Einfuhr von Tieren aus Belarus nach Deutschland

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    Beiträge
  • #6087
    Ralf
    11 Beiträge

    ??? Hallo, meine Frau ist aktuell bei Ihren Eltern in Belarus, Minsk. Sie hat gefragt ob es möglich ist, ein oder zwei kleine Landschildkröten, die Ihre Freundin in Vielzahl hat, mitzubringen, um wenigstens ein paar dieser Tiere zu retten.
    Hat jemand Erfahrung mit den Zollvorschriften und Einfuhrbestimmungen von Tieren von Belarus nach Deutschland?
    Lese im Netz von sehr empfindlichen Geldstrafen bis hin zu Gefängnisstrafen.
    Leider kennt Sie die Art der Landschildkröten nicht (Jungtiere) und damit haben wir leider auch keine Zuordnung zum Washingtoner Artenschutzabkommen.
    Freue mich über Antworten.

    0
    #6088
    mikael321
    2337 Beiträge

    DIE AKTUELLEN GESETZLICHEN BESTIMMUNGEN
    FÜR DEN BESITZ UND DIE HALTUNG VON

    SCHILDKRÖTEN

    Seit 1. Juni 1997

    gilt eine neue Artenschutzverordnung im gesamten EU-Raum. Sie dient vor allem der Umsetzung des

    Washingtoner Artenschutzabkommens (WA)

    Liste ANHANG A

    enthält jene Arten, deren Erwerb, Besitz und Weitergabe den strengsten Auflagen unterworfen ist.

    * Für die Einfuhr in die EU ist eine Einfuhrgenehmigung notwendig, deren Erteilung an die Vorlage
    einer Ausfuhr- oder Wiederausfuhrgenehmigung (CITES – Dokumente) gebunden ist. Eine Einfuhr
    von Wildexemplaren für kommerzielle und private Zwecke ist nicht möglich, entsprechend ist auch
    ihr Kauf oder Verkauf innerhalb der EU verboten.

    * Bei Nachzuchttieren (auch F1) kann die Behörde eine Befreiung des Vermarktungsverbotes
    erlassen.

    * Für die Weitergabe und Ausfuhr von Arten des Anhanges A sind in jedem Fall die entsprechenden
    CITES-Dokumente (Ausfuhr- bzw. Wiederausfuhrgenehmigung) notwendig.

    * Soweit dies zumutbar ist, besteht im Falle einer Vermarktung von Tieren des Anhangs A eine
    Kennzeichnungspflicht.

    Achtung: Dies bedeutet praktisch: auch der Transport z.B. zum Tierarzt oder vom Garten in die Wohnung etc. hat nur unter Mitnahme der CITES Bescheinigung zu erfolgen! Ebenso gilt nur die CITES Bescheinigung als unanfechtbarer Herkunftsnachweis.

    Beachten Sie unbedingt, daß nur das Originaldokument gilt, nicht jedoch eine Fotokopie !

    Diese Liste beinhaltet folgende Landschildkröten (Testudinidae)
    Galapagos-Riesenschildkröte
    Geometrische Landschildkröte
    Strahlenschildkröte
    Maurische Landschildkröte
    Madagassische Schnabelbrustschildkröte
    Griechische Landschildkröte
    Mexikanische Gopherschildkröte
    Ägyptische Landschildkröte
    Spaltenschildkröte
    Breitrandschildkröte

    Liste ANHANG B

    umfaßt vor allem Arten, die im Anhang II des WA aufgeführt sind.

    * Für die Einfuhr von im Anhang B aufgeführten Arten in die EU muß wie bei den Arten des
    Anhanges A eine Einfuhr- und eine Ausfuhr- bzw. Wiederausfuhrgenehmigung vorgelegt werden.

    * Für die Weitergabe ist eine CITES-Bescheinigung allerdings nicht mehr vorgeschrieben, wohl
    aber muß die Herkunft des Tieres dokumentiert sein (z.B. durch einen Kaufvertrag oder
    Händlerrechnung). Um den Legalitätsnachweis zu erleichtern, sollten alle derartigen Unterlagen
    einen Verweis auf entsprechende CITES-Dokumente enthalten.

    * Für die Ausfuhr von Tieren des Anhanges B aus der EU müssen CITES-Dokumente (Ausfuhr-
    bzw. Wiederausfuhrgenehmigung) vorgelegt werden.

    Diese Liste beinhaltet folgende Schildkröten :

    alle übrigen Landschildkröten, wie

    z.B. Russische Steppenschildkröte

    z.B. Rotwangen-Schmuckschildkröte

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    #6104
    targa71
    559 Beiträge

    Der Mikael321 kennt sich anscheinend nicht nur im Visumsrecht gut auch das Schildkröten-Visumsthema kann er beantworten….. 🙂

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    #6106
    fabmatti
    245 Beiträge

    Wie ist es denn bei Hauskatzen? Meine Tochter würde gerne ein süßes Kätzchen aus Belarus mit nach Deutschland nehmen. Muss das angegeben werden?

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    #6107
    mikael321
    2337 Beiträge

    [quote]Der Mikael321 kennt sich anscheinend nicht nur im Visumsrecht gut auch das Schildkröten-Visumsthema kann er beantworten….. :-)[/quote]Ja sicher dat. 🙂

    Seit dem 01. Oktober 2004 gelten für Haustiere (Hunde, Katzen und Frettchen) neue Tiergesundheitsbestimmungen der Europäischen Gemeinschaft. Die neuen Regelungen dienen dem Schutz vor Einschleppung und Verbreitung der Tollwut.

    Damit es bei der Einreise keine Probleme gibt, muss jedes Haustier, das aus einem Drittland stammt und in die EG eingeführt wird,

    * mit einem Mikrochip oder – übergangsweise bis 02. Juli 2011 – mit einer lesbaren Tätowierung eindeutig gekennzeichnet sein,
    * eine ordnungsgemäße Tollwutschutzimpfung haben,
    * von einer amtlichen Veterinärbescheinigung begleitet sein, in dem die Mikrochipnummer oder die Tätowierung eingetragen sind. Zusätzlich sind Impfpapiere sowie ggf. der Befund eines Bluttests mitzuführen.

    Bei Reisen aus einem Drittland, in dem Tollwut vorkommt oder dessen Seuchenstatus unbekannt ist, z.B. Türkei, Ägypten, Marokko, Tunesien, Thailand, Indien

    * muss im betreffenden Land vor der Ausreise ein Bluttest (Tollwutantikörpertest) in einem EG-zugelassenen Labor durchgeführt werden,
    * muss vom Zeitpunkt des Bluttests bis zur Einreise eine Wartefrist von drei Monaten eingehalten werden.

    Aufgrund aller einzuhaltenden Wartezeiten (für Impfung und Bluttest) können aus diesen Ländern stammende Hunde, Katzen und Frettchen die tierseuchenrechtlichen Einreisebedingungen im Rahmen des Reiseverkehrs frühestens im Alter von sieben Monaten erfüllen.
    Es ist außerdem zu beachten, dass:

    * diese Vorschriften auch für die Mitnahme von gefundenen Tieren gelten (Strandhund/Hotelkatze),
    * nicht mehr als fünf Tiere mitgeführt werden dürfen.

    Bei der Einreise mit Tieren, für die die oben angeführten Anforderungen nicht erfüllt sind, muss damit gerechnet werden, dass die Tiere an der ersten Grenze der EG kostenpflichtig vom Amtstierarzt entweder ins Herkunftsland zurückgeschickt, für mehrere Monate in Quarantäne genommen oder unter Umständen auch die Tötung der Tiere angeordnet werden kann.

    Weiterführende Informationen über die tierseuchenrechtlichen Bestimmungen erhalten Sie beim Tierarzt, beim zuständigen Amtstierarzt oder auf der Seite des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zum Thema „Reisen mit Haustieren“.

    Bei der Einfuhr von Hunden ist außerdem das Gesetz zur Beschränkung des Verbringens oder der Einfuhr gefährlicher Hunde in das Inland zu beachten.
    Nach diesem Gesetz dürfen Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden nicht nach Deutschland eingeführt oder verbracht werden. Das Verbot gilt auch für weitere Rassen, für die nach den Vorschriften des Bundeslandes in dem der Hund ständig gehalten wird, eine Gefährdung vermutet wird. Weitere Informationen dazu kann Ihnen das für Ihren Wohnsitz zuständige Ordnungsamt erteilen.
    Zur Vermeidung übermäßiger Beschwernisse im Reiseverkehr sind folgende Hunde von dem Einfuhr- und Verbringungsverbot ausgenommen:

    1. Gefährliche Hunde, welche von Personen mitgeführt werden, die sich bis zu vier Wochen in Deutschland aufhalten (dies betrifft insbesondere den Touristenverkehr),
    2. Gefährliche Hunde aus dem in Deutschland zurzeit vorhandenen Bestand, die aus dem Ausland wieder eingeführt/verbracht werden,
    3. Dienst- und Behindertenbegleithunde,

    soweit die Hundehalter über die zur Überprüfung der Tiere erforderlichen Papiere verfügen (z.B. Abstammungsnachweis, Impfpass, Wesenstestbescheinigung, sonstige Bescheinigungen des zuständigen Ordnungsamtes).

    Neben den oben genannten Bestimmungen müssen auch die zollrechtlichen Regelungen für Einfuhren im Reiseverkehr beachtet werden.

    Michael

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