Deutsche Politik gegenüber Belarus

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  • #1313
    GroM
    4243 Beiträge

    in diesem Forum würde ich gerne über die zukünftigen Möglichkeiten für deutsch-belarussische Kooperationen und Projekte speziell im Bildungsbereich diskutieren. Dazu ist ein Diskussionspapier „angehängt“, was sich der Interessierte erst durchlesen mag.

    >>> http://www.belarusnews.de/exklusiv1377-.html

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    #1334
    GroM
    4243 Beiträge

    Meinst du wirklich die Einmischung von aussen zur „Demokratisierung Weissrusslands“ ist der richtige Weg? Merkst du nicht, das es egal ob EU oder USA nicht um die Menschen in den zu „demokratisierenden“ Ländern geht, sondern um die Bodenschätze der Länder auszubeuten bzw. für einen freien Markt zu sorgen! Freiheit bedeutet in den Augen der EU-Bürokraten eben nicht Freiheit des Volkes sondern Freiheit für den Markt.
    Ich war schon häufig bei Freunden in Belarus, sowohl in Minsk als auch auf dem Land. Bei aller Schönheit des Landes und der (Gast)Freundschaft der Menschen hatte ich immer ein etwas bedrücktes Gefühl und war auch wieder froh zu Hause in Holland zu sein.
    Ich denke nur, es wird den Menschen in Belarus genauso wie den Menschen in Polen und der Ukraine gehen. Sie wünschen sich Zuckerwatte und werden bitter enttäuscht sein.
    Mir fällt auch keine Lösung für das Problem ein, aber eine „Demokratisierung“ von Belarus würde den Lebensstandard der Menschen – der ohnehin nicht sehr hoch ist (aber es reicht!) – erheblich senken, von den ganzen Arbeitslosen mal abgesehen.
    Als junger Mensch würde ich mir dies nicht für mein Land wünschen und auch nicht aus dem Ausland darauf hinarbeiten.
    Bei meinem letzten Aufenthalt in Minsk habe ich mir mit einem Freund diese Seite angeguckt, es hat ihn sehr traurig gemacht, wie hier Landsleute von ihm aus dem Ausland im warmen Kämerchen Stimmung machen. Sein Kommentar war nur: „Guck doch nach Polen…“

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    #1339
    GroM
    4243 Beiträge

    [quote]… Bei meinem letzten Aufenthalt in Minsk habe ich mir mit einem Freund diese Seite angeguckt, es hat ihn sehr traurig gemacht, wie hier Landsleute von ihm aus dem Ausland im warmen Kämerchen Stimmung machen. Sein Kommentar war nur: „Guck doch nach Polen…“[/quote]
    Du solltest deinem Freund nicht diese Seite hier zeigen, Tschetnik, sondern die Realität um in herum. Wenn er es für traurig hält, dass „seine Landsleute im Ausland im warmen Kämerchen Stimmung machen“, dann scheint er die Wirklichkeit um sich herum gekonnt zu „filtrieren“.

    Es reicht bloß die Websites bzw. Foren von führenden belarussischen Portalen „tut.by“ und „telegraf.by“ zu lesen – ja, Internet blüht in Belarus auf, weil es das einzige Medium in Belarus geblieben ist, das nicht von Angst, Zensur und Propaganda bestimmt wird. Noch nicht! Denn Einschüchterungen und Verfolgungen seitens der Regierung nehmen langsam ihren Lauf.

    Empfehle doch mal deinem Freund dort die Meinung seiner Landsleute zu lesen, die nicht im „warmen Kämmerchen“ sitzen und lediglich „Stimmung machen“ wollen. Noch kann man diese Stimmen hören, noch ist der Weg nicht völlig „zugemauert“. Noch nicht! Ist es dann soweit, dann bleibt Belarus völlig blind.

    Besser noch – du versuchst deinen Freunden in Belarus etwas über die Konstruktivität einer kritischen Auseinandersetzung zu erzählen. Schöne Geschichten erzählen – macht das Leben zwar einfacher, das ist jedoch kein bewußtes Leben. Schalte in Belarus das Fernsehen ein – ein Märchen nach dem anderen. Konstruktive Kritik ist ein Fremdwort. Anschuldigungen, Beschimpfungen, öffentliche Demütigungen, emotionale Eskapaden und sogar Drohungen dominieren die „analytisch-kritischen“ Sendungen bzw. Berichte der belarussischen staatlichen Medien; sind aber auch in manchen oppositionellen Zeitungen keine Seltenheit. Woher sollen die Menschen auch wissen was eine kritische Auseinandersetzung ist, wenn die Diskussionskultur sich immer noch nach dem Modell „Gewinner-Verlierer“ und nicht nach einer konstruktiven Weiterentwicklung orientiert. Ich will nicht sagen, dass es Belarus-typisch ist. Das hängt eher von dem Bildungsstand und der Bildungsqualität des Menschen ab.

    Nach der Vorführung des Films „89 Millimeter – das Leben belarussischer Jugendlicher in der letzten Diktatur Europas“ von Sebastian Heinzel in Minsk haben einige junge Menschen ihre äußerst emotionale Reaktionen geäußert. „Das kann nicht stimmen!“ – sagten sie. „Das ist ein negatives und falsches Bild von Belarus. Er darf im Westen nicht gezeigt werden, weil er das Land im schlechten Licht darstellt“. Zur gleichen Zeit befanden sich im Saal einige der Protagonisten des Filmes, die im Film über ihre Schicksäle berichtet haben. Sie mischten sich in die Diskussionen nicht ein, denn sie haben sich daran gewöhnt, dass nachdem sie „aus dem System herausfielen“, die anderen Menschen sie nicht mehr wahrhaben wollten. Meine Freunde, die ich zur Vorführung eingeladen habe und die sich sehr gut im System „positioniert“ haben, sagten mir später in einem Gespräch, dass der Film für sie eher befremdlich war – weil sie sich in ihrem Leben von „dieser Realität“ vollkommen abgeschottet haben. „Das ist nicht schwer, wenn du in Belarus halbwegs gut verdienst und drin „im System“ bist.“
    Das war eine überlegte, eine ehrliche Antwort… Das war der Anfang einer kritischen Auseinandersetzung, die man heutzutage in Belarus nur nach solchen nicht genehmigten und somit illegalen (!) Veranstaltungen (Filmvorführungen) erfahren kann.

    Bleibt den jungen Menschen in Belarus der Weg zum kritischen und selbstständigen Denken verwehrt, werden sie aufgrund ihrer Wertvorstellungen, Ideale, Individualität und Kreativität deskriminiert, eingeschüchtert und „aus dem System hinausgeworfen“, dann sind ihre Schicksäle keine innere Angelegenheit des Nationalstaates mehr! Dann ist die internationale Gemeinschaft, die Solidarität anderer junger Menschen gefragt. Die Rede hier ist nicht von einer Einmischung, sondern von einer Zusammenarbeit. Sondern vom Auffangen und Zusammenarbeiten mit diesen jungen Menschen im Bildungs-, Kultur,- oder Sozialbereich. Denn sie sind die Zukunft!

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    #4996
    GroM
    4243 Beiträge

    Jetzt bin ich, ehrlich gesagt, etwas enttäuscht oder verwundert darüber, dass dieser Artikel kaum und überhaupt das letzte mal vor fast 2 1/2 Jahren diskutiert wurde.

    Ausgehend davon, dass diese Seite wohl hauptsächlich an deutschsprachige Belarus- Interessierte gerichtet ist, spielt gerade in diesem Zusammenhang die Aurichtung der bilateralen Politik zwischen beiden Staaten eine bedeutende Rolle; nicht nur die zwischenstaatlichen Beziehungen sind damit gemeint, sondern auch der tägliche Kleinkram der hier unter Themen wie … Visum, Reisen, Handel usw. debattiert wird.
    Nach meinem Wissen hat das BMZ in den letzten Jahren (CIM ausgenommen) wohl gerade einmal 2 Mio zur Verfügung gestellt, um Kleinprojekte in Belarus zu fördern. Dies geschieht hauptsächlich über den sogenannten Studien- und Fachkräftefond, was dem ganzen nochmals deutliche Beschränkungen auferlegt.

    Der Schwerpunkt der deutschen EZ liegt ach wie vor in Afrika, ungeachtet der Tatsache, dass sich die dortigen System teilweise nur minimal von Belarus unterscheiden und seit zig Jahren Gelder im wahrsten Sinne des Wortes versanden. Andererseits wird immer noch in Länder investiert, die auf Grund der wirtschaftlichen Lage gut und gerne selbst für nötige Beratung zahlen könnten, wie es verschiedenen Golfstaaten schon seit langem tun. Bestes Beispiel Aserbaidschan, wo es auch eine Vertikale des Präsidenten gibt, jedoch über das Öl genug Geld vorhanden ist und Deutschland versucht die Privatwirtschaft zu fördern, anstatt sich um andere, z.B. Demokratisierungs- oder Dezentralisierungsprozesse zu bemühen.

    Ausgrenzung und Sanktionen sind nicht immer der richtige Weg, um Systeme zu einer Änderung/Neuausrichtung zu bewegen, rufen oft Trotzreaktionen hervor. Deshalb sind sanfte Kooperationen gerade im Bildungsbereich vielerorts ein erster aber effektiver Schritt um neben dem reinen Aus-, Weiter- oder Fortbildungsziel auch mental einiges in den Köpfen zu bewegen. Es sind doch eher die Jugendlichen oder jüngere Menschen, die aus- und fortgebildet werden und deshalb für neue Ideen, gleich welcher Art, auch viel empfänglicher.

    Deshalb ist es aus meiner Sicht wünschenswert, sich in Belarus neben der Unterstützung von NGO’s auch der Beratung staatlicher Institutionen zu widmen. Regierungsinstitutionen sind derzeit aussen vor; wen wundern dann Reaktionen gegen geförderte NGO seitens der Regierung.

    Naja, Entwicklungszusammenarbeit hat ihre eigenen Gesetze, nicht immer logisch und rational. Ich bin in der deutschen EZ seit 14 Jahren verankert und kenne von daher viele Nuancen, um nicht zu sagen Stilblüten. Dennoch hege ich Zweifel, dass sich mittelfristig und speziell für den Fall Belarus etwas ändern wird

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