Präsidentschaftswahlen 2006 – wer, wie, was?

Foren Politik Präsidentschaftswahlen 2006 – wer, wie, was?
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  • #1558
    fabmatti
    245 Beiträge

    Bei Heise wird´s auch schon erwähnt: [url]http://www.heise.de/newsticker/meldung/69977[/url]

    Lest euch mal die Beiträge dazu im Heise-Forum durch, da wird´s einem schwindelig, wieviele Reisefreunde und Papa Lus da rumgeistern. Das gleiche linkspropagandistische Gefasel, ohne die Fakten zu berücksichtigen.

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    #1559
    GroM
    4243 Beiträge

    „Hundreds of people in Homel region came to meetings with a presidential candidate, Alaxandar Milinkevich. Today he visited Zhlobin and Svetlahorsk. In Homel, Milinkevich met voters at a Palace of Construction Workers. The auditorium of 700 places was not able to host all the people willing to see Milinkevich – around a thousand gathered. “ (Quelle: Website von Milinkewitsch)

    … und in der einzigen überregionalen Zeitung der Republik findet man nichts außer AL und AL und AL und Ermoschina. Sehr treffend hat Kozulin bei seiner TV-Rede gestern gesagt
    (im Bezug auf den gigantischen Titelartikel der „Sowetskaja Belarussia“ mit dem Foto von nur zwei Protagonisten: AL und Ermoschina und der Überschrift: „Sie wählen“)
    [img]http://www.sb.by/newspaper/img/ico50005.jpg[/img]
    [url]http://www.sb.by/article.php?articleID=50005[/url]

    : [i]“Wen sollen wir wählen?! Schauen sie sich die Zeitungen an. Sie haben es bereits für uns entschieden!“[/i] (danach zerriss er die Zeitung vor laufenden Kameras und warf sie weg 😆 )

    Und in der Tat, schauen Sie sich belarussische staatliche Zeitungen an! (dazu eine Bemerkung: über 80% der belarussischen Bevölkerung haben mittlerweile Zugang ausschließlich zur staatlichen Presse!) Es entsteht der Eindruck, dass bereits alles entschieden ist. „Sowetskaja Belarussija“ bemüht sich überhaupt nicht mehr um die Berichterstattung zum Thema „Wahlkampf“. Würde AL im Rahmen seiner Wahlkampagne in Homel auftreten – wäre es längst auf allen Titelseiten und im TV. Bei anderen Kandidaten ist es überflüßig – wichtiger sind die Verleihungen „internationaler Auszeichnungen“ an AL.

    Und so entsteht der Eindruck einer völligen Alternativlosigkeit und angeboten wird ein einziger Weg: der mit AL. „Das darf doch so nicht sein!“ – hört man aus den Menschenreihen. „Es handelt sich um eine voreingenommene Einstellung zu den Wahlen seitens der internationalen Beobachter!“ – beschweren sich einige offizielle Russen. „Wählen Sie doch!“ – sagen (schmunzelnd) zentrale Wahlkommission und die staatlichen Medien.

    Willkommen bei den Präsidentschaftswahlen in Belarus! Ähm, bei den Wahlen?!

    PS: Ein Wunder, dass die TV-Reden der Kandidaten, die in Aufnahme laufen, nicht zensiert werden! Aber wieviel Menschen schauen sich schon TV um 18:00 Uhr an?! Also kann es sich das Regime leisten.

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    #1560
    GroM
    4243 Beiträge

    [quote]… danach zerriss er die Zeitung vor laufenden Kameras und warf sie weg[/quote]
    Habe die Geschichte auch gerade bei BelaPAN entdeckt
    http://elections.belapan.com/president2006/eng/show.php?show=48524
    [quote]Ein Wunder, dass die TV-Reden der Kandidaten, die in Aufnahme laufen, nicht zensiert werden! Aber wieviel Menschen schauen sich schon TV um 18:00 Uhr an?! Also kann es sich das Regime leisten.[/quote]
    Ja, in der Tat! Bis jetzt reagiert der Staat erstaunlich (und erfreulich) unaufgeregt. Und „nach 18:00 Uhr“ wird es ab Sonntag ja auch ein Kontrastprogramm geben, siehe
    http://de.rian.ru/world/20060223/43732979.html

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    #1561
    fabmatti
    245 Beiträge

    Ich bin ja mal gespannt, inwieweit die allgemeinen Medien in Deutschland über den Verlauf berichten. Ich meine damit aber Tagesschau/-themen und Heute. Dass die Wahl auf einem reinen News-Sender Beachtung finden wird, ist wahrscheinlich, aber der Großteil schaut halt beim Ersten und Zweiten rein.

    Natürlich bin ich gespannt, was der Spiegel dann berichtet. Stern und Focus kann man in der Hinsicht knicken, aber vom Spiegel erwarte ich mir schon was genaueres.

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    #1562
    fabmatti
    245 Beiträge

    [quote]Bei Heise wird´s auch schon erwähnt: [url]http://www.heise.de/newsticker/meldung/69977[/url][/quote]

    Hier waren zum Beitrag im Heise-Forum diese Links:

    [url]http://www.jungewelt.de/2006/02-09/049.php[/url]

    und

    [url]http://www.jungle-world.com/seiten/2005/42/6466.php[/url]

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    #1565
    GroM
    4243 Beiträge

    Ich habe auch noch einen Artikel in der „Berliner Umschau“ gefunden. Neu war für mich vor allen Dingen die „Familienhistorie“ von Alexander Milinkewitsch (wenn sie denn so stimmt). Da es mit den Links und dem Archiv bei der „BU“ immer so eine Sache ist, stelle ich den Artikel mal lieber vollständig ein:

    [size=1]Einmischungsmaschinerie läuft an
    EU-Sender gegen Weißrussland nimmt Betrieb auf
    Lukaschenko kündigt Widerstand gegen Destabilisierungsversuche an

    Mit deutlichen Worten hat Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko auf die Einmischungsoffensive der Europäischen Union reagiert. Die Armee des Landes werde, was ihre Einsatzbereitschaft und Mobilität angeht, ständig verbessert, sagte er am Donnerstag in der Hauptstadt Minsk. Beobachter werten dies als klares Signal, mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen keine fremdbestimmten Ereignisse nach georgischem und ukrainischem Vorbild zuzulassen.

    Ein solcher Ablauf dürfte in Brüssel gegenwärtig geplant werden. In dieser Woche hat der seit längerer Zeit angekündigte Einmischungssender über Mittelwelle und Satellit sein Tätigkeit aufgenommen, wie EU-Kommissionssprecherin Udwin in Brüssel mitteilte. Das Programm, Radio Racjas, das sich vor allem an die weißrussische Jugend wenden will, wird demnach vom Media Consulta (Deutschland), European Radio for Belarus (Polen), Radio Baltic Wave (Litauen), Journalisten, weißrussischen Nichtregierungsorganisationen und dem oppositionellen Fernsehsender RTVi getragen. Die EU stellt für das zunächst zweitsündige tägliche Programm insgesamt zwei Millionen Euro bereit.

    Auch die USA haben sich inzwischen mit Blick auf den bevorstehenden Urnengang in Weißrussland festgelegt. Die Festnahme von Bürgerrechtlern lasse Zweifel daran aufkommen, ob die Präsidentschaftswahl am 19. März frei und fair abläuft, so ein Sprecher des Außenamtes in Washington. Praktisch kommt dies einer angekündigten Nichtanerkennung der Wahlen gleich, hatte doch US-Außenministerin Condoleezza Rice Weißrussland bereits bei ihrer vergangenen Europareise als letzte Diktatur in Europa bezeichnet.

    Seit Donnerstag führen die weißrussische Opposition, Regierungsvertreter der Tschechischen Republik und der Slowakei, sowie der Europarat zudem in Prag eine Konferenz durch, die sich mit den bevorstehenden Wahlen befasst. Der Urnengang sei „ein guter Impuls für die internationale Gemeinschaft sein, ihre langfristigen Initiativen zur Demokratisierung des autoritär regierten Landes zu überdenken“, heißt es laut tschechischem Rundfunk in einer gemeinsamen Erklärung. Das Prager Außenministerium finanzierte die Minsker Opposition im vergangenen Jahr mit etwa 140.000 Euro. Wegen der Einmischung herrscht zwischen beiden Staaten bereits seit Monaten Frost; erst dieser tage hatte die tschechische Botschaft, nach eigenen Angaben, Informationsbroschüren über UNO-Resolutionen zu Menschenrechten verteilt. Das weißrussische Fernsehen meldete dagegen – wohl in Widergabe der offiziellen Linie – es sei „Agitationsmaterial unter Extremisten“ verbreitet worden.

    Bei den in Washington erwähnten Sprechern dürfte es sich um Timofej Drantschuk, Aleksandr Schalpajko, Emma Bronizkaja und Nikolaj Astrejko handeln. Diese, Mitglieder eine nicht zugelassenen Organisation, welche sich mit Wahlbeobachtungen befasst, waren am 22. Februar vom Geheimdienst KGB festgenommen worden. Zugleich durchsuchten die Sicherheitsorgane eine Reihe weiterer oppositioneller Wohnungen in verschiedenen Städten des Landes. Nach Aussagen von Ljudmila Grjasnowaja, Leiterin der in Litauen registrierten Weißrussischen Rechtsschutz-Allianz, hätte die Zahl der Festnahmen seit Jahresbeginn spürbar zugenommen.

    In Brüssel, aber auch von Seiten der wenig bedeutenden weißrussischen Opposition wird Staatschef Lukaschenko vor allem vorgeworfen, dass er überhaupt ein weiteres Mal kandidiert. Zwar sah die Verfassung des Landes keine dritte Amtszeit in Folge vor, Lukaschenko ließ sich jedoch eine weitere Kandidatur in einem – von der Opposition als gefälscht bezeichneten – Referendum einräumen. Weitere Kandidaten im März sind der Chef der Liberaldemokratischen Partei, Sergej Gajdukewitsch, der Vorsitzende der Belarussischen Sozialdemokratischen Partei Gramada, Aleksandr Kosulin, sowie der gemeinsame Kandidat der demokratischen Kräfte, Aleksandr Milinkewitsch.

    Einzig Milinkewitsch werden dabei gewisse Chancen eingeräumt. Der studierte Naturwissenschaftler, der in den 90er Jahren als Bürgermeister von Grodno an der Memel einen Namen hatte und zudem als Hobbyhistoriker über die weißrussische-polnische Geschichte arbeitete – er initiierte etwa die Erforschung vom Grab des letzten polnisch-litauischen Königs Stanislaw August Poniatowski – hielt nach seiner Zulassung zur Wahl als einziger Kandidat seine gesamte Ansprache auf Weißrussisch. Seit Urgroßvater war Teilnehmer des Januaraufstandes 1863/64, sein Großvater Aktivist der weißrussischen Nationalbewegung in den 20er Jahren.

    Das Glück seines Landes scheint Milinkewitsch dabei in einer Unterordnung gegenüber der Europäischen Union und, so ist zu vermuten, in einer Annäherung an Polen sehen. So verlangte er bereits im Januar die Entsendung von EU-Wahlbeobachtern nach Weißrussland. Anfang des Jahres war der Kandidat in Berlin von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) empfangen worden. Unterstützung genießen die ihn tragenden Gruppen und Grüppchen u.a. auch von der slowakischen Pontis-Stiftung, einer Hervorbringung der 1990 zur Unterstützung der politischen Transformationen im sowjetischen Machtbereich gegründeten US-NGO Foundation for a Civil Society.

    Lukaschenko wiederum erklärte,die Opposition habe keine Hoffnungen auf einen legalen Wahlsieg mehr und würde nun „alles tun, um Spannungen in unserem Land heraufzubeschwören, den Staat zu schwächen und unsere Werte zu beschmutzen“. Der Westen unterstütze ihn dabei. Zugleich forderte der Präsident die Sicherheitskräfte des Landes auf, hart durchzugreifen, sollte die Opposition die Lage zu eskalieren suchen.

    Von Paul Müller[/size]

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    #1569
    GroM
    4243 Beiträge

    Null Fakten! Null Konkretes! -> Vermutungen, Befürchtungen, Panikmache, Aufblähen, Spekulationen und vor allem fehlendes Interesse an einer fundierten Recherche. Manche haben es immer noch nicht gelernt Verantwortung übernehmen zu können… da bleibt man besser bei diffusen (All-)gemeinheiten. Journalismus a lá Lukaschenko.

    1. Radio Racija war der erste belarussische FM-Radio Sender „101.2“, der im Jahre 1996 geschlossen wurde, weil man die Frequenz angeblich für andere staatliche Zwecke beanspruchte. Weniger als ein Jahr später sendete in der Frequenz ein anderer staatlicher Sender! Radio „101.2“ hat vergeblich versucht weiterhin aus Minsk senden zu können, so ist der Sender nach Bjelastok umgezogen und sendete von dort aus bis 2002 (bis die Finanzierung ausgelaufen war) unter dem Namen „Radio Racija“.
    Zum Radioprofil muss man sagen:
    „Radio Racija“ hat sehr viel zu den Themen Musik, Kultur und Geschichte gesendet, die Sendungen waren ausschließlich in Belarussisch, hier konnte man endlich die belarussischen Bands hören, die bei allen anderen Sendern in Belarus de facto Sendeverbot hatten. Und natürlich gab es Nachrichten- und Politiksendungen. Moderatoren waren hier hauptsächlich Kulturschaffende und Journalisten, die nicht zu der eigentlichen politischen Opposition gehörten – dennoch waren sie eine „Opposition“ bzw. kritische Andersdenkende. Finanziert wurde der Sender von Polen und von den USA.
    Jetzt hat der Sender eine neue Finanzierung gefunden und kann seine Arbeit wieder aufnehmen und ich glaube nicht, dass sein Sendeprofil sich plötzlich ändern wird. „Radio 101.2“ bzw. „Radio Racija“ war, ist und bleibt eine wichtige Informationsquelle und Sprachrohr für diejenigen in Belarus, die vom System verdrängt, ausgeklammert und totgeschwiegen worden sind. Der Sender bleibt ein wichtiger Träger belarussischer Kultur!

    -> Und hier versucht die Presse uns die Fakten in einem völlig neuen Licht „zu verkaufen“: Ein neuer Sender von der EU finanziert; Ein Sender, der zum Umsturz verhelfen soll! Die Einen machen das, weil sie keine Lust auf eine fundierte Recherche haben bzw. den Lesern solche „komplizierte“ Hintergründe ersparen möchten; die Anderen tun das, um aus den Sensationsfloskel dieser Art Profit (Quoten) schlagen zu können; und Dritte wiederum reiben sich die Hände und spekulieren damit, weil es wunderbar ins ideologische Profil „der Sozialismus vs. Kapitalismus Theoretiker-Leser“ reinpasst. Vor einigen Monaten schrieen manche in einer ähnlichen Manier über den „Einmischungssender“ – „Deutsche Welle“. Damals hat der Sender noch nicht mal gestartet. Warum setzen sich die Schreihälse heute nicht mit der inhaltlichen Gestaltung des belarussischen Programms der Deutschen Welle auseinander? Vielleicht, weil keiner von ihnen überhaupt jemals etwas sagen will, sie reden ja nur.

    2. Die Opposition und der Westen.
    So schnell kann man in einem Land aus einem Begriff, der lediglich eine andere Positionshaltung definiert, einen Schimpf- bzw. Unwort machen: „die belarussische Opposition“ – die Schwachen und Gemeinen, die Westenorientierten und Verräter, die Zerstrittenen und Macht-, Geldgierigen, die Volksfeinde und Kapitalismusbefürworter, die Gewalttätigen und Banditen. Somit hat die Macht gewollt eine Bevölkerungsgruppe geschaffen, in die man mit Leichtigkeit abrutschen kann (nachdem man aus dem System hinaus geworfen wurde). Und so hat man eine Bevölkerungsgruppe kreiert, die man legitim bekämpfen kann. Eine differenziertere Sicht verkompliziert das Ganze bloß – sogar hier in Deutschland. Und in Belarus denkt man einfach: „Die Leiter einer nicht registrierte bzw. nichtsstaatliche Initiative verhaftet“ – ach ja, die Oppositionellen. „Die Jugendlichen einer nichtstaatlichen Organisation festgenommen“ – ach ja, die Oppositionellen. „Die Studentin aus der Uni rausgeworfen und ins Ausland gegangen –ach ja, die Oppositionelle, die Klugscheißerin, zu den Sponsoren geflüchtet“. „Der Geschäftsführer eines Privatbetriebs wegen der Korruption hinter die Gitter gebracht“ – ach ja, der Kapitalist, der Oppositionelle unterstützte. So einfach ist es geworden, die Tatsachen zu handhaben, mit diesen zu leben und diese zu ignorieren. So einfach ist es für das belarussische Regime geworden, Andersdenkende bzw. Unwillige auszublenden, gleichzuschalten.

    Ich möchte es aber differenzierter sehen:
    – Die Kulturzeitschrift „Studumka“ (Studentischer Gedanke) ist geschlossen und verboten. Redaktionsmitarbeiter werden von KGB überwacht. Warum? Die Jugendlichen haben sich bemüht, eine innovative, stylige und hochqualitative Zeitschrift in belarussischer Sprache mit Themen „Musik, Kultur, Soziales, Freizeit etc.“ zu gestalten und somit eigene Sprache und Kultur zu fördern. Oppositionelle? Kriminelle? Sie wollten lediglich ihr eigenes Ding machen und sich dem staatlichen Einfluss nicht unterwerfen. Sie waren einzigartig.
    – Der Jugenddachverband „Rada“ (soziale, Bildungsprojekte, Jugendarbeit) ist vor wenigen Wochen liquidiert worden. Warum? Man hat sich um die Partizipation belarussischer Jugendlicher an internationalen sozialen Jugendprojekten gekümmert. Man bot den nichtstaatlichen Jugendorganisationen eine Alternative an, sich gemeinsam mit der Jugend zu beschäftigen. Oppositionelle? Vom Westen finanzierte Umsturztrainer? „Rada“ war ein Dorn im Auge, den die staatliche Jugendorganisation „BRSM“ braucht ein Monopol in der Jugendarbeit, um somit die ideologische Arbeit im Sinne der Regimepolitik gezielter durchführen zu können.
    […] Bandaschewskij, Bykau, Levonevskij … etc. etc. etc.

    Jetzt möchte ich aber auch die so genanten „Umsturzpläne“, von denen das Regime so oft spricht, differenzierter gezeigt bekommen.
    Verteilt jemand Flugblätter mit dem Aufruf zum Protest auf? Debattieren oder drohen Politiker im belarussischen Parlament zum Thema „Regimewechsel in Belarus“? Schlummern die Wirtschaftseliten im Hintergrund und bereiten ihre Sprachrohre (Medien) auf den „Fight“ vor? Die EU bereitet einen Umsturz vor? (schauen sie sich die ängstliche IBB in Minsk an! Lächerlich.) Unsinn! Die belarussische TV-Propaganda berichtet von virtuellen Trainingscamps und Schlägertrupps, die vom Westen ausgebildet werden; von den, auf dem Territorium westlicher Botschaften installierter, Spionenstützpunkten. Konkret wird man nicht – würde auch nicht funktionieren. Man weiß aber, dass es auch keiner wissen wollen würde – es reicht auch so schon. Das Feindbild ist da, die gewaltsame, vom westen finanzierte Opposition ebenfalls. Das Regime hat die Legitimität zum harten Durchgreifen gegen die friedlichen Demonstranten erlangt. Und diese Legitimität wird lautstark in die Öffentlichkeit transportiert – wehe, ihr wagt es!

    Und dennoch fragen wir uns: „Umsturz bzw. Revolution in Belarus möglich?!“ Jeder Belarusse wurde sofort antworten: Niemals! Wovor hat das Regime dann eigentlich Angst?

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    #1574
    julius
    24 Beiträge

    Angst kommt ja eigentlich nur auf, wenn man das Gefühl hat, etwas verbotenes oder ungerechtes zu tun und in dieser „Sünde“ auch entlarft zu werden. Dann baut man schon mal vor ! – aus Angst halt.
    Anders kann man sich das „Ticken“ des Systems ja auch nicht vorstellen. -aber diese Erkenntnis hilft allen Andersdenkenden auch nicht weiter.
    Wer sich nicht „opfern“ will, sagt halt weiterhin dass die Sonne scheint, auch wenns regnet !
    Und genau auf diese Haltung baut der ÄNGSTLICHE – auf die Angst der Anderen !

    Gruss, Julius

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    #1575
    GroM
    4243 Beiträge

    So ist das, Julius. Und die „kontrollierte Unwissenheit“ der Anderen ist dabei einer der Hauptinstrumente des Ängstlichen.

    Übrigens, es gibt sie doch noch -> die Journalisten, die sich nach Belarus trauen und Augen offen halten.
    (aber Thomas Roser dürften einige gut kennen)
    Sein Artikel aus dem Tagesspiegel:
    http://www.belarusnews.de/wahlen_20061484-.html

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    #1592
    GroM
    4243 Beiträge

    [b]2. März 2006 [/b]
    – Kozulin wird festgenommen. Vorwurf: er widersetze sich den Sicherheitskräften (SOBR) des Palastes der Eisenbahner, nachdem er ins Gebäude zur Regisrierung als Delegierter zur dritten Allbelarussischen Volksversammlung nicht reingelassen wurde. Zusammen mit ihm werden weitere 15 Aktivisten festgenommen. Zwei Journalisten werden schwer verprügelt. Kozulin wird ebenfalls mehrmals geschlagen. Die Frage bleibt unbeantwortet: warum darf Kozulin, der über 100.000 Unterstützer im Volk sammeln konnte, nicht zur „offenen und demokratischen“ Volksversammlung?
    Außerdem wird in der Hauptstadt geschossen – bei manchen Milizbeamten scheinen Nerven völlig blank zu liegen.
    http://www.belarusnews.de/wahlen_20061495-.html

    – Lukaschenko spricht vor den Delegierten der Allbelarussischen Volksversammlung. Seine Rede ist klar eine Wahlagitation und ein Hagel aus Beleidigungen der anderen Kandidaten, aus Vorwürfen gegenüber dem Westen und Appellen an Russland. Der Satz wird wohl in die Geschichte eingehen:
    „„Wenn wir unser Land ohne Kampf aufgeben, werden unsere Kinder uns verfluchen – unsere Enkel, Urenkel werden sich daran erinnern, – sagte der Präsident.“
    http://www.belarusnews.de/politik1496-.html

    Zur gleichen Zeit passieren im belarussischen Internet selstsame Dinge:

    Minutenaktuelle Nachrichtenportale:
    http://www.naviny.by
    http://www.charter97.org
    sind größtenteils nicht erreichbar!
    andere kämpfen wohl, denn die Verbindung ist sehr langsam:
    http://www.belapan.com
    news.tut.by

    Die staatlichen Quellen:
    http://www.belta.by
    http://www.sb.by
    http://www.tvr.by
    sind dagegen blitzschnell und 100% erreichbar.
    Ob es wohl am Wetter liegen könnte?!

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    #1593
    Andrei
    40 Beiträge

    Bei mir sind alle nichstaatlichen nicht mehr erreichbar! An meiner Internet Verbindung glaub ich liegts sicherlich nicht!

    update: naviny ist derzeit wieder erreichbar

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    #1594
    Nitay
    128 Beiträge

    Hallo,

    es war zu erwarten. Die Internetseite charter97.org ist durch einen DOS-Angriff blockiert worden. Das ist der Wahlkampf nach bewährter Lukaschenko-Art: im Netz mit Hilfe von IT-Spezialisten und auf der Straße und in öffentlichen Gebäuden mit Hilfe von gut trainierten Prügel-Banden. Alles unter KGB- Patronage.

    Viele Grüße an gleichgesinnte

    Nitay

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    #1600
    GroM
    4243 Beiträge

    [quote]Die Internetseite charter97.org ist durch einen DOS-Angriff blockiert worden.[/quote]
    Ist schon wieder vorbei, aber ich habe auch noch eine Fotoreportage auf „open.by“ gefunden, siehe
    http://news.by/333/2006-03-02/11772/
    Leider kann ich ja kein „kyrillisch“ 😉 Was issen das für ’ne Seite 🙄
    PS: Interessante Meldung vom Nachbarn: http://de.rian.ru/world/20060302/43880887.html
    und noch ein „unbekanntes“ Foto von der „Kopfnuss“ http://en.rian.ru/world/20060302/43879658.html

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    #1601
    targa71
    559 Beiträge

    Nur so zur Info: Heute wurde Lukaschenko zum Verlierer des Tages in der BILD-Zeitung gewählt. Und das stand klein auf Seite 1!

    Wußte gar nicht das das die Blöd-Zeitung den Unterschied zwischen Rußland und Weißrussland kennt… 🙂
    Gruss

    targa71

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    #1602
    Nitay
    128 Beiträge

    [quote]ich habe auch noch eine Fotoreportage auf „open.by“ gefunden, siehe
    http://news.by/333/2006-03-02/11772/
    Leider kann ich ja kein „kyrillisch“ 😉 Was issen das für ’ne Seite 🙄
    [/quote]

    Hallo Reisefreund,

    das ist die Nachrichten-Seite von einem der größten weißrussischen Internet-Portale all.by oder open.by. Ist leider nur in russischer Sprache.

    Und vielen Dank an Targa71 für die Info über den Artikel in der Bild-Zeitung. Tja, diesen Unterschied kennen auch viele Deutsche nicht. Leider…

    Nitay

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