Belarussische Währung am 23.05 um 54,42 % abgewertet, seit Jahresbeginn um 71,62%

Foren Wirtschaft Belarussische Währung am 23.05 um 54,42 % abgewertet, seit Jahresbeginn um 71,62%
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  • #9527
    GroM
    4243 Beiträge

    @per

    Stell dir vor, ich habe die 1 vorher nicht vergessen.

    Da ich realistische Zahlen durch Verwandte und Nekannte habe und selbst mit offenen Augen durch die Welt gehe kann ich dir nur eins
    bestätigen:

    Du hast in diesem Fall unrecht !

    Das gro der Leute hier verdient nicht mehr und wenn doch, dann meist mit einem 2. Job.

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    #9528
    GroM
    4243 Beiträge

    Und natürlich sind wieder mal die anderen an der Krise schuld – die Geschäfte, die Banken, die hysterischen Menschen. Die Regierung schweigt zu ihren Lügen, droht wieder, versucht mit harten Maßnahmen zu disziplinieren und bezeichnet die Abwertung des Rubels schlicht und ergreifend als Liberalisierung des Marktes: „Ihr wolltet es doch so!“ Das ist entsetzlich.

    Frankman, erzählen Sie das mal den Belarussen, die an einem Tag über 54% ihres Geld verloren haben, dass Schlimmeres verhindert werden konnte und Belarus nun ein Schritt weiter als Griechenland steht. Ob sie das trösten wird?

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    #9529
    tholina
    289 Beiträge

    Eine kleine Anmerkung zum Thema Devisenknappheit:

    Ich habe gestern meiner Schwägerin Geld per Western Union geschickt und sie hat es heute früh bei der Belagroprombank in Kobrin anstandslos in Dollar ausgezahlt bekommen.

    Die Bank wollte ihr dann 5000 für einen Dollar geben, sie hat dann auf dem Basar beim Valutschik 6000 BYR bekommen.

    Grüße aus Berlin, Thorsten

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    #9534
    Frankman
    82 Beiträge

    Das die Situation für niemanden ein Trost ist, ist mir durchaus bewußt.Aber bei einer Krise kommen nunmal durchaus oft mehrere Faktoren zusammen,was man auch begreifen sollte.Natürlich hat die Regierung selbst viele Zeichen der Zeit nicht erkannt und viele Fehler gemacht ( bestreite ich übrigens auch nicht ).Aber wenn zuviele negative Faktoren zusammenkommen, dann verschärft sich eine solche Krise nur noch mehr.Meine Familie ist übrigens auch Betroffen und als Rentner sogar sehr. Aber es bleibt Fakt,dass mehrere Faktoren das ganze verschärft haben und da haben auch Teile der Bevölkerung ein gewisses Maß Mitschuld.Über den aktuellen Verlust kann ich niemanden hinwegtrösten ausser Leute die finanziert haben und noch über harte Devisen verfügen (die jubeln gerade auch in Belarus ).Mein Statement bleibt jedoch bestehen:Es hätte noch schlimmer kommen können. Zu den abrufbaren Mrd. das folgende: Die sind bestenfalls eine Interimslösung und stellen keine heilsbringende Dauerlösung dar. Da muß erheblich mehr geschehen. Aber die bisherige Abwertung ist dennoch besser als ein 100%iger Verlust.

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    #9536
    mikael321
    2337 Beiträge

    [b]Nitay schrieb:[/b]
    [quote] Und diese Unsitte alle zu duzen scheint wohl ansteckend zu werden.[/quote]Es ist üblich, ( die Regel ) sich in Internetforen zu duzen. Genauso wie unter Motorrad Fahrern oder Tauchern . Auch im Krankenhaus ist es üblich sich zu duzen . ( zumindest unter Männern )

    [b]Unüblich[/b] ist es, sich in Internetforen zu siezen . Von vielen wird das als befremdlich oder sogar als Beleidigend angesehen ! Zumindest kommt das aber bei den meisten als arrogant rüber. Kommt natürlich auch auf den Kulturraum an, wo man her kommt, wie man das empfindet .

    Meine Weißrussische Ehefrau zb.war sogar darüber schockiert, das sich im Krankenhaus alle Ärzte untereinander duzen. Inzwischen ist das aber Normalität das meist auch den Professor mit „DU“ angeredet wird.

    Als Unsitte kann ich das nicht sehen, ehr als allgemeine Entwicklung , die jede Lebende Sprache durchmacht.

    Wenn man sich mal Reportagen aus den 60 Jahre anschaut, sieht man wie sehr sich die deutsche Sprache in nur 50 Jahren geändert hat .
    ( Über alte CCCP Deutsch Lernbücher kann ich auch immer sehr lachen )

    Wenn man sich alte Hitler Reden anhört, kann man heute auch nicht mehr nachvollziehen, welche Faszination seine Reden früher ausgelöst haben .

    Michael

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    #9537
    mikael321
    2337 Beiträge

    [b]tholina schrieb:[/b]
    [quote]Auch ein Kredit in Höhe von sagenhaften 2,7 Mio. wird daran nichts ändern.[/quote]Ist natürlich für Wirtschaftsnationen ein Betrag, den man aus der Portokasse nimmt, Peanuts genannt !

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    #9538
    mikael321
    2337 Beiträge

    [b]Frankman schrieb:[/b]
    [quote]Im Gegensatz zu Griechenland erscheint Belarus bereits einen Schritt weiter zu sein,[/quote]Dazu fällt mir der Spruch ein :

    Gestern standen wir noch am Abgrund, aber heute sind wir einen großen Schritt voran gekommen !! 😀

    Michael

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    #9539
    mikael321
    2337 Beiträge

    [b]Frankman schrieb:[/b]
    [quote]Aber die bisherige Abwertung ist dennoch besser als ein 100%iger Verlust.[/quote]Was ja auch noch kommen kann . Oder siehst du das anders ?

    Am Anfang des Treads schrieb ich was, was ich zwei Wochen später noch genau so sehe :

    [color=#FF4000]Also das ist wirklich das geringste Problem was die jetzt haben, das die Leute ihr Erspartes verlieren.

    Ich mache mir viel mehr Sorgen darum das Batka jetzt hingeht, und das Tafelsilber verscherbelt. Ich meine damit das er jetzt aus dem Staatsbesitz die wenigen Devisenbringer an die Russen verhöckert, um sich mit den Einnahmen noch ein paar Monate Regentschaft zu erkaufen .

    Da die Russen die einzigen sind die hinterher auch die Kraft ( Macht ) hätten , wenn Batka nix mehr vom Verkauf wissen will, werden die Erlöse nicht so berauschend sein, da für andere uninteressant. Spätestens in 1 Jahr oder so, kann Putin dann den insolventen Rest übernehmen.

    Und keiner ( nicht EU , nicht USA ) wird einen Ton darüber verlieren ![/color]

    Noch dementiert er das ja . Was er aber entscheidet wenn das Wasser vom Hals an noch höher wandert, wissen wir doch alle ?? Oder ? 🙁

    Michael

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    #9540
    Frankman
    82 Beiträge

    Tja Michael, was Du am Anfang des Threads geschrieben hast, ist absolut richtigund ich stimme Dir zu 100% zu. Leider überholt uns die Zeit und die damit einhergehende Not. Mehrheitlich soll BelTransNeft jetzt Russland gehören (51%)und weitere Filetstücke werden leider folgen. Die EU hält sich bedeckt und BRD, Polen, Frankreich & USA haben kein Interesse, dass Belarus geholfen wird (gab ne nette Konferenz).Leider läßt man von westlicher Seite lieber einen ganzen Staat vor die Hunde gehen, nur weil einem die Führung nicht passt. Für den Westen nicht ungefährlich, denn dann wird Belarus vielleicht bald offizielles Anhängsel / Teil der russ. Föderation. Verhandlungen über die Einführung des russ. Rubels zur Ablösung des bel. Rubels soll es ja gerüchteweise schon geben.
    Auch wenn einigen meine Kommentare / Beiträge nicht passen, weil Sie nicht ordnungsgemäß systemkritisch sind, so geht es mit persönlich mehr um die Bevölkerung als um die Politik. ich stelle Schlußfolgerungen auf und zeige mögliche Tendenzen, was Du mit der Eröffnung des Threads auch getan hast. Diese objektive Einschätzung / Befürchtung teile ich, denn es würde der „Unabhängigkeit“ von Belarus langfristig mehr schaden als nützen.

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    #9541
    GroM
    4243 Beiträge

    [b]Frankman schrieb:[/b]
    [quote]Auch wenn einigen meine Kommentare / Beiträge nicht passen, weil Sie nicht ordnungsgemäß systemkritisch sind, so geht es mir persönlich mehr um die Bevölkerung als um die Politik.[/quote]Na, Deinen ersten Beitrag würde ich gerade als politisch-systemkritisch bewerten und weniger Bevölkerungs-orientiert.

    Bereits seit vielen Monaten haben viele Wirtschaftsexperten vor einer Krise in Belarus gewarnt, viele Faktoren waren bekannt, die Reformen längst fällig und die Zeichen der Zeit erkannt, so daß eine sanfte/schrittweise Abwertung des Rubels bereits Ende 2010 empfohlen wurde. Doch war man zu sehr mit den machtpolitischen Fragen vor und nach den Wahlen beschäftigt. Und immer wieder hieß es aus den Regierungskreisen: wir warten ab mit den Reformen, alles prima, eine Abwertung wird es keineswegs geben! Es ist nun offensichtlich auf wessen Schultern diese Krise ausgetragen werden sollte. Man hätte die Bevölkerung besser schützen können. Und die Befürchtung von Michael ist richtig. Was nun folgt – ist der absehbare konsequente Schritt. Vielleicht versucht Belarus es aber noch im Westen mit politischen Deals: 1 Mld. für jeden politischen Gefangenen vielleicht.

    Für mich stellt sich allerdings nicht die Frage, ob es ums Interesse des Westen an Belarus gehen sollte. Sondern vielmehr die Frage, ob es nicht eigentlich ums Interesse der belarussischen Regierung am eigenen Staat und der eigenen Bevölkerung gehen sollte? Denn leider lässt man von der belarussischen Regierungsseite lieber ein ganzes Land vor die Hunde gehen, nur weil eine Person bereits seit Jahren die Situation nicht mehr beherrscht und die Führung nicht abgeben will. So sollte das Statement richtig formuliert und die Schuld nicht schon wieder woanders gesucht werden.

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    #9542
    mikael321
    2337 Beiträge

    [b]GroM schrieb:[/b]
    [quote] nur weil eine Person bereits seit Jahren die Situation nicht mehr beherrscht und die Führung nicht abgeben will. [/quote]Du hast ja recht, aber mal ganz ehrlich : Wer soll es machen ? Zugegeben ich bin nicht drin , in der BY Opposition . Ich kann nur ab und zu Artikel von Leuten lesen, die sich dafür halten .

    In keinem Fall geht es um Pragmatische Ansätze . Es geht immer nur um Ideologie oder Patriotismus . Ob Weißrussisch die neue Sprache werden soll, und anderer unnützer Patriotischer und Ideologischer Schei** !

    Das wirtschaftlicher Erfolg und soziale Sicherheit nichts mit Demokratie und Ethnischer Homogenität zu tun hat, sieht man zb. an Singapur . De jure eine Demokratie de facto aber mindestens ein Autoritarismus und ein viel Völkerstaat . Trotzdem einer der erfolgreichsten Staaten weltweit .

    Und meiner Erfahrung nach sind die Leute zufrieden, wenn es ihnen wirtschaftlich gut geht. System hin oder her !

    Wie ich das sehe, ist das wichtigste das Belarus wieder auf die Beine kommt. Wer das nun macht, ist zumindest für mich zweitrangig .

    Da Batka in der Vergangenheit zu viel Marx und Engels gelesen hat, scheidet der IMHO als Reformator aus .

    Denn als erstes müssten die Gesetzte dereguliert werden, und den Leute gesagt werden : Macht euch selbständig , und 75 % des Gewinns dürft ihr behalten. Auch Ausländische Imperialistische Ausbeuter ! 😀

    Einheimisch Produkte kann man mit einem Zoll schützen, bei Sachen die man nicht selbst produziert ( zb. Computer und Peripherie ) ist das Blödsinn .

    Ich vertraue dabei den Gesetzen der Natur. Jeder wird versuchen mehr zu haben , als der andere . Und sich dabei gehörig anstrengen wenn es einen Gewinn verspricht. ( Heute ist es ja egal, wie viel man arbeitet )

    Meiner Meinung nach, funktioniert ein Markt immer dann besonders gut, wenn möglichst wenig daran rum reguliert wird.

    Da die Leute in BY ja alle recht gut ausgebildet sind ( also ähnlich wie bei uns ), sollte das nicht so ein großes Problem sein. Die wenigen Einwohner sind auch hilfreich für eine Umstrukturierung .

    Staatliche Konzerne könnte man zb. wirklich Privatisieren . Als Erfolgreich stellt sich oft die Konstellation herraus.

    Staat behält etwas,( 20 % oder weniger ) Investor bekommt was ( so bis 50 % ) und der Rest geht in das Eigentum der Belegschaft über . ( Günstiger Aktienkauf ) Also kann keiner machen was er will, und da die Belegschaft auch am Gewinn beteiligt ist, wird sie auch ordentlich arbeiten ! Gleichzeitig spült der Verkauf an Investor und Belegschaft auch noch Kohle in den Maroden Staat .

    Mit ein wenig Glück, spielt die erfolgreiche Firma dann auch noch
    Gewinne ein, die Steuern generieren .

    Eigentlich muss man nur die Rahmenbedingung schaffen. Und ein wenig Anschub Finanzierung geben .

    Kommen wir noch mal auf Ideologie und Bruderländer zurück.

    Hat Russland einen Grund sich ein Stabiles und wirtschaftlich Erfolgreiches System in BY zu wünschen ? ( zu unterstützen )

    Bestimmt nicht, wenn man logisch darüber nachdenkt. Also lassen wir den alten Romantischen CCCP Bruderquatsch und orientieren wir uns an den Ländern in meiner Nähe , die versuchen Stabile Verhältnisse und Menschenrechte zu verwirklichen . Zur EU ! Die könnten dann auch die Anschubfinanzierung übernehmen. Im Gegenzug für etwas mehr Demokratie , könnte man was bekommen. ( Natürlich wäre auch da Batka inzwischen unglaubwürdig, und müsste ersetzt werden )

    Das wäre eine Entscheidung aus rein pragmatischen Gründen .

    Was würden die Russen machen, wenn ich mich Richtung Russland orientiere ? Das was sie immer machen. Die Öl(Gold )quelle ( Belarus ) ausquetschen , bis nichts mehr rauskommt und dann verbrannte Erde zurück lassen. Wenn sie das schon mit dem eigen Land so machen, warum sollte sie in BY anders vorgehen ?

    Darum auch meine Sorge, das Batka doch das Tafelsilber an die Russen verhöckert ! Die sind nicht an Nachhaltigkeit interessiert . Nur an kurzfristigen Gewinnen . Auf welche Kosten ist Ihnen egal.

    Michael

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    #9548
    GroM
    4243 Beiträge

    Die Frage „Wer denn sonst?“ und der klischeehafte Fingerzeig auf die BY Opposition dominieren die Gespräche über belarussische Politik seit Jahrzehnten. Es scheint als wären dies die Hauptlegitimationsgründe für die Amtszeitverlängerungen von AL – sowohl in der Bevölkerung als auch bei sogenannten Belarus-Experten. Auch ein Vergleich mit anderen autoritären Systemen mit florierender Wirtschaft wird immer wieder gerne gezogen.

    Dabei werden m.M. nach mindestens zwei wichtige Aspekte nicht berücksichtigt:
    1) es gibt nicht DIE Opposition, die nationalistisch und patriotisch bzw. verräterisch prorussisch gesinnt ist. Der Begriff wurde uns regelrecht aufgezwugen, um jegliche Alternativen in Belarus als eine graue und gefährliche Masse zu deklassieren. Der Begriff löst automatisch eine Reihe klischeehafter Assoziationen aus und eine vernünftige Profilierung eines Gegenkandidaten wird so gut wie unmöglich.

    2) Es spielt keine Role – wer an der Stelle des AL regieren wird. Diese Person wird in jedem Fall eine positivere Entwicklung im Land auslösen, als sie momentan in Belarus zu beobachten ist. Denn Belarus hat zur Zeit nicht bloß einen autoritär-repressiv herrschenden Präsidenten, sondern eine Führungsperson, die sich an keinen Werten orientieren kann, den Menschen grundsätzlich mit Mißtrauen begegnet und die Professionalität weder besitzt noch respektiert (wahrscheinlich bedingt sich das). Diese Eigenschaften werden wiederum zurück in die Gesellschaft projeziert. Mit der Folge, dass in Belarus zunehmend Zynismus und Prinziplosigkeit kultiviert werden, in den Ministerien aber auch in den Betrieben kaum fähige Entscheider geblieben sind (sie alle stellen potentielle Gefahr für den Machthaber dar) und es weniger um die realen Ergebnisse (Professionalität), sondern vielmehr um die potemkinschen Dörfer (Schönrednerei) geht.

    All das bremst seit Jahren die notwendigen Reformen in Belarus aus und führt zum Realitätsverlust auf den Führungsebenen. Hinzu kommt die Angst vor Veränderungen und Entscheidungen – die Haupttreiber für die Innovationen, denn die Grenze zwischen Erfolg und Strafe ist hauchdühn in Belarus: „тише едешь – дальше будешь“.

    Wie kann ein kleines Land ohne nennenswerte Rohstoffe seine Unabhängigkeit und wirtschaftliche Stabilität nachhaltig (!) sichern, wenn an der Basis keine Voraussetzungen dafür geschaffen werden, sondern ein repressives zentralistisches Mißtrauens-Regime installiert wird?

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    #9558
    knopfimohr
    244 Beiträge

    Ob es aus der Opposition sein muss, ist die Frage. Warum soll Luka nicht doch ein paar goldene Eier in seinem Nest haben? Möglicherweise nicht aus der ersten Reihe hinter dem Präsidenten, sondern noch eine weitere? Die Fähigkeiten eines Präsidenten sind ja nicht notwendigerweise gleich zu setzen mit den Fähigkeiten seiner Untergebenen.

    Singapur habe ich ja bereits mal in einem anderen Thread angesprochen. Ich war schon mal etwas länger zum Arbeiten dort und habe auch eine Meinung dazu.
    Es gibt ein paar große Unterschiede zu Belarus.
    – der Präsident hat ein Agreement mit der Wirtschaft gehabt, dass sich die Wirtschaft nicht in die Politik einmischt und die Politik nicht in die Wirtschaft (außer um zu fördern). Staatsunternehmen gibt es in Singapur nur in einem Sektor, nämlich im Wohnungsmarkt, denn sonst wäre die Mieten heute unbezahlbar. Das funktioniert in Singapur prima, aber schon in der EU praktisch nicht mehr („too big to die“ gibt es dort nicht, daher auch keinen Fall Holzmann oder Commerzbank oder …). Und in Belarus???
    – Der Staat kümmert sich um Bildung und wenn es die vor Ort nicht gibt, dann werden talentierte Professoren „importiert“, bis genügend eigener Nachwuchs vorhanden ist. Der Vielvölkerstaat hat den Vorteil, dass sich der Staat um eine gemeinsame Sprache kümmern mußte und der erste Präsident, obwohl ethnischer Chinese, wählte Englisch. Damit war ein Hindernis für den Bildungssektor aus dem Weg geworfen, denn englischsprachige (Spitzen-)Professoren zu finden, ist einfacher als deutsch- oder russischsprachige. Welcher Prof würde nach Belarus gehen? Singapur schickt auch heute noch Spitzenstudenten zum Studieren ins Ausland, wenn die heimische Uni noch nicht so weit ist. Singapurianer kehren zurück, welcher Belarusse würde das tun, von der Staatsfinanzierung gar nicht zu sprechen?
    – Bürokratie ist in Singapur vergleichsweise einfach (aber verdammt strikt). Das Einkommenssteuererklärungsformular war 1999 vier Seiten „dick“. Alles in allem, mit Anlagen A – Z (die es dort nicht gibt). Dort gibt es keine blödsinnigen Diskussionen über Pendlerpauschale, Ehegattensplitting oder Mineralölsteuer. Die haben schon gar nicht angefangen, Beamtenapparate aufzubauen, denn die zu verkleinern, ist eine Herkulesaufgabe. Siehe Deutschland: In der „Vossischen Zeitung“ vom 31.12.1899 gab es denn Wunsch nach weniger Bürokratie. Geändert hat sich…? Wie sieht das erst in Belarus aus?
    – „Vertrauen in den Staat“ gibt es in Singapur auch nicht wirklich. Unterschwellig hat man sich geeinigt, dass der Staat egal ist, solange es einem gut geht und das tut es auch. Die Wahlen sind ebenso wie in Belarus eine Farce, es gibt „Opposition“, meist einen oder zwei Abgeordnete im 66 sitzigen Parlament. Ansonsten regiert die PAP (Peoples Action Party). Die Leute, besonders die ethnischen Chinsesen, sind wirkliche Meister im Auswendiglernen von irgendwelchen „Formeln“. Als ich dort unten war, was es „low crime isn’t no crime“.
    – In Singapur gibt es eine „Kultur der Selbstständigkeit“. 1999 gab es in der Schule für die 10-jährigen das Fach Wirtschaft, Wettbewerbe in und unter den Schulen, Hinweise, warum ein „eigenes Geschäft“ [u]besser[/u] ist als der „9-to-5-job“. „Kultur der Selbstständigkeit“ gibt es bei uns auch, aber nur in Politikersonntagsreden – wobei diese Politiker in der Regel Beamte waren und keinesfalls im Wirtschaftsausschuss sitzen. Und in Belarus???

    So viel, wie sich da ändern müsste und das schleunigst, besonders das Vertrauen der eigenen Bürgen in den eigenen Staat, da ist das Loswerden von Batka noch die einfachere Aufgabe!

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    #9560
    knopfimohr
    244 Beiträge

    @ Frankman:

    In einem irren Sie, lieber Frankman: Es handelt sich nicht um Hysterie, sondern um den Verlust von Vertrauen in den Wert der einheimischen Währung. Hysterische Leute würden irrational handeln, das tun die Belarussen aber nicht. Es kommt lediglich etwas in Gang, was man in jedem Wirtschaftskurs lernen kann: Wenn dem Geld kein Vertrauen mehr entgegengebracht wird, dann will man es loswerden, eintauschen gegen etwas, das in den eigenen Augen wert hat. Ob das Euro/Dollar/Pfund/Franken, Gold/Silber/Schmuck, „Ami-Zigaretten“, Sachwerte wie Kühlschränke oder gehortete Nahrungsmittel sind, ist dabei irrelevant.

    Wie man das Vertrauen wieder gewinnt? In Deutschland gab es letztes Jahrhundert zwei Fälle: In beiden Fällen – 1923 und 1948 – hat man eine „neue“ Währung, Rentenmark bzw. D-Mark und eine Bindung an den Dollar durchgeführt, beides Mal zum gleichen Kurs, nämlich 4,20 Mark = 1 Dollar. Und die Leute haben beide Male geglaubt, dass das funktioniert, auch deshalb, weil beides Male die Geschäfte wieder voll waren, das Geld dort akzeptiert wurde und die Preise nicht weiter angezogen haben. Mit Miliz vor dem Laden, Preiskontrollen, die lediglich zu einem Schwarzmarkt führen oder Aufrufen der Verantworlichen bringt es keine Währung wieder zu Stabilität.

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    #9562
    GroM
    4243 Beiträge

    —-Meiner Meinung nach, funktioniert ein Markt immer dann besonders gut, wenn möglichst wenig daran rum reguliert wird.

    das hat die Finanzkrise gezeigt wohin das führt

    Die heutige Wirtschaftskrise unterscheidet sich von den letzten nur dadurch,
    daß die Banken selber so massiv unreguliert Geld geschöpft haben, daß daran selber viele gestorben sind

    Und daher bläht man mit unzähligen Blähvehikeln die Geldmenge weiter auf und versucht Zahlungsausfälle zu verhindern

    aber irgendwann wird auch die Deutsche Melkkuh tot umfallen

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