeitsmarkt fest.

    [2]“Официальная белорусская статистика масштабы трудовой миграции не учитывает.“ -> Minstat führt allerdings keine offizielle Statistik über die Arbeitsmigration.

    [3] „Федерация профсоюзов Белоруссии заметила, что в первом полугодии этого года в стране стало на 100 тыс. работающих меньше. При этом численность безработных не увеличилась. В связи с чем эксперты организации сделали вывод о том, что Белоруссию покинул «большой районный центр»“
    -> da schlagen aber bereits die staatstreuen Gewerkschaften Alarm und bestätigen die Abwanderung von Arbeitskräften aus Belarus. Die Zahl wird nicht direkt genannt, sondern mit der Bevölkerungsgröße eines großen regionalen Zentrums angegeben.

    [4] „Эти цифры вполне совпадают с теми, которые приводят независимые эксперты. По их данным, в последние годы из Белоруссии ежегодно уезжает порядка 150 тыс. человек“
    -> Unabhängige Experten bestätigen diese Einschätzung und nennen eine konkrete Zahl: 150.000 Auswanderer jährlich.

    [5] „Правда, на все подобные заявления представители власти приводят официальную статистику, утверждающую, что сальдо миграции в Белоруссии положительное и приезжающих в страну все больше.“
    -> die Regierungsstellen versuchen dagegen das Problem typischerweise klein zu reden, indem sie mit offiziellen allgemeinen Migrationstatistiken argumentieren, wonach mehr Menschen nach Belarus kommen.

    Im Artikel stimmen sowohl die Zahlen als auch die Zitate. Wer den Text richtig verstehen wird, der wird unschwer feststellen können, daß die Lage kritisch ist.

    Abwarten – ja, diese Haltung haben Belarussen seit Jahrzehnten (wenn nicht seit Jahrhunderten). Die Lage in Belarus mit der ebenfalls kritischen Lage in Spanien zu relativieren – das bringt weder Belarus noch Spanien weiter, 0-gravity.

    0
    #16598
    Andreas
    755 Beiträge

    [quote=“MrRossi“ post=17072]
    Ich darf nach Herzenslust auf Google suchen, während bei euch immer wieder mal die Meldung kommt, daß einige Suchergebnisse aufgrund „deutscher Authoritäten“ nicht verfügbar sind.
    ([url=http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/06/43908/]Die deutsche Bundesregierung stellt in Europa die meisten Aufforderungen an Google, Suchergebnisse zu löschen.[/url])[/quote]

    Solltest dann aber auch auf dieser Webseite diese Sätze gelesen haben:

    [b]“Die „vermeintlich hohe Zahl in Deutschland“ sei keine qualitativ verwertbare Zahl. Die meisten Anfragen in Deutschland seien legitim gewesen und durch Gerichtsbeschlüsse gedeckt.“[/b]

    und

    [b]“Hier befolgte Google sogar 77 Prozent. Dabei habe es sich bei einer einzelnen Anfrage um [u]70 YouTube-Videos gehandelt, die das Jugendschutzgesetz verletzen[/u]. Außerdem wurden aufgrund eines Gerichtsbeschlusses 898 Einträge entfernt, die auf Foren und Blogbeiträge verweisen, in denen Regierungsbehörden oder deren Mitarbeiter verleumdet werden.“[/b]

    Und so eine Google-meldung wie du sie hier postest, habe ich noch nie bekommen. Aber wer weiß nach welchen Internetinhalten du denn suchst 😎

    0
    #16599
    Helfer
    399 Beiträge

    Ich selbst kenne einige Belarussen(innen) die hier in D leben, Familie haben und gut integriert sind. Ob die jungen Leute bleiben oder gehen, liegt doch oft in der ökonomischen Situation eines Landes. Das kennen wir „Ossis“ ja auch aus den 80/90ziger Jahren.Letztendlich hat das jedes Land selbst in der Hand. Für mich ist ausschlaggebend, das ein solcher Schritt von den betroffenen selbst kommt und nicht in das jeweilige Land hineingetragen wird.
    Hier in D können wir nicht für alles Ungemach der Welt verantwortlich sein, können auch nicht alle aufnehmen aber die hier sind und dennoch noch kommen sollten wir in die Gesellschaft aufnehmen. Das allerdings kann und sollte keine einbahnstraße sein, Anpassung und Integrierung sollten und können wir erwarten.

    0
    #16605
    0-gravity
    465 Beiträge

    [quote=“GroM“ post=17078]Und schon wieder macht sie ihre Runden: die unqualifizierte Verallgemeinerung.

    Abwarten – ja, diese Haltung haben Belarussen seit Jahrzehnten (wenn nicht seit Jahrhunderten). Die Lage in Belarus mit der ebenfalls kritischen Lage in Spanien zu relativieren – das bringt weder Belarus noch Spanien weiter, 0-gravity.[/quote]

    Ich bleibe dabei: Ich halte die Lage nach dem Artikel weder für neu noch für so dramatisch wie beschrieben.

    – Die Flucht vom Land in die Stadt ist in BY schon ein ewiges Problem. Dem versucht Lukashenko schon länger durch verschiedene Maßnahmen zu begegnen (z.B. das er den Kolchosniks neue Häuser baut um die Attraktivität auf dem Land zu steigern). Diese „Landflucht“ ist im Übrigen ein Phänomen, welches man in vielen Gegenden Europas beobachten kann, auch bei uns.

    – Weiterhin wirst du bei einem Wohlstandsgefälle immer mit einer Bevölkerungsbewegung in Richtung „Arbeitspätze & Wohlstand“ rechnen können. Auch das ist bekannt und nicht spektakulär und schon gar nicht BY typisch. Erinnert sei an die Pendler die jede Woche aus Ostdeutschland in den Westen tingeln und auch an bestimmte Schutzklauseln bei der EU Osterweiterung, die z.B. die „Abwanderung“ der Polen in Richtung Westen einschränkte.

    – Fakt ist auch, das v.a. die in grenznahen Regionen zu Rußland lebenden Weißrussen schon immer gern nach Rußland zum Arbeiten gegangen sind und das Lohngefälle für sich ausgenutzt haben. Durch die Wirtschaftskrise bedingt hat dies sicherlich zugenommen. Auch in unserem Bekanntenkreis gehen einige über die Grenze arbeiten. Sie leben aber weiterhin in BY und sie sehen das Ganze auch nur temporär.

    – Üblicherweise ziehen solche Wohlstandsgefälle aber auch Investitionen von Firmen nach sich, die eben dieses Gefälle für Ihre Zwecke ausnutzen wollen und z.B. billiger produzieren wollen. Ok, das mag durch Lukas Wirtschaftpolitik sicher nicht so einfach zu realisieren sein (v.a. für westliche Konzerne, schade, schade), aber russische Firmen nutzen dies durchaus.

    – Auch die Weißrussen haben dies mittlerweile erkannt und nutzen die Situation zu Ihrem Vorteil aus. In meinem Bekanntenkreis sind einige Leute in den letzten zwei, drei Jahren in deutlich attraktivere Jobs mit deutlichen Lohnzuwächsen abgewandert. Andere wurden von Ihren Chefs zurückgeholt, nachdem sie bereits gekündigt hatten. (Ich bin da mittlerweile erstaunt, was da z.T. an Summen gezahlt wird, im Vergleich zur Situation vor wenigen Jahren). Also scheint auch diese „Selbstregulierung“ zumindest in Ansätzen zu funktionieren.

    – Der Artikel legt nun einen dramatischen Exodus der Weißrussen nah, der das System in BY destabilisiert. ‚tschuldigung, das erscheint mir aber mit den genannten Zahlen in dieser Form nicht belegbar! Um zu einem solchen Schluß zu kommen hätte ich gern doch etwas mehr Informationen, z.B. Ein- & Auswanderungsstatistiken über die letzten Jahre, Lohnentwicklungen usw. (Auch der Punkt der Auswanderung Richtung Polen/EU halte ich zumindest für zweifelhaft und macht die Glaubwürdigkeit des Artikels nicht besser). Die genannten Phänomene sind auch durch andere Entwicklungen erklärbar und eine genauere Analyse würde ich dann bei einer solchen Schlußfolgerung schon erwarten!
    Was also bezweckt der Artikel??? „Wem nützt es?“

    – Lukas Auftritt am letzten Freitag mit dem „Kündigungsverbot“: Das erscheint mir als unbeteiligtem Außenstehenden ersteinmal befremdlich. Der Versuch des Ex-Kolchose-Natschalniks mit der Situation umzugehen??? Keine Ahnung… Aber wie gesagt, wir haben diese Meldung am Freitag im TV gesehen und alle drei anwesenden Weißrussen haben bloß gefeixt! Was will Luka machen, die Leute mit der Polizei vorführen lassen?
    Hinzu kommt der Punkt „Kündigungsfristen“ den MrRossi ansprach. Wenn dem wirklich so ist, das es keine oder kaum nennenswerte Kündigungsfristen gibt, dann würde auch Lukas Auftritt wiederum durchaus einen Sinn ergeben. Und auch hier stellt sich mir die Frage: Wem nützt ein solcher Bericht, wenn durch Weglassen von Informationen ein ganz anderer Eindruck entsteht?

    0
Ansicht von 15 Beiträgen - 1 bis 15 (von insgesamt 74)

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.