Gesundheitswesen Belarus !

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  • #11253
    Natallia
    38 Beiträge

    Wahrscheinlich als einzige Belarussin in diesem Thread wollte ich (fast) allem zustimmen.

    Es ist leider so: obwohl die Ärzte in BY sehr gut ausgebildet sind, sind sie sehr beschränkt – es mangelt an Geräten, Medikamenten, Gebäuden.

    Meine Mutter hat Diabetis. Sie ist es schon gewohnt, zuerst in den Laden zu gehen (ein „Schmiergeschenk“ zu kaufen), und erst dann in die Poliklinik. Ich denke, die Leute übertreiben oft mit diesen Geschenken und haben selber die Ärzte daran gewöhnt. Aber – andererseits – sehe ich, dass die „geschmierten“ Sachen schneller und effektiver sind. Leider.

    P.S. meine Mama musste noch nie operiert werden. Aber mit ihren Klagen ist sie doch immer wieder im Krankenhaus. Essen bekommt sie immer, Medikamente ebenso. 🙂 Die medizinische Versorgung ist wirklich kostenlos. Die „empfohlenen Extras“ kaufen wir meist selber. Das ist aber in jedem Land so.

    Im Unterschied zu DE, sind die Ärzte und Lehrer in BY ziemlich schlecht bezahlt. Ich bin alleine deswegen sehr dankbar richtig guten motivierten Ärzten, die trotz allen Schwierigkeiten in staatlichen Einrichtungen bleiben und sich nicht für die privaten Kliniken wegwerben lassen. Diese (Kliniken) haben meist guten Ruf, können aber nicht von jedem Bürger bezahlt werden.

    …aus meiner Erfahrung: in ersten Jahren hier in DE (noch als Studentin) habe ich eher blind ALLEN deutschen Ärzten vertraut. Muss ja DE-Qualität sein. Mein schnelles Fazit: auch hier muss man sich erkündigen und paar „Berichte“ sammeln, bevor man mit sich was machen lässt. All die Geschichten, die nicht mehr so lustig sind, weil eben so traurig, lasse ich lieber aus.

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    #11261
    mikael321
    2337 Beiträge

    [b]Natallia schrieb:[/b]
    [quote]Es ist leider so: obwohl die Ärzte in BY sehr gut ausgebildet sind, sind sie sehr beschränkt – es mangelt an Geräten, Medikamenten, Gebäuden.[/quote]Sach ich doch ! Mein Reden. 😀 Die Ausbildung kann ich aber auch nur auf das Studium beziehen. Nach dem Studium kommt leider recht wenig neues dazu.

    Außerdem ist das auch abhängig von der Fachrichtung . Chirurgen sind Handwerker. Entweder kann jemand sein Handwerk oder er kann es nicht. Im Regelfall sind die Chirurgen eigentlich besser als in Deutschland ( als in der CH alle mal ) schon deshalb weil sie deutlich früher anfangen zu schnibbeln als die EU Kollegen . Und das zusätzlich noch unter schwereren Bedingungen . ( Keine Klima im Sommer, wenig Heizung oder Sauna im Winter, schlechtes Licht, alte OP Tische u.s.w. ) Nur Training macht halt den Meister. Meine Frau hatte mit 23 Jahren schon 250 Op´s selbst gemacht, und bei ca. 500 assistiert . Das sitzt der Deutsche Kollege noch in der Uni, oder hat grade erst angefangen zu studieren. ! ( Passt auch zu dem Beitrag über den Finger wieder annähen )

    In anderen Bereichen u.a zb Anästhesie , Pharmakologie , Nuklearmedizin sind die BY Doc´s meilenweit von Ihren EU Kollegen weg.

    [b]Natallia schrieb:[/b]
    [quote] Ich denke, die Leute übertreiben oft mit diesen Geschenken und haben selber die Ärzte daran gewöhnt. [/quote]Bei der OP meines Schwiegervaters gab es direkt eine Preisliche Einweisung . 250 US§ kostet der beste Chirurg , 50 EU der beste Anästhesist , 100 US$ wenn es KEINE künstlicher Darmausgang sein soll, Schwestern bekommen Pralinen und Schampanski, u.s.w …….

    [b]Natallia schrieb:[/b]
    [quote]Im Unterschied zu DE, sind die Ärzte und Lehrer in BY ziemlich schlecht bezahlt. [/quote]Jau so 250 – 500 US§ waren es letztes Jahr. Meine Frau hatte 2003 ca. 150 US$ Viele gehen deshalb ins Ausland, oder versuchen sich als zb. Kaufmann . Viele bekommen auch Depressionen , weil man den Patienten nicht so helfen kann, wie es wo anders möglich wäre . ( Die meisten wissen wie es in der EU aussieht, da viele schon zumindest 1 Kurs in der EU hatten )

    [b]Natallia schrieb:[/b]
    [quote] aus meiner Erfahrung: in ersten Jahren hier in DE (noch als Studentin) habe ich eher blind ALLEN deutschen Ärzten vertraut.[/quote]Ja da ging es meiner Frau ähnlich. Die wollte sogar noch mal Medizin in Deutschland studieren, weil die Deutschen Ärzte ja so geil sind. 😀 Aber nach den ersten Wochen in der Klinik hatte sie schon begriffen, das auch die Deutschen Kollegen nur mit Wasser kochen. Also hat sie dann drauf verzichtet und ist doch gleich arbeiten gegangen .

    Michael

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    #11262
    GroM
    4243 Beiträge
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    #11269
    Rainer
    30 Beiträge

    Also für mich wäre es ein Grauen wenn mir was in Belarus passieren würde und müsste dort in Ärztlicher behandlung , zb bei Schlaganfall oder Herzinfarkt Stroke Units Kliniken fehlanzeige usw…gibt es in Belarus überhaupt Rettungshubschrauber so wie in D ?

    was mikael321 geschrieben hat , hat mich schon geschockt.

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    #11271
    GroM
    4243 Beiträge
    0
    #11292
    mikael321
    2337 Beiträge

    [b]Rainer schrieb:[/b]
    [quote].gibt es in Belarus überhaupt Rettungshubschrauber so wie in[/quote]Also ich weiß es nicht, aber ich habe Gründe anzunehmen das nicht. Vor 2-3 Jahren hat mal ein reicher Franzose einen Herzinfarkt in Grodna gehabt . Die haben einen Krankentransportwagen von Frankreich nach Grodna geschickt, der den Franzosen dann nach Minsk gefahren hat. ( Inkl. 2 Ärzte und 2 Sannis ) Dort wartete bereits ein Rettungsflieger, der ihn nach Paris geflogen hat. Bei dem Aufwand hätte man sicher auch einen Heli gemietet , wenn so was möglich gewesen wäre.

    Michael

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    #11297
    Obi
    391 Beiträge

    [b]Jörg schrieb:[/b]
    [quote]naja jede art von krankheit ist nicht gut egal wo man ist…
    wie oft kommt die hilfe hier in deutschland zu spät? wie oft gab es streitigkeiten wegen der zuständigkeit? also herzinfarkte und schlaganfälle sind auch hier in deutschland ein großes problem, nur wenn du in einer stadt wohnst sind die chancen gut[/quote]

    Das es keine guten Krankheiten gibt, kann man so stehen lassen.

    Aber das „deutsche zu spät“ ist ein anderes wie das „weissrussische zu spät“.

    Wenn Du auf dem Dorf lebst, und wegen Schlaganfall bzw. Herzinfarkt, einen Krankenwgen benötigst, fang lieber an zu beten.

    Alle Fälle, von denen ich weiß, haben tödlich geendet.

    Ich wohne hier auch auf einem Dorf, weiß aber, das der Rettungswagen in 15minda ist.

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    #11306
    Steffen
    10 Beiträge

    Wenn ich das hier lese, bekomme ich richtig Fracksausen. Ich will hoffen, dass mir nichts passiert und ich ins Krankenhaus muss. Ist das in Minsk auch so? Ich mein die Menschen sterben doch nicht wie die Fliegen in Belarus-Krankenhäusern. Oder etwa doch? Oder versteh ich alles falsch?

    Grüße

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    #11308
    GroM
    4243 Beiträge
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    #11314
    Obi
    391 Beiträge

    [b]Jörg schrieb:[/b]
    [quote]gerade bei herzinfarkten und schlaganfällen ist eine schnelle hilfe überlebenswichtig. auch in deutschland gibt es dort lücken, gerade im ländlichen bereich, wo es immer weniger hausärzte gibt ist dieses eines der größten probleme.

    das es gerade in den ostblock staaten auf dem land noch schlechter sein dürfte, ist wohl fast anzunehmen. wie es in den städten aussieht kann man nur vermuten, wobei dort eine recht rasche hilfe eigentlich kein problem sein dürfte. das einzigste problem was man haben könnte, ist das ein anrückender krankenwagen nicht die richtigen mittel an board hat.[/quote]

    Wie oft warst Du schon in Belarus??

    Wieviele Wochen warst Du davon außerhalb von Minsk??

    Hast Du schon mal in einen UAZ-452 Krankenwagen reingeschaut??

    Da ist noch weniger drin als in einem deutschen Rotkreuz-Fahrzeug.

    Und ob das Personal wirklich ausgebildete Ärzte sind, wage ich zu bezweifeln.

    Und Hausärzte gibt es auf den Dörfern auch nicht, das sind höchstens Ersthelfer.

    Wir haben in Deutschland Hausärzte, gutausgestattete Rettungswagen, Notärzte und Hubschrauber.

    Nur zur Info:

    Hilfsfrist der Rettungsdienste verschiedener Bundesländer

    Baden-Württemberg: 10–15 Minuten
    Bayern: 13–16 Minuten
    Berlin:
    Brandenburg: 15 Minuten
    Bremen:
    Hamburg:
    Hessen: 10 Minuten (Rettungsdienst), 15 Minuten (Notarzt)
    Mecklenburg-Vorpommern: 10 Minuten
    Niedersachsen: 16 Minuten
    Nordrhein-Westfalen: 8 Minuten, in ländlichen Bereichen 12 Minuten
    Rheinland-Pfalz: 15 Minuten
    Saarland:
    Sachsen: 10 Minuten
    Sachsen Anhalt: 12 Minuten
    Schleswig-Holstein: 12 Minuten
    Thüringen: 14 Minuten, in ländlichen Bereichen 17 Minuten

    Hilfsfrist als Qualitätsmaß

    Der reale Erreichungsgrad der Hilfsfrist in einem Gebiet kann nachträglich anhand von Einsatzstatistiken festgestellt werden. Er dient dann als Qualitätsmaß. Weicht dieser Wert signifikant von der Hilfsfristvorgabe ab, dann muss die Organisation des Brandschutzes bzw. Rettungsdienstes überprüft werden, insbesondere die Anzahl und die Positionierung von Rettungsfahrzeugen.

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    #11317
    GroM
    4243 Beiträge
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    #11318
    Obi
    391 Beiträge

    Warum willst Du immer Belarus mit Deutschland vergleichen??

    Das kann man nicht!!!

    Man hat bei der Erstversorgung auch wirklich nur Ersthelfer.

    Und nicht sehr selten beträgt die Fahrstrecke vom Krankenhaus bis zum Einsatzort 50km und mehr.

    Wenn ich drüben bin, habe ich 70km zum einen und 60km zum anderen Krankenhaus.

    Rettungswagen wie hier, habe ich auf den Dörfern noch keine gesehen, eben nur Krankenwagen.

    Und unter diesen Umständen kann ich auch nachvollziehen, warum soviele Menschen den Transport nicht überleben.

    Warum soll ich mir über das Sterben von Gehirnzellen Gedanken machen, wenn ich eh hinüber bin, wenn die Hilfe da ist??

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    #11319
    GroM
    4243 Beiträge
    0
    #11320
    mikael321
    2337 Beiträge

    [b]Obi schrieb:[/b]
    [quote]Wieviele Wochen warst Du davon außerhalb von Minsk??

    Hast Du schon mal in einen UAZ-452 Krankenwagen reingeschaut??

    Da ist noch weniger drin als in einem deutschen Rotkreuz-Fahrzeug.

    [/quote]Auch dazu kann mit einer Geschichte beitragen. Als meine Frau mit dem Studium und dem Jahr Assistenzzeit ( in BY Obligatorisch ) fertig war, ist sie nach Biarozaŭka ( zwischen Lida und Novogrudok ) in die dortige Poliklinik versetzt worden.

    Dort gab es genau 2 Ärzte für so ca. 5000 Menschen . ( Biarozaŭka und Umgebung halt )

    Nr. 1 einen 60 Jährige Alkoholikerin .
    Nr. 2 meine Frau frisch von der Uni gekommen .

    Und die sollten jetzt jetzt die Verantwortung für ca. 5000 Personen tragen, und das an 7 Tagen die Woche 365 Tage im Jahr !

    Nach 3 Wochen hat sich Schwimu mit 500 US$ , Vodka, Wurst u.s.w. auf den Weg nach Minsk ins Gesundheitsministerium gemacht, weil meine Frau das nicht ausgehalten hat .

    Eine Woche später wurde meine Frau dann nach Grodna versetzt !
    Immer wenn wir zum Sviciaź See oder Novogrudock fahren und an der Poliklinik vorbei kommen, schaut sie kurz rein . Sieht wohl alles noch wie früher aus , und ich würde da nicht mal Sachen unterstellen ! 🙁

    Michael

    [img size=499]http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/12/UAZ-452_Medical_(EMS)_2006_G4.jpg[/img]

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    #11323
    Obi
    391 Beiträge

    Und die Polizei fährt

    [url=http://autopixx.de/autobilder/bilder-L808Kngp-polizei-chrysler-300c.html]Chrysler [/url]

    -devil -devil

    Bevor hier jemand aufschreit:

    Nicht alle Polizisten, haben so ein schönes Auto!!

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