Besuch aus Belarus samt ihrer Eindruecke uber/in D

Foren Soziales Besuch aus Belarus samt ihrer Eindruecke uber/in D
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  • #5617
    Marius Hanisch
    14 Beiträge

    Hallo ihr alle,

    nachdem in diesem Forum viellerlei Impressionen deutscher Reisender ueber Belarus kundgetan haben, wuerde mich nun intressieren was eure Gaeste aus Belarus bei ihren Besuch(en) in Deutschlang an Eindruecken gewonnen haben und moechte nun mal mit meinen Erfahrungen beginnen

    Vorab. Ich habe zweimal Besuch aus Belarus empfangen, beides mal handelt es sich um verschiedene Eheleute Ende Zwanzig und beides mal spielte sich aehnliches ab.

    Im Fruehjahr 2008 besuchte micht das erste Paar, mit denen ich zuvor geschaeftlich zu tun hatte bzw hierueber kennen gelernt habe. Beide haben zum erstemal in ihrem Leben das Land Richtung EU verlassen (koennen)

    Abgeholt habe ich sie am Flughafen Duesseldorf. Leicht uebermuedet habe ich sie dort empfangen. Da der Flughafen Duesseldorf keinen direkten Bahnhof inne hat, erfolgt der Weg zum Bahnhof ueber eine Schwebebahn von den Flughafenterminals.
    Hier begannen schon die ersten Eindruecke, die ich zunaechst nicht deuten konnte. Mit grossen Augen haben die die kurze Fahrt kommentarlos ueber sich ergehen lassen und hab mir nichts weiter dabei gedacht. Am Bahnhof angekommen, rauschte ein ICE mit mittlerem Tempo vorbei. Diesen haben sie lange nachgestarrt und zig Fotos gemacht, auch von den Mehrphasen-Muelltonnen am Bahnsteig (einen fuer Papier, Glas und Restmuell). Da beide sehr irritiert ausgeschaut haben, war ich mir nicht sicher, wie ich das deuten sollte.
    Nachdem ich denen erzaehlt habe, dass grad soeben ein Hochgeschwindigkeitszug vom Typ ICE III vorbeigesaust ist und wir in Deutschland unseren Muell recyceln schauten sie noch deprimierter aus. Auf Nachfragen erhielt ich knapp die Antwort, dass ich mir die Zuege und die Muelltonnen in Belarus mal angucken sollte. Nachdem ich nun mehrmals selbst in Belarus war, konnte ich das alles sehr gut nachvollziehen, weniger im Hinblick auf Hightech eher was den museumscharakter angeblangt.
    Als naechstes Stand die Fahrt in einem doppelstoeckigen Regionalexpress nach Koeln an.
    Neben mir sass ein zu gespraechiges Ehepaar aus Duisburg, die uns Stolz ihre neuste Foto-/Videokamera samt Aufnahmen zeigten und unentweg sich mit mir unterhalten haben. Auch hier wieder grosse Augen auf Seiten meiner belarussichen Freunde. Soviel (harmonischer) Kommunikation auf einer Bahnfahrt waren sie wohl nicht gewoehnt, was ich auf einer Fahrt von Litauen nach Minsk im rostigen Vintage-Zug nachvollziehen durfte.
    In Koeln angekommen fuehrt ein Weg zum Bahnhofvorplatz direkt neben dem koelner Dom
    zu den Taxistaenden, bestehend aus den neusten Mercedes- und VW-Modellen. Auch hier wieder zig Fotos.

    In meiner Wohnung angekommen haben sie erstmal eine zeitlang an den Amaturen meines Waschbeckens und Badewanne rumgespielt, nun weiss ich auch warum.
    Anstatt wie bei denen daheim einen Hahn fuer Warm- und Kaltwasser hatte ich einen Einzigen, wo man durch links-rechts Bewegungen die Temperatur einstellen konnte.
    Obwohl mein damaliges Badezimmer aus meiner Sicht weder schoen nocht sonstwie spektakulaer war, hatten beide ihr helle Freude. Gleiches erlebete mein Cerankochfeld in der Kueche. Auf die Frage wie oft denn das Warmwasser oder gar der Strom ausfaellt konnte ich verwundert mit“ nie“ antworten – nun begannen sie zu strahlen und waren sichtlich Happy und haben jeden Tag stundenlang gebadet.
    Nun durfte meine Heizung drann glauben. Auf die Frage ab welchem Monat bzw Aussentemperatur meinen Heizung denn funktionieren wuerde, antwortete ich „wann ich will“. DIes konnten sie sich nicht vorstellen und musste das durch Drehen des Thermostates samt Handauflegen auf der Heizung erstmal bestaetigt bekommen.

    Am Folgetag holte uns ein Bekannter in seinem Audi RS 6 ab und wir fuhren zeitweise mit 245 km/h auf der Autobahn Richtung Siebengebirge zwecks Sightseeing auf dem Petersberg und Drachenfels. Beide haben stets drumm gezankt wer vorne sitzen darf oder die Kontrolle ueber das Autoradio uebernehmen durfte, herrlich
    Sie waren begeistert von der Landschaft und der Aussicht.

    In Koeln gibt es einen riesigen Laden mit Outdoor-Kleidung und -Zubehoer, die einen dicken Pool zum antesten von Kajaks, Tauchzubehoer und aehnliches haben
    Hier haben wir zum leidweisen der Mitarbeiter alles bis zum erbrechen ausgereizt, nichts gekauft und dennoch viel Spass gehabt. Da dieser Laden auch eine Regenkammer zum antesten von Regenkleidung hat, haben wir auch hier die Mitarbeiter in ihrer Geduld pruefen koennen, gleiches galt fuer die Kletterwand und der mit Waermebild-Kameras ausgestatteten Kaelte-und Windkammer fuer Winterbekleidung.

    Um denen auch die weniger schoene Seite der Stadt zu zeigen, fuhr ich mit denen auch in die Problem-Bezirke, die wir gern als Ghettos bezeichnen. Leider konnte ich sie weder mit
    K-Chorweiler noch K-Meschenich samt ihrer Plattenbauten sonderlich schocken. Sie fanden, dass diese im Vergleich noch in gutem Zustand sind und wohl dem Mittelstand zugeordnet werden muessten.

    Besonders angetan waren sie von der koelner Infrastruktur,dem Treppenhauesern von Mehrfamilienhaeusern, den Shopping-Meilen (wo sie fuer mich unerwarted viel Geld fuer Designerklammotten und Edel-Kosmetik ausgegeben haben) sowie dem Nightlife samt der technischen Ausstattung der lokalen Clubs (Sound, Licht, Deko) und meiner Flatrate. Ich hatte noch nie so dankbare Gaeste.

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    #5619
    sirius6
    85 Beiträge

    hi,

    seltsames Volk hat dich da ja besucht 😉

    Ich bekomme 2-3 mal im Jahr minimum Besuch aus Belarus, erstaunen konnte eigentlich noch nie wirklich irgendetwas auslösen, zumindest nicht in der von dir beschriebenen Art und Weise. Was ich bestätigen kann : Luxuskosmetika kaufen Sie alle ein, die ist nämlich ca. 2-3 mal so teuer in Belarus.

    Das mit den Wasserhähnen habe ich in Belarus noch nie gesehen, das dort jemand einen für kalt und einen für warm hat, obwohl ich dort schon sehr viel unterwegs war……

    Zur Heizung: da hättest du ruhig erzählen dürfen was dich die Heizung pro Jahr kostet, dann wäre das erstaunen in Schocking unmgesprungen.

    Nette Natur findet man auch in Belarus zur Genüge, meiner Meinung nach sogar etwas natürlich schöner als bei uns, allerdings keine Berge.

    Ich bin nach wie vor der Meinung das es uns eigentlich nicht wesentlich besser geht in DLand als in Belarus und dank Finanzkrise und Kurzarbeit wirds auch noch ne ganze Ecke schlimmer. Wir haben viele Sachen die die Menschheit nicht braucht und wenn man mal in Japan oder Singapur war dann weiss man das es dazu auch noch eine 1203% ige Steigerung gibt.

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    #5620
    targa71
    559 Beiträge

    [b]sirius6 schrieb:[/b]
    [quote]hi,

    seltsames Volk hat dich da ja besucht 😉

    Das mit den Wasserhähnen habe ich in Belarus noch nie gesehen, das dort jemand einen für kalt und einen für warm hat, obwohl ich dort schon sehr viel unterwegs war……

    [/quote]

    🙂 Das habe ich mir beim lesen des Berichtes auch so gedacht!

    Also, zweigeteilte Wasserhähne habe ich Belarus bei Privatleuten auch noch nicht gesehen! Allerdings habe ich das vor 15 Jahren noch in USA gesehen und da war ich über die Rückständigkeit der Amis auch ein wenig geschockt…… 🙂

    Nunja, besser gehen ist ist immer so relativ!
    Ich finde zumindestens das es eine Spur einfacher ist! Gerade z.B. was das Einkaufen und die Vielfalt des Angebotes angeht!

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    #5622
    Linkinger
    100 Beiträge

    Hi,

    zumindest das mit den Fotos kann ich bestätigen. Wir hatten vor zwei Jahren zwei Freundinnen meiner Frau zu Besuch, die auch alles fotografiert haben. Das hat bei mir dann aber jegliche Hemmungen beseitigt, meinerseits bei meinen Besuchen in BY alles von Interesse zu knipsen.

    Die Mülleimer an den Bushaltestellen haben ebenfalls die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Aber nur, weil sie zumindest von der Form mit denen in Minsk identisch waren.

    Verwunderung haben vor allem die selbst im Sommer abends leeren Straßen ausgelöst. Unser Besuch konnte sich gar nicht vorstellen, dass alle daheim rumhocken und nicht bei dem schönen Wetter spazieren gehen.

    Nunja, Geld für Kosmetika haben die beiden auch nicht ausgegeben, wohl aber für Kleidung. Gerade von den günstigeren Läden waren sie begeistert.

    Zwei getrennte Wasserhähne kenne ich aus England und Irland (und verfluche sie noch heute – so oft wie ich mir dort die Pfoten verbrannt habe…).

    Bei meinem ersten Besuch in Minsk vor einigen Jahren habe ich am Taxistand ebenfalls große Augen gemacht: Wow, so viele Wolgas! Irre!

    Okay, und bei einem Audi RS 6 würde ich mich auch drum streiten, vorne sitzen zu dürfen – und zwar auf der linken Seite! Dazu muss man nicht mal ein Autofetischist sein -wink

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    #5623
    Siggi
    81 Beiträge

    Ein freundliches Hallo an alle !

    Ich bin diesem Forum beigetreten, da ich hier interessante und auch neue Informationen über Belarus gefunden habe und einen Aura , die man als angenehm und offen bezeichnen kann.
    Deshalb wollte ich meine persönliche, subjektive Meinung äußern, die auch etwas ausführlich geworden ist 😉

    Zu dem Thema „Belarus mit anderen Augen“ gesehen kann man sicherlich über den Sinn und Zweck des Lebens philosophieren und wie in einzelnen Kulturkreisen damit umgegangen wird. – Das Thema Besuch aus Belarus und die Beurteilung Deutschlands ist halt die Sicht von Ost nach West !

    Prolog:
    Ich bin schon etwas älter (Bj. 1950) und bin in Niedersachsen aufgewachsen und habe hier mein Abbi gemacht. Die „Zonengrenze“ vor der Nase und Verwandte „drüben“. Ich bin auch oft nach „Westberlin“ in der Zeit gefahren , auch mal „Ostberlin“ besucht , auch Urlaub am Schwarzen Meer und Besuch in Bukarest. Ich war noch beim Bund , als der „Freiheitssender 904“ uns noch mit seinen Eruptionen beglückte. ..Soviel zu meinen „Ost-Erfahrungen“- vorher.

    Durch seltsame Zufälle – Bekannte über vier Ecken – habe ich letzten Sommer eine Internetbekannschaft in Minsk gefunden.
    Bis dahin waren meine Kenntnisse über Belarus die , die in meinem Bekanntenkreis auch vorhanden sind. Ein kleines Land im russischen Machtbereich, das auf eigenen Füßen stehen möchte. Politisch unübersichtlich , in den Medien kaum erwähnt , es sei denn es geht um die Todesstrafe, Parlamentswahlen oder das Gas bleibt aus.

    Zunächst West -> Ost

    Nach langen Gesprächen über ICQ und mail – (sie kein deutsch – ich kein russisch ; also alles auf englisch ) wollte ich die Frau auf der anderen, entfernten Seite und natürlich dieses Land, in dem sie lebt, unbedingt kennen lernen. Im Dezember letztes Jahr war ich das erste mal in Minsk für zwei Wochen – gewohnt im IBB und im Belarus-Tower. Meine Bekannte (jetzt Verlobte) ist Akademikerin und „director“ einer wissenschaftlichen Abteilung. Bei meinem zweiten Besuch habe ich vierzehn Tage in ihrer Drei-Zimmer-Wohnung am Stadtrand gewohnt. Ihr verstorbener Vater war Offizier und sie wohnt nun mit ihrer Mutter und der studierenden Tochter dort.
    Wir haben kulturelle Events besucht , waren fast überall in der Stadt und auch in der Umgebung. Ich kenne den Arbeitsplatz meiner Verlobten und deren Kollegen und auch die UNI , wo ihre Tochter studiert (ich war fasziniert vom Bildungsangebot in Minsk).
    Ich bin mit meinem Auto so oft in die Stadt gefahren, dass ich nun schon fast eine Besuchergruppe über Minsk informieren könnte und kenne die meisten wichtigen Gebäude und Institutionen. Beim zweiten Besuch war ich auch ein paar mal allein unterwegs – ohne russische Kenntnisse.
    Und ….. die Stadt ist sauber ….. richtig sauber !!
    Auch den „Hochsicherheitstrakt“ der deutschen Botschaft nahe des IBB, wo man erst mal laut werden muss, um einen deutschen Mitarbeiter zu sprechen, habe ich von aussen besucht, um mit ihr ein Visum abzuholen.
    Hiervon war ich deprimiert und schockiert – ich kenne anderen deutsche Botschaften in anderen Ländern.
    Mittlerweile weiß ich auch um die finanziellen Bedürfnisse in Belarus und sehe , dass eine Offizierswitwe knapp € 150,- Rente bekommt und meine Verlobte 14 Stunden am Tag arbeiten muss , mit 2,5 Arbeitsstellen, um den Lebensunterhalt und das Studium der Tochter zu gewährleisten. Schließlich soll diese nach dem Studium selbst entscheiden können , was sie dann macht. Ich weiß auch , dass für eine kleine Augenoperation ihrer Mutter mal eben 600 –700 € hingelegt werden müssen.

    Unsere Internetkontakte laufen über Modem , oder , wenn´s mal funktioniert über ein „schwarzes“ Intranet ..dann haben wir fast DSL Geschwindigkeit. Und natürlich Telefon mit 9 Cent / Minute.

    Ich glaube einen kleinen Einblick in das Leben einer belarussischen Mittelstandsfamilie bekommen zu haben, die in der Hauptstadt lebt.

    Wenn ich das vergleiche mit den Bedingungen in Deutschland , drängt sich mir immer der Vergleich mit den neuen deutschen Bundesländern nach der Vereinigung auf.
    Hier ist Belarus viel weiter vorn, als die „DDR“ in der Blütezeit. Das Reisen (rein und raus) ist nicht einfach, aber doch gut möglich. Die Behörden sind halt Behörden aber erträglich.
    Einkaufen ist hoch interessant , einige Dinge sind nun mal , da importiert, relativ teuer.
    Aber kaufen kann man fast alles ….. sogar (polnische) Filtertüten für Kaffee … wenn auch dies gar nicht so einfach ist J .
    Meine Vorurteile , die ich vor dem ersten Besuch hatte , musste ich alle revidieren – man ist ja lernfähig.

    Ich könnte mir vorstellen , mich dort zu integrieren und zu leben, wenn die finanziellen Rahmenbestimmungen passen würden. Hier sehe ich die Diskrepanz , dass man für die gleiche Arbeitsleistung – Deutschland – Belarus – viel weniger Kaufkraft bekommt.
    Als meine Verlobte von meinem Schwager ( bei VW) erfuhr, was er verdient – war eine ganze Zeit „Schweigen im Walde“ .

    Für mich am beeindruckendsten an den Menschen in Belarus ist aber der Familiensinn, die Warmherzigkeit und das Gespür für die „schönen“ Dinge des Lebens, die man nicht unbedingt kaufen muss.

    Alles in allem , man kann dort leben ….. wenn man kein politischer Weltverbesserer ist und den westlichen Standard nicht als das „Non plus Ultra“ propagiert, aber es ist sehr viel
    anstrengender als hier.

    Ost -> West

    Meine Verlobte hat uns nun auch zweimal für je vierzehn Tage besucht.
    Angereist , beim ersten Mal mit dem obligatorischen Moskau-Berlin-Zug, im Schlafwagen.
    In Berlin-Ost saßen die ersten „Nichtesshaften“ friedlich mit ihren Vierbeinern im Tunnel und leerten ihren Aldi-Sprit, neben diversem Leergut – keine Reaktion , nur die Augenbrauen hochgezogen.
    Beim Fahren durch Ostberlin kamen ihr angesichts der Plattenbauten schon fast heimische Gefühle. West-Berlin mit Reichstag und Brandenburger Tor und Sony-Center machte natürlich geschichtsträchtigen Eindruck!

    Auf der relativ freien Autobahn wollte sie – als Frau – wissen , wie schnell wir führen.
    Ihr Blick auf den Tacho bei 210 war doch etwas verwirrt , kommentiert mit : Merkt man gar nicht. Sie hat auch einen Führerschein , aber Auto ist zu teuer, und sie meinte : ich bin auch schon 140 gefahren , das fühlte sich aber viel schneller an.

    Unsere historischen Altstädte mit Fachwerk hat sie ins Herz geschlossen. Und … wir haben Berge und Wasserfälle – obwohl wir nur mal im Harz waren, war dies doch ein Erlebnis.
    Eine private Besichtigung unserer heimischen ehrwürdigen Bibliothek mit einer großen Sammlung aus dem Mittelalter mit den neusten technischen Scan-Einrichtungen zur Digitalisierung von Büchern war weitaus beeindruckender als Moonlight-Shopping in der City von Braunschweig oder das KaDeWe in Berlin.

    Unser in aller Wohnungen geliebter technischer Standard , vom Thermostatventil am Heizkörper, der gradgenauen Einstellung der Dusche, selbst-reinigendem E-Herd, funkgesteuerten Lichtschaltern , Fernsehen über Internet und was es sonst noch alles für technische Raffinessen im Haushalt gibt —– ist gebührend bewundert worden …..
    aber mehr nicht !!
    Die Sitzheizung im Auto .und die automatische Abtauung der Frontscheibe in drei Minuten ……ja , da kam im Winter Freude auf !!
    Aber Technik ist wohl auch oft ein Spielzeug für Männer 😎

    Meine nach Minsk geschmuggelte, unverzollte Mikrowelle , wird dagegen heute noch im Wohnzimmer betrieben, da die Steckdosen in der Küche nicht mitspielen.

    Aber dennoch werden wir uns hier in Deutschland arrangieren und im Sommer heiraten.

    …Die bislang durchlaufenen bürokratischen Hindernisse haben wir, manchmal auch sehr unkonventionell gemeistert. Eine Story für einen Roman…

    Aber wenn man wirklich will … hin und wieder Lehrgeld zahlt, … und sein Ziel vor Augen behält , kommt man auch durch.

    Fazit:

    Es ist schade, dass ich Belarus und meine Verlobte erst so spät kennen gelernt habe.

    Aber ich habe für mich neue, unheimlich aufregende Lebensqualität gefunden und Menschen getroffen , die andere Wertvorstellungen haben, als ich sie hatte. Ich glaube , der Mix aus beiden Vorstellungen kann nur positiv sein.

    Ich betone noch einmal ….Politik und Politiker sollen für die Gemeinschaft da sein und von ihr getragen werden. Ich kenne kein Land, in dem das zu 100% funktioniert.
    Diese Gedanken sollten nur dazu beitragen, eine Meinung zu hören, von einem, den
    das Leben mit Belarus verbunden hat, ohne vorher zu fragen.

    p.s. : In zehn Tagen fahre ich wieder mit dem Auto 1359 km nach Osten ………
    ….mit absolut positiven Gefühlen …. und bestimmt nicht das letzte Mal …….

    Liebe Grüße
    Siggi

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    #5624
    Markus
    21 Beiträge

    Wenn man als Westeuropäer das erste Mal in Minsk landet, taucht man schon in eine andere Welt. Das beginnt mit dem Lada, der vor dem Airbus her fährt, mit den kalten grauen Flughafenhallen, der Immigrationsbürokratie und der abenteuerlichen Taxifahrt mit einer Wolga ins Stadtzentrum. Aber nach mehreren Besuchen schliesst man diese Stadt ins Herz. Die Gelassenheit der Leute, die Sauberkeit, die schönen Parks, und, und.
    Was den geschäftlichen Umgang angeht, der ist mehr als Gewöhnungsbedürftig, mag auch mit meinen praktisch nicht existierenden russisch Kenntnissen zu tun haben.

    Bei diesen Arbeitsbesuchen lernte ich meine heutige Frau kennen, und wir erinnern uns noch gut an ihren ersten Besuch bei mir in der Schweiz.

    Dass eine Stadt mit 600`000 Einwohner einen solchen Flughafen haben kann, wie Zürich fragt sie sich noch Heute.

    Dass jedes noch so kleine Kaff eine geteerte Strasse und eine Strassenbeleuchtung hat verwunderte auch, und dass all diese kleinen Orte mit Busen oder der Eisenbahnen erreichbar sind…unglaublich!
    Apropos Eisenbahn, von unserer Kleinstadt aus, fährt jede halbe Stunde ein Zug in jede Richtung, da ist mehr Verkehr als in Minsk HB!! Doppelstock- und Neigezüge fahren ist heute noch ein Hobby meiner Frau.

    Als wir das erste Mal in die Berge fuhren, wir gingen nach Zermatt, war sie kam mehr zu halten, bis die letzt Bahn zurück nach Zermatt fuhr, sassen wir auf einem grossen Stein auf dem Gornergrad und schauten ins Monterosa Massiv und zum Matterhorn, sie sagte, dass sie noch nie so etwas schönes gesehen habe.

    Einzig das Autofahren in den Bergen hat ihr gar nicht gefallen, Passstrassen wie über die Furka, wo es 60cm neben dem Reifen 400m den Berg runter geht, behagen ihr noch heute nicht -dizzy

    Sie nannte die Schweiz mal „das Land der Automaten“, man braucht sie für Tickets aller Art, Bus, Zug, Parkhaus und sogar Schwimmbad, in Belarus undenkbar!!

    Dass das Wohnen in CH ein ganz andres Gefühl vermittelt ist ja jedem Belarusreisenden klar, doch auch eine Belarussin gewöhnt sich schnell an Geschirrspüler, Steamer, Wäschetrockner und all die anderen Annehmlichkeiten.

    Dass hier sämtliche Dienstleistungen mit etwa 50% Personal, verglichen mit Minsk funktionieren hat sie zu beginn auch gewundert, und die Verkäufer(innen) sind erst noch richtig freundlich und hilfsbereit.
    Auch dass man in Bern eine Jeans billiger bekommt, als eine Take–Away Pizza verwundert die belarussische Frau!!

    Wir besuchten ein Rockkonzert, vor dem sie anfänglich richtig Angst hatte (Rockkonzert= gefährlich, illegal, gewalttätig), doch als sie sah, das die Besucher „ganz normale Leute“ zwischen 6 und 60 Jahre alt waren, konnte sie den Abend richtig geniessen.

    Wir sind jetzt zwei Jahre verheiratet, meine Frau fühlt sich hier sehr wohl, ist schon fast eine Schweizerin, ohne die guten belarussischen Eigenschaften verloren zu haben.
    Aber wir erleben immer wieder, wie sehr unterschiedlich unsere Länder sind, obwohl sie „nur“ 2000km auseinander liegen.

    Liebe Grüsse, Markus und Elena

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