Interview: Visakosten hemmen Einreisetourismus in Belarus?

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    GroM
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    [i][b]Man kann die Probleme des Einreisetourismus nur mit der Herabsetzung der Visakosten nicht lösen[/b][/i]

    Heute sprechen wir mit dem Leiter der Konsularverwaltung des Auslandsministeriums der Republik Belarus Wassilij Shlutko.

    [b]-Wassilij Anatoljewitsch, was wurde im vergangenen Jahr vom belarussischen Konsulat gemacht, um den Strom der ausländischen Touristen in unser Land zu vergrößern?[/b]

    – Vor allem möchte ich unterstreichen, dass wir uns aktiv an unserem gemeinsamen Ziel der Entwicklung des Einreisetourismus beteiligen. Im vergangen Jahr kamen wir fast jede Woche auf den Tagungen, die dieser Frage gewidmet waren, im Ministerium für Sport und Tourismus und in der Regierung zusammen. Es wurde schon viel gemacht, damit Belarus zu einem offenen Land wird und auch für die Festigung der zwischenstaatlichen zivilisierten Beziehungen.

    Nehmen wir z.B. die Zahl der Konsularabteilungen im Ausland. Zur Zeit sind es 51 und ihre Zahl wird immer zunehmen. Für die Arbeit mit den Touristen und den Bürgern, die in unser Land aus denjenigen Staaten kommen, wo es noch keine belarussischen Konsularabteilungen gibt, funktioniert die Konsularstelle im Nationalflughafen «Minsk». Dort werden pro Jahr im Schnitt mehr als 20 Tausend Visa erteilt. Ab dem 1.Januar 2005 wurde die Ordnung eingeführt, wonach unsere ausländischen Gäste, die mit einem Besuchs-oder Geschäftsziel kommen und deren Aufenthaltsdauer weniger als 30 Tage beträgt, in dieser Konsularabteilung keine Einladungen vorzulegen brauchen. Diese Ordnung erstreckt sich auf die EU-Bürger, sowie auf die Bürger von Norwegen, Kroatien, Andorra, Lichtenstein und Island. Außerdem sind wir den Wünschen der Reiseunternehmen entgegengekommen und seit dem vergangenen Jahr werden Visa für zwei und drei Einreisen nach den Zahlungsschecks der belarussischen Reisebüros erteilt, die vom Ministerium für Sport und Tourismus registriert worden sind. Wir haben den Personalbestand im Nationalen Flughafen «Minsk» vergrößert, was Verkürzung der Schlangen und Beschleunigung des Prozesses der Visaerteilung zur Folge hatte.

    [b]-Nimmt die Gesamtzahl der Visa zu, die den Ausländern erteilt werden und welchen Anteil davon machen Touristenvisa aus? [/b]

    Eine Tendenz zur Zunahme der Gesamtzahl der Visa ist zweifellos zu verzeichnen. Wenn 2004 364 Tausend Visa ausgestellt worden sind, dann sind es im Jahr 2005 schon 384 Tausend. Leider können wir solchen Zuwachs an Touristenvisa nicht beobachten. Im Gegenteil, wenn 2004 68 Tausend Visa erteilt worden sind, im vergangenen Jahr hingegen – etwa 65. Wenn wir über einzelne Länder sprechen werden, ist die Zahl der Touristen aus Lettland drastisch gesunken: von 10,2 im Jahr 2004 bis auf 5,2 Tausend 2005. Etwas weniger Touristen kommen aus Italien und Deutschland…

    [b]- Fast auf jeder Besprechung, die den Prblemen des Inlandstourismus gewidmet ist, auch in den Massenmedien kann man einen und denselben Appell zu hören bekommen: «Man muss die Kosten für das Einreisevisum für die Ausländer senken, dann wird der Touristenzustrom drastisch anwachsen!» [/b]

    – Wir haben auf diese Meinung gehört, und haben diese Frage nicht nur theoretisch studiert, sondern auch einen praktischen Schritt gemacht. Ende des vergangenen Jahres haben wir die Zahl der Visa analysiert, die den Touristen aus den USA erteilt worden sind. Es stellte sich heraus, dass sie nur um 200 angewachsen sind! Dabei hat die durchgeführte Analyse ergeben, dass die kleine Steigerung der Zahl der Visa dadurch bedingt ist, dass diejenigen, die früher in unser Land mit Besuchs-und Geschäftszielen kamen und entsprechende Visa hatten, bekamen in diesem Jahr Touristenvisa, die zwei Mal billiger geworden sind. Etwas Ähnliches ist auch mit den litauischen Visa passiert. Nach gemeinsamer Absprache mit der litauischen Seite sind ihre Kosten im Sommer vergangenen Jahres um 4 Mal geschrumpft, die Zahl der Touristen aus Litauen hat sich laut der Bilanz für das Jahr 2005 nur um 7% vergrößert! Ich bin davon überzeugt, dass man die Probleme des Einreisetourismus nur mit der Herabsetzung der Visakosten nicht lösen. Wenn wir überhaupt kostenlose Einreise einführen werden, wird sich der Prozess nicht schneller vollziehen. Das Problem liegt woanders – die Touristeninfrastruktur ist nicht genug entwickelt, der Dienstleistungsbereich entspricht dem Weltniveau nicht, es fehlt «das gewisse Etwas», das positive Image – das sind die Hauptgründe dafür, warum die Ausländer keinen besonderen Wunsch zeigen unser Land zu besuchen.

    [b]- Erzählen Sie uns bitte über die nächsten Pläne der Konsularabteilung.[/b]

    – Unsere Pläne werden schon realisiert. Wir haben die Ausarbeitung der neuen «Vorschrift über die Erteilungsordnung der Visa der Republik Belarus den ausländischen Bürgern und Personen ohne Staatsbürgerschaft» abgeschlossen. Nach der Vorschrift beträgt die Gesamtaufenthaltsdauer der ausländischen Gäste und der Touristen in der Republik Belarus 90 Tage pro Jahr. Ich glaube, dass es für touristische Zwecke genug ist. Im Unterschied zu den alten Fassungen ist in der neuen Fassung das einfache Touristenvisum für eine Einreise und das Mehrfachvisum vorgesehen, d.h. wenn der Tourist im Laufe eines Monats zu uns dreimal, viermal und öfter kommen möchte, dann kann er das problemlos machen. Das gilt auch für die Transitvisa. Wenn der Tourist das Visum für das Land hat, wohin er fährt, dann kann er durch unser Territorium einige Male durchreisen. In der neuen Vorschrift wird noch nicht über die Kostenveränderung gesagt, aber bis zum Juni planen wir die Ausarbeitung eines neuen Tarifs der Bearbeitungsgebühren unter der Berücksichtigung der Wünsche verschiedener Behörden. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden es einheitliche niedrigere Tarife der Bearbeitungsgebühren für alle Visatypen sein, die dem europäischen Niveau entsprechen werden. Außerdem könnten dann die Mitarbeiter unserer Konsulate flexibler sein und Entscheidungen bezüglich verschiedener Touristen selbständig treffen und die Tarife herabsetzen, wenn es notwendig sein wird.

    Unter unseren Plänen auf lange Sicht ist die Eröffnung der Konsulate in Instanbul, Barcelona, Athen, Shanghai und Ho-Chi-Minh, sowie Schaffung einer Konsularstelle in dem modernisierten Flughafen «Minsk – 1».

    [Quelle: Gazeta "Otdych i Turizm" und http://www.belarusnews.de; Übersetzung: TanKa]

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