Belarus mit dem Velo erkunden

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  • #17734
    Peter
    5 Beiträge

    Nachdem ich in den letzten Jahren per Velo fast alle Länder Osteuropas erkundet habe, werde ich Anfang Mai zu einer Tour durch Beklarus und die westl. Ukraine starten. Dabei habe ich in Belarus folgende Route im Auge:
    Vilniua (LT) – Postavy – Braslav – Polock – Dukshicy – Vilejka – Minsk – Mir – Njasvizh – Hancevici – Pinsk – Stolin – Sarny (UA).
    Dazu einige Fragen an Belarus-Erfahrene:
    – Wie sieht es aus mit Unterkünften (einfache Hotels, evtl. Privat-Unterkünfte). Ich hatte bisher zwar immer auch das Zelt mit für Notfälle, ziehe aber doch ein festes Dach mit Waschgelegenheit vor und würde dehalb gerne auf die 2 kg verzichten.
    – Findet man auch in Belarus in nahezu jedem Ort ein einfaches Restaurant, eine Imbissbude oder eine andere Verpflegungsmöglichkeit?
    – Weisen die (gelben) Verbindungs- Strassen abseits der Hauptachsen mehrheitlich Belag (Asphalt/Beton) auf oder sind es eher Schotterpisten?
    – Wie kommt man in der Provinz mit Dollar oder Euro zurecht? BYR werde ich voraussichtlich direkt nach der Grenze wechseln; zahlt man als Ausländer in Läden und Restaurants die gleichen Preise wie Einheimische?
    – …. und gibt es sonst noch besonders nützliche Tips?
    Auf jeden Fall herzlichen Dank zum Voraus!
    Peter

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    #17735
    GroM
    4243 Beiträge

    sehr interessant Dein Vorhaben

    [b]- Wie sieht es aus mit Unterkünften (einfache Hotels, evtl. Privat-Unterkünfte)[/b]

    in kleineren Orten sieht es da eher schlecht aus , in Städten gibt es Hotels,
    da die Menschen aber sehr freundlich sind und man schnell in Gespräch kommt könnte man vielleicht eine Privatatunterkunft finden , etwas russisch wäre hier von Vorteil ,

    [b]-Findet man auch in Belarus in nahezu jedem Ort ein einfaches Restaurant, eine Imbissbude oder eine andere Verpflegungsmöglichkeit?[/b]

    mal eher nein,höchstens ein kleines Magasin wo man sich das nötigste kaufen kann oder einen Markt wo man Lebensmittel kaufen kann ,

    [b]- Weisen die (gelben) Verbindungs- Strassen abseits der Hauptachsen mehrheitlich Belag (Asphalt/Beton) auf oder sind es eher Schotterpisten?
    [/b]

    das kann alles sein,

    [b]- Wie kommt man in der Provinz mit Dollar oder Euro zurecht? BYR werde ich voraussichtlich direkt nach der Grenze wechseln; zahlt man als Ausländer in Läden und Restaurants die gleichen Preise wie Einheimische?
    [/b]

    auch mal eher schlecht , in kleineren Geschäften nimmt man eigentlich nur die einheimischen Währung und auch in Restaurants , Ausnahmen gibts immer natürlich
    , Du wirst die gleichen Preise bezahlen wie die Einheimischen,
    bei einer privaten Unterkunft sind Dollar oder Euro natürlich willkommen ,
    aber für das tägliche empfehle ich Dir immer etwas einheimische Währung zu tauschen

    wie gesagt russisch wäre schon von Vorteil , weil in kleineren Orten sieht es mal eher schlecht mit englich bei der Bevölkerung aus

    Viel Erfolg wir warten auf einen Reisebericht

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    #17737
    MrRossi
    316 Beiträge

    Hallo Peter!

    Hier gibt es einen guten Bericht über solch eine Fahrrad-Tour:
    [url=http://www.sicher-reisen.de/files/Rolf%20Winkler%20Reisebericht%20Weissrussland.pdf]Link[/url]

    Dort sind zwar auch einige „Politische Weisheiten“ drin, die Du aber überlesen kannst, wenn Du sie Dir nicht zu eigen machen möchtest 🙂

    Eine TourismusInfo mit Zimmervermittlung wirst Du – außer in Minsk – eher weniger finden.
    Frag einfach in größeren Ortschaften nach „Gastinitza“ (Hotel) – dann wird man Dir schon helfen.
    Deine genannten Orte sollten von ihrer Größe her eigentlich alle auch mind. ein Hotel haben.

    Eigentlich findest Du in jeder Ortschaft oder auf den großen Verbindungsstraßen immer irgend ein Cafe, wo Du was halbwegs Warmes bekommen kannst. Wenn Du nicht gerade um 3 Uhr morgens was brauchst, gibt es auch in jedem Ort einen Einkaufsladen.

    Und wie Detlef schon schrieb.
    Dollar brauchst Du normalerweise nicht. Eher weißrussische Rubel oder auch schlicht eine Visakarte. Mit der kann man eigentlich fast überall bezahlen.

    Gruß
    Michael

    PS: Du hast Mogilev auf Deiner Route vergessen!!!

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    #17738
    Olvipa
    20 Beiträge

    http://de.warmshowers.org/
    http://www.belarus.by/en
    Vielleicht können die Internetseiten nützlich sein?

    0
    #17739
    Andreas
    755 Beiträge

    Für Polozk kann ich dir helfen. Melde dich einfach mal, ich habe viele Freunde und Familie dort.
    Dort gibt es jetzt auch ein neues Hotel: http://translate.googleusercontent.com/translate_c?client=tmpg&depth=1&hl=en&langpair=ru|de&rurl=translate.google.com&u=http://parus-polotsk.by/services/hotel&usg=ALkJrhgIOu4VjoyQoMR7mwhdwZIQnseSlw

    Gruß
    Andreas

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    #17741
    Alex
    523 Beiträge

    – Bei den Straßen, die nicht die Hauptrouten darstellen muss mann häufig mit Schotterpisten („Schotter“ bedeutet in Belarus durchaus auch mal Brocken mit einem Durchmesser von gut 10 cm) rechnen!
    – Russisch ist wie die Vorredner schon gesagt haben von Vorteil, ansonsten kann ich nur empfehlen auf die Leute zuzugehen, sie sind sehr nett und neugierig – sie freuen sich Menschen die von weit her gereist sind kennenzulernen.
    Viel Spaß, wir sind gespannt auf Deinen Erfahrungsbericht
    Alex

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    #17744
    Peter
    5 Beiträge

    Danke, Andreas
    das Hotel hat eine etwas schwer verständliche (deutsche) Preisliste. Kommt das wohl aus einer automsatischen Übersetzung??

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    #17745
    Peter
    5 Beiträge

    Allen vielen Dank!
    Mit den bisherigen Auskünften habe ich schon einige Zusatz-Infos für die Planung; weitere sind natürlich auch sehr willkommen!
    Wahrscheinlich werde ich also doch das Zelt auch diesmal wieder mitnehmen. meistens bei einem Haus um Erlaubnis fragte, um in der Nähe das Zelt aufzustellen.Wild zelten sollte ja möglich sein, wobei ich bisher aber Immerhin habe ich in fast allen vorgesehenen Etappenorten im Internet schon Hotels gefunden, aber je nach Strassenzustand und Wetter kann ich das Programm ja nicht immer einhalten. Ich lasse mir deshalb ja auch nur in Postavy ein Zimmer reservieren, vor allem auch, um die für das Visum erforderliche Einladung zu erhalten.
    Die Sprache dürfte kein Problem sein, ich spreche leidlich russisch und brauche es auf meinen Touren auch regelmässig.

    Wie sieht es übrigens mit der Anmeldepflicht aus, wenn dies nicht vom Hotel direkt erfolgt?
    Gruss und Dank
    Peter

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    #17746
    Helfer
    399 Beiträge

    Anmelden muss man sich erst wenn man länger als vier aneianderliegenden Werktagen sich in einem Ort aufhält, Feiertage unterbrechen diese Vorschrift. So habe ich es im Februar selbst auf der Meldestelle erfahren. Ich hoffe nicht das Du dich überall anmelden willst und musst. Das kostet und zwar unendlich viel Zeit! Also gut eine Stunde hat die Prozedur gedauert, erst einige Formulare händlich ausfüllen, dann tippte der Beamte das ganze in einen Computer. Als er damit fertig war hat er die Zettel kleingerissen. Da waren wir wieder mal pappensat. Aber das soll und muss dir ja nicht wiederfahren. Musst es halt so einrichten mit den Aufenthaltstagen am Ort.

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    #17747
    0-gravity
    465 Beiträge

    Wenn du länger als 5 Werktage in BY weilst, musst du dich beim OVIR registrieren lassen. Die stempeln dir dann deine Migrationskarte ab und die abgestempelte Migrationskarte musst du bei Ausreise vorlegen.

    Was passiert, wen diese nicht abgestempelt ist? Tja, da gibts hier im Forum unterschiedliche Erfahrungen: manche sind ohne Probleme davongekommen, andere haben Strafen bezahlt und Stress gehabt.

    Ich nehme mal an, das du wenigstens einmal im Hotel übernachtest. Dann lass einfach den Wisch dort im Hotel abstempeln und du hast Ruhe. Die Prozedur im Hotel ist auch nicht annähernd so nervig, als wenn du dich selbst beim OVIR meldest. Du musst, das Ganze eigentlich auch nur einmal tun, und nicht auf jeder Station deiner Reise. Das wäre sicher übertrieben.

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    #17768
    Horst Schlämmer
    163 Beiträge

    [quote=“Alex“ post=18235]“Schotter“ bedeutet in Belarus durchaus auch mal Brocken mit einem Durchmesser von gut 10 cm rechnen!
    Alex[/quote]

    -tonque -tonque -tonque -tonque -tonque -tonque -tonque

    Carglas repariert, …………..

    -woot

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    #21453
    Peter
    5 Beiträge

    Hallo Alle,

    nachdem ich heute endlich wieder einmal ins Forum zurückgekehrt bin, erinnerte mich dies daran, nach gelungenere Tour (vor bald einem Jahr!) doch auch mal meine Erfahrungen zu teilen. Vielleicht hilft es oder weckt das Interesse, dieses interessante Land auch per Velo zu erkunden.
    Nachfolgend deshalb der erste Teil meines nach der Tour gemachten Berichtes (ab Vilnius durch Belarus bis Pinsk hinter der ukrainischen Grenze, 28. Mai – 8. Juni 2013). Den restlichen Teil durch die West-Ukraine bis Chernivtsi und dann per Bahn noch nach Kiev lasse ich mal weg.

    Photos dazu gibt es als picasa-Album unter
    – a) Litauen – Belarus1 (Vilnius – Minsk )
    https://picasaweb.google.com/100936285236581376857/Tour20131VilniusBelarusNord?noredirect=1
    – b) Belarus 2 ( Minsk – Belarzs – Süd )
    https://picasaweb.google.com/100936285236581376857/Tour20132MinskBelarusSud?noredirect=1

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    Belarus – Ukraina 2013

    28.Mai – 26. Juni 2013
    Strecke: 2’116 km, Aufstiege: 8’406 m, reine Fahrzeit: 118 Std.

    Nach Velotouren durch (fast) sämtliche Länder Ost- und Südost-Europas blieb noch Belarus („Weiss“-russland) als weisser Fleck in meiner Karte. Wenig bekannt und aus verschiedenen Gründen offenbar auch nicht als attraktives Reiseland eingestuft, wollte ich das doch mal genauer kennenlernen. Die Karpaten kannte ich bisher nur von der Süd- und Westseite her (Slowakei, Rumänien, Moldawien), und so ergab sich eine gute Kombination für eine einmonatige Tour: Vilnius (Litauen) – Belarus von Norden nach Südwesten – Westukraine mit den Karpaten – Kiev (ab Chernivtsi per Bahn).

    28.Mai Zürich – Vilnius
    Flug mit SAS Zürich – Stockholm / Stockholm- Vilnius
    Obwohl der Velo-Transport im Kleinflugzeug für die zweite Strecke nicht reserviert werden konnte, kommt es glücklicherweise zusammen mit mir hier an. Zusammensetzen und im Abendverkehr 5 km weit ins Stadtzentrum. Unterkunft im zentral gelegenen Litinterp-Guesthouse (Bernardin 9, sehr zu empfehlen). Erster Rundgang durch die malerische und sehr lebendige Altstadt.
    Tagesbilanz Velo: 9 km / 0.5 Std. / 0 m Aufstieg

    29. Mai Vilnius
    Mit zweistündiger Sight-seeing-Tour verschaffe ich mir einen Überblick und erkunde danach zu Fuss und per Rad die geschichtsträchtige Hauptstadt des ehemaligen Grossreiches mit vielen prächtig restaurierten Bauten. Nur Zeugen aus dem früheren „Jerusalem des Nordens“ sind nach der Nazi-Herrschaft kaum mehr übrig geblieben. Dafür beeindrucken die zahlreichen Kirchen aller christlichen Glaubensrichtungen, Quartiere mit fast dörflichen Holzhäusern und moderne Bauten aus Glas und Stahl.
    Tagesbilanz Velo: 16 km / 1.5 Std.

    30. Mai Vilnius – Postavy
    Auf der 103 geht es Richtung Osten. Nach der Querung der Stadt-Umfahrung nimmt der Verkehr deutlich ab, so dass es recht gemütlich auf dem Randstreifen durch die hügelige Landschaft geht. Ab Nauji Vila ist die Straße nur noch 2-spurig, aber dafür stört mich nur noch selten ein Auto. Die nahe EU-Aussengrenze hat gewisse Vorteile! Auf Litauen-Seite geht es schnell und einfach durch die Kontrolle, aber bald kündigt eine lange Autokolonne an, dass es wohl nicht so weiter gehen wird. Ich schliesse mich einem Fußgänger an passiere so wenigstens schnell die erste Kontroll-Station. An der zweiten folgt dann die gründliche Kontrolle von Pass und Visum sowie Befragung über woher und wohin durch mehrere Beamte. Ein Velofahrer aus der Schweiz ist für sie wohl eine willkommene Abwechslung, und sämtliche Seiten des Passes werden durchgeblättert und diskutiert. Dazu muss ich trotz vorgelegter internationaler Garantie- Erklärung eine weissrussische Kranken-und Unfallversicherung für 10 Tage einlösen. Kompliziert, aber alle Beamten sind freundlich. Hier kann ich auch erstmals Geld wechseln und muss mich an die grossen Zahlen gewöhnen: 1 Euro gibt etwa 11’000 weissrussische Rubel (BYR), mein Geldbeutel überquillt von Papierscheinen! Nach 40 Minuten passiere ich die dritte Kontrolle und bin definitiv in Belarus. Hier stauen sich die Lastwagen Richtung Westen auf stolze 3,8 km Länge.
    Gegen starken Wind geht es auf der P45 durch gewelltes Gebiet mit Birken- und Föhrenwäldern, Sumpf- und Moorflächen, Wiesen und ab und zu kleine Siedlungen weiter. Die Straße ist gut, der Verkehr weiterhin nur schwach. Nach knapp 100 km folgt die Abzweigung nordwärts Richtung Brazlav und erreiche um 18.30 Uhr mein heutiges Ziel Postavy. Auf dem Hauptplatz wird gerade das Ende des Schuljahres mit lauter Musik und Schülerparaden gefeiert. Mein „Zimmer“ im Hotel Postavy ist eher eine 2-Zimmer-Wohnung, mit 110’000 BYR aber für einen „Westler“ phänomenal billig.
    Tagesbilanz Velo: 136 km / 7.2 Std. / 409 m Aufstieg

    31. Mai Postavy – Brazlav
    Die Gegend ist fast flach, die Straße sehr gut, Autos selten: eine echte Genuss-Etappe. Wälder mit Frosch-Gequake aus den zahlreichen Tümpeln und Gräben wechseln ab mit weiten Feldern, auf denen Störche und Krähen ihr Futter suchen. Das ständige Trillern von Lerchen zeigt, dass die Landwirtschaft auf den riesigen Feldern der Natur doch noch Raum lässt. Pferde-Fuhrwerke sind noch das weitverbreitete Transsportmittel. In den Dörfern dominieren gelb, grün und blau gestrichene Holzhäuschen. Obwohl die litauische Grenze hier sehr nahe ist, gibt es keine offene Verbindungsstrasse. Über Vidsy und Opsa erreiche ich den grossen Drivjaty-See mit dem Kreis-Hauptort Brazlav. Etwa 3 km südöstlich des Ortes finde ich an einer Bucht im Föhrenwald die Tourbasa „Drivyty“:Ferienhäuser, ein Restaurant und ein Hotel (Zimmer mit Bad + Balkon für 16 € ). Den späten Nachmittag nutze ich für eine Rundfahrt durch die Umgebung mit den vielen Seen und Wäldern: eine Landschaft wie Finnland in den schönsten Ferienprospekten.
    Tagesbilanz Velo: 108 km / 6.2 Std. / 195 m Aufstieg

    1.Juni Brazlav – Polozk
    Kurz nach halb sieben geht es wieder los, ostwärts auf der P14 Richtung Polozk. Auch hier wieder nur wenig Verkehr, dafür Vögel, Störche, Frösche, gelegentlich Kühe und Pferde und immer wieder neue Aussichten auf Seen und kleine Siedlungen. Am Obstreno-See zeigt mir ein Fischer, von wo es die beste Sicht auf die Nester mit den brütenden Haubentauchern gibt. In Miory mache ich vor der mächtigen Kathedrale einen Picknick-Halt, aber einen Ort für meinen ersten Kaffee vom Tag finde ich in diesem doch recht grossen Ort nirgends. Hinter dem ausgedehnten Elnja-Sumpf gibt es immer mehr kleine Dörfer, und der Verkehr nimmt allmählich etwas zu. Bei Disna nehme ich mir Zeit für einen Abstecher in diese „kleinste Stadt von Belarus“. Einst ein wichtiges jüdisches Zentrum am Ufer der Dvina, ist es seit dem 2. Weltkrieg eigentlich nur noch ein mittelgroßes Dorf. Neben der rekonstruierten Kirche erinnern nur noch die Ruinen des ehemaligen Spitals an die frühere Bedeutung des Ortes.
    15 km weiter kommt mir ein Radfahrer entgegen; es ist Michail aus Novopolozk, mein unbekannter Gastgeber, auf den ich dank „Warmshowers“ gestoßen bin und der mir per e-mail schon einige Infos für meine Reise geliefert hat. Er begrüßt mich mit frischem Obst, und gemeinsam nehmen wir die restliche Tagesetappe unter die Räder. Nachdem wir seine Abkürzung durch Wald und Schlamm glücklich hinter uns haben, spülen wir die Fahrräder zuerst im Ljuchovo-See Die Trabantenstadt Novopolozk 10 km nordwestlich von Polozk ist erst in den 60-er Jahren mit Wohnblocks für die Beschäftigten der riesigen Petro-Industrie entstanden und hat heute über 100’000 Einwohner. Der freundliche Eindruck mit den vielen Grünflächen, hellen Verwaltungsgebäuden und grosszügigen Plätzen wird nur durch den Geruch von den Raffinerien her geschmälert. In der 4-Zimmerwohnung von Michail erhalte ich das Wohnzimmer für die Übernachtung, wo uns seine Frau Irina auch das Nachtessen serviert. Zusammen mit zwei Freunden von Michail, wie er angefressene Velofahrer, setzen wir im Korridor auch wieder die Übersetzung in Stande und fachsimpeln über Ausrüstungen und Gepäck.
    Tagesbilanz Velo: 135 km / 8.6 Std. / 198 m Aufstieg

    2. Juni Polozk – Dokshicy
    Nach einem Bad um halb sieben im Ljuchovo-See (ca. 22 °C!) und reichhaltigem Morgenessen führen mich Misha und Irina auf Schleichwegen nach Polozk, einst eine der bedeutendsten Städte der Kiewer Rus. Nach der weitgehenden Zerstörung im 2. Weltkrieg erinnern nur noch einige wieder aufgebaute Bauten an die einstige Größe. Trotzdem, das St.Euphrosyne-Kloster, die barocke Sophien-Kathedrale oder das Zentrum um die Gagarin-Straße lohnen einen Besuch. Neben Denkmälern an den Krieg gegen Napoleon oder zur Erinnerung an sowjetische Kriegshelden stosse ich hier auch (nicht zum letzten Mal!) auf das angebliche geografische Zentrum Europas, und selbst der nur in Weißrussland existierende Buchstaben „Ў“ hat hier sein eigenes Denkmal.
    Meine Gastgeber begleiten mich noch ein Stück auf der Nebenstrasse Richtung Süden, und dann bin ich wieder weitgehend allein unterwegs durch Wälder, Felder und ab und zu eine kleine Siedlung. Nach der Mittagspause bei 30°C im Stadtpark von Ushashdshy geht es südwestwärts nach Dokshicy. Meine Freunde in Polozk haben mir zwar dringend von dieser Strasse abgeraten, da sie in einem Zwischenstück nur aus einem Feldweg bestehe, aber aus früheren Erfahrungen lasse ich mich nicht davon abhalten. Aber das Schicksal will es offenbar doch anders und lässt mich eine Abzweigung übersehen. So lande ich nach 40 km auf der Hauptstrasse Vilnius – Polozk (P45), nur 25 km von meinem Ausgangspunkt entfernt! Also tüchtig in die Pedalen treten, um über Glubokoe doch noch das geplante Etappenziel zu erreichen. Bei Glubokoe kreuze ich auch erstmals auf meiner Tour einen Velo-Touristen, offenbar aber einheimisch. Auf der P3 Richtung Minsk herrscht mehr Verkehr, aber der Randstreifen lässt mir meistens genügend Platz. Gegen halb 9 abends überquere ich die berühmte Beresina und bin nach 160 km in Dokshicy. Wieder gutes, günstiges Hotel, aber als Nachtessen gibt es nur noch den üblichen Salat (Gurken, Tomaten und Zwiebeln) und dazu ein Bier. Ich habe zum Glück noch Farmer-Stängel in meinem Notproviant!
    Tagesbilanz Velo: 161 km / 8.1 Std. / 596 m Aufstieg

    3.Juni Dokshicy – Minsk
    Morgenessen gibt es auch hier nirgends, also starte ich den Tag wie meistens mit Frucht-Yoghurt und Brötchen, die ich am Vorabend noch im nahen Univermag kaufen konnte. Zu sehen gibt es außer der im nordischen Stil erbauten Kirche nicht viel, und so geht es kurz nach acht Uhr auf der P29 südwestwärts. Gefühlsmäßig größtenteils durch Wald, aber es sind meistens nur die beidseitigen breiten Baumstreifen, die diesen Eindruck vermitteln. Von Misha und Ira aus Polozk erhalte ich ein sms: toll, ich kann in Minsk bei Freunden im Stadtzentrum übernachten! Nach der polnischen Jesuiten-Kirche bei Kostenevichy beginnt auf der P58 der Kampf gegen kräftigen Ostwind, und auf der Brücke über den Vileiskoe-Stausee beginnt es auch noch zu regnen. Zum Glück taucht hier gerade wieder einmal eine der gemütlichen Rasthütten auf, wo zwar meistens noch leere Bier- und Wodka-Flaschen herumliegen, aber guten Schutz bieten und notfalls mit dem Schlafsack sogar als Nachtlager dienen könnten. Trotzdem fahre ich schließlich eine gute Stunde in starkem Regen weiter. Im Laufe des Nachmittags kommt ab und zu wieder etwas Sonnenschein. Die langen Waldstrecken sind etwas eintönig. Bei dem geringen Verkehr kann ich mir dafür aus dem iPod etwas Abwechslung leisten. Und bei Vishnjovka, kurz vor Minsk, komme ich in einer kleinen Raststätte auch endlich zu meinem seit dem Morgen ersehnten Espresso. Der Verkehr nimmt nun deutlich zu, die P58 wird zur richtungsgetrennten Schnellstraße mit je 2 Spuren. Am Horizont tauchen Hochhäuser auf, und schließlich stecke ich kurz nach Znyanka auf wieder normaler Straße im dichten Verkehrsstau, der sich nur noch langsam durch Baustellen windet. Erst nach einigen Kilometern kommen wieder breite Straßen, hier nun sogar mit Radspuren. Mit einigem Fragen finde ich schließlich sogar das Haus meiner noch unbekannten neuen Gastgeber: eine 3-Zimmer-Wohnung in einem Wohnblock aus den 50-er Jahren mit gut 150 Wohnungen, noch ganz im tief sowjetischen Stil, aber mit einem wunderbar herzlichem Gastgeberpaar. Im bis oben mit Büchern und Bildern vollgestopften Arbeitszimmer von Sergej bekomme ich das Bettsofa für die kommenden 3 Nächte. Und sogar mein Velo findet hier vor dem Fenster noch seinen Platz.
    Tagesbilanz Velo: 148 km / 7.6 Std. /526 m Aufstieg

    4.Juni Minsk
    Morgenessen in der engen Küche mit Kasha (Buchweizengrütze) , Kislovky und Kaffee. Meine Gastgeberin Ira nimmt sich vor ihrer Arbeit als Mikrobiologin zuerst zwei Stunden Zeit, um mir einige Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt zu zeigen: das Opern- und Theaterhaus, diverse Kirchen, das alte Rathaus, das Konservatorium, Parks, die Gedenkstätte zum Massaker an der jüd. Bevölkerung, die Tränen-Insel mit dem Denkmal für die Gefallenen in Afghanistan, … .
    Mit Iras Empfehlungen und einem Stadtplan bewaffnet erkunde ich weitere Plätze und vor allem den langen Unabhängigkeits-Prospekt mit den alten und neuen Verwaltungsgebäuden: Universität, pädagog. Hochschule, Regierung und Parlament (und unter dem grossen Platz davor das riesige Einkaufszentrum mit allen Luxusgütern!), KGB-Gebäude, Palast der Republik, Kriegs-Museum, Dsershinsky-Statue, Gewerkschafts-Palast, Offiziers-Haus, Zirkus, … . Auf den Straßen dichter Verkehr mit Bussen und Autos aus dem obersten Preis-Segment. Und abends leuchtet über dem Unabhängigkeitsplatz die Parole: „Der Volkswille ist unsterblich“, und die Fussgängerpassage wird durch Heldenverehrungen aus dem „Grossen Vaterländischen Krieg“ erleuchtet. Derweilen werden noch verbliebene Grünflächen neben dem Staatszirkus mit gigantischen Neubauten zugedeckt. Belarus zeigt sich hier als Land zwischen gestern und morgen, das heute scheint irgendwo verloren zu sein. Und die Politik? Die Antwort, die ich bekomme: „Die Weißrussen haben die Regierung, die sie verdienen“ . Sarkasmus oder Resignation?

    5. Juni Minsk und Umgebung
    Meine Gastgeber Ira und Sergej haben sich den Tag für einen Ausflug mit mir reserviert: Ausgerüstet mit Picknick fahren wir mit der „Elektritschka“ fahren wir westwärts aus der Stadt und wandern entlang der Schnellstraße und weglos querfeldein nach Gorodischtsche, um die älteste Siedlung von Minsk zu besichtigen. Zu sehen sind nur noch mit Wald bewachsene Erdwälle, ein zerfallenes Fußballtor und irgendwo im hohen Gras eine kaum sichtbare Tafel mit einem kurzen Hinweis. Wesentlich lohnender ist das weiter östlich gelegene Freilichtmuseum bei Oserzo, eine Art weißrussisches „Ballenberg“: Auf einem grossen Gelände sind Häuser, Scheunen, Kirchen und Mühlen aus ganz Belarus inklusive Inneneinrichtungen aufgestellt, die das Leben in vergangener Zeit eindrücklich dokumentieren. Mit Bus und Metro kehren wir abends zufrieden nach Minsk zurück. Mit einem langen Spaziergang durch die zentralen Parks genieße ich nochmals die wahren Schönheiten dieser 2-Millionen-Stadt.

    6. Juni (Minsk – ) Stolzy – Njazwish
    Voller Dankbarkeit und mit der Erinnerung an interessante Gespräche am Tisch in der engen Küche verabschiede ich mich von Sergej und Ira. Richtung Südwesten gibt es aus der Hauptstadt nur die Hauptverkehrsachse P1 gegen Brest und Warschau. Auf Empfehlung meiner Gastgeber nehme ich deshalb bis Stolbzy die Elektritschka. Dafür bleibt mir nun genügend Zeit, um in Mir eine der größten Sehenswürdigkeiten von Belarus zu besuchen: neben dem beschaulichen Städtchen mit schön restaurierten Häusern aus der Zeit um 1900 und der ehemaligen jüdischen Jeshiva thront die mächtige Burganlage aus dem 15. Jh. ,seit 2000 als UNESCO-Kulturerbe klassifiziert. Sowohl als Gesamtanlage als auch in den historisch eingerichteten Innenräumen sehenswert.
    Nachdem ich ein kurzes Gewitter bei einem feinen Espresso (echter Genuss!) vorbei ziehen lasse, geht die Fahrt wieder südwärts weiter. In Gorodeja staut der Verkehr wegen einem langen Trauerzug mit offenem Sarg, Priester und Sängern. Das heutige Etappenziel Njazwish ist ein weiteres Highlight von Belarus: die barocke Schlossanlage mit grossem Park der einst mächtigen Radzivili-Dynastie, die Fronleichnams-Kirche (16.Jh), das Bernhardiner-Kloster (16.Jh.), das Rathaus (16.Jh.), das Sluzker-Tor und noch vieles mehr. Nach dem Zimmerbezug im ZKH-Hotel (grosses, sauberes Zimmer, ca. Fr. 30.-) besuche ich den grossen Schlosspark (das Schloss ist leider nur bis 17 Uhr offen), das Kloster (heute ein Gymnasium) und genieße im Rathauskeller ein reichhaltiges Nachtessen (Fr. 8.- inkl. Bier). Eine Gruppe Lehrer und Lehrerinnen vom Gymnasium ziehen mich in Diskussionen über das Leben hier und im Westen, und erst nach einigen Gläschen Wodka finde ich dank kühler Nachtluft wieder glücklich den Weg zurück ins Hotel.
    Tagesbilanz Velo: 62 km / 3.2 Std. / 231 m Aufstieg

    7. Juni Njazwish – Gancevicy
    Zunächst besuche ich das Schloss mit den reich ausgestatteten historischen Räumen aus 4 Jahrhunderten. Es bietet offensichtlich ein Vielzahl von Arbeitsplätzen: in jedem Raum wacht mindestens ein Frau, dass die Besucher die Weisungen befolgen. In der Fronleichnams-Kirche mit den prächtigen Deckenmalereien und der düsteren Radzivili-Gruft ringt mir die Küsterin neben dem Eintritt von 5’000 BYR auch noch eine ebenso grosse Gabe für den Opferstock ab. Wenigstens die geschnitzten Holzfiguren am Flussufer beim Sluzker-Tor sind gratis zu besichtigen.
    Auf der P12 geht es gegen Mittag nach Süden. Mittagspause in Klezk bei Yoghurt, Gebäck und Glacé. Wegweiser sind Mangelware, und so finde ich erst nach kurzer Irrfahrt die P13 nach Sinjavka. Wieder sehr ländlich und wenig Verkehr, dafür ab und zu etwas Regen. Meine Regenhose und die Regenjacke bewähren sich bestens, dafür wird es gelegentlich von innen feucht. Mit einem Wolkenbruch erreiche ich mein heutiges Etappenziel Ganzevicy, Bezirkshauptort und wie viele „Städte“ hier einfach ein grosses „Kaff“: grosse, teilweise leer stehende Industrie-Anlagen, wenige Geschäfte, einige Wohnblocks, grosse Amts- und Schulgebäude, großzügige Hauptstraßen mit separaten Wegen für die Fußgänger, löchrige Nebenstraßen mit grossen Pfützen, verwahrloste Grünanlagen. Im Zentrum wie überall die „Ehrentafel“ mit den Personen, die im vergangenen Jahr zu lokalen Helden ernannt worden sind. Auf dem Hauptplatz proben die Schüler mit Gruppendarbietungen zu lauter Disco-Musik für das Fest zum Schuljahres-Abschluss. Im modernen Hotel „Shuravushka“ im Zentrum hat es kaum Gäste, es ist nachts sehr ruhig, dafür plagen mich nach dem Regen nun die Mücken.
    Tagesbilanz Velo: 77 km / 4.2 Std. / 151 m Aufstieg

    8.Juni Gancevicy – Pinsk
    Nach meinem improvisierten „Morgenessen“ (Fruchtjoghurt, Brötchen, Apfelsaft) und tatkräftiger Mithilfe der freundlichen Dame vom Empfang starte ich um 06.40 auf der P105 südwestwärts und bin schon nach wenigen Minuten wieder auf einsamer Straße tief im Wald unterwegs, nur begleitet vom lauten Gequake der Frösche. Nach einer Kaffe-Pause in Logishin komme ich um 12.30 Uhr in Pinsk wieder in städtisches Gebiet. Samstag und Markt. Als erstes wieder den Durst löschen mit einem halben Liter Kvas, dann ein Rundgang durch das Gedränge zwischen den Ständen. Auffallend sind vor allem die Erdbeeren, die gleich in grossen Kesseln angeboten werden, sowie viel Honig. Ein Taxifahrer hilft mir, das Hotel Pripjat zu finden: ein typischer 12-stöckiger Bau, der noch die ganze Aera der Sowjet-Zeit ausstrahlt, auch wenn die protzige Eingangshalle von einem riesigen Flachbildschirm mit Disco-Lärm dominiert wird. Der Lift mit Holzverkleidung rumpelt wie eine alte Bergbahn, im Zimmer kommt aus allen Hahnen nur kaltes Wasser, am Balkongeländer fehlen einige Bretter …, aber die Aussicht über den nahen Pripjat mit den Ausflugsschiffen kompensiert all das. Zu Fuss erkunde ich die Stadt, die neben schäbigen Plattenbauten und einigen eher skurril anmutenden Neubauten noch vielerorts ein wenig an ihre Vergangenheit erinnert, als Pinsk so bedeutend wie Vilnius, Kiev oder Polozk war : die vielen ein- und zweistöckigen Häuser mit Stuckaturen um Fenster und Türen, das Theater, das mächtige Jesuiten-Kollegium (mit der Lenin-Statue davor), das Franziskaner-Kloster mit der barocken Kirche. Die Synagoge und der Platz mit den ausdrucksvollen Holzskulpturen ruft auch in Erinnerung, dass vor dem 2.Weltkrieg fast 90% der Bevölkerung jüdisch war. Etwa 30’000 Einwohner wurden hier umgebracht, davon 10’000 an einem einzigen Tag …..
    Ein Spaziergang auf der belebten und stimmungsvollen Uferpromenade bringt mich wieder in die Gegenwart zurück. Die Restaurants sind wie üblich an Samstagen fast überall durch Hochzeitsgesellschaften belegt. Wenigstens auf einer Terrasse komme ich doch noch zu einem Schaschlick. Die Hochzeiten rufen sich zwar in der Nacht mehrmals durch gewaltige Feuerwerke in Erinnerung, aber dank dem 7. Stock plagen mich hier nicht auch noch die Mücken.
    Tagesbilanz Velo: 96 km / 4.7 Std. / 30 m Aufstieg

    9.Juni Pinsk – Sarny (UA)
    Schon um halb sieben verlasse ich Pinsk auf der P6. Über den Pripjat-Sümpfen liegt dichter Nebel, durch den erst allmählich die Sonne dringt. Mit der Sonne wird es auch angenehm warm. An den zahlreichen Wassergräben, welche die weiten landwirtschaftlichen Flächen entwässern, reihen sich die Sonntagsfischer. Kurz vor Stolin nehme ich die Abkürzung entlang der Bahnlinie nach Retschina und notiere auf meinem Ciclo den 1000. Kilometer der Tour. Mit Biskuits und Mineralwasser entledige ich mich meines weissrussischen Kleingeldes (d.h. Tausender-Scheine!), die größeren Scheine kann ich an der Grenze noch in Euro umtauschen, ukrainische Grivni gibt es hier nicht. Offenbar traut man der Währung des Nachbarn nicht. Aber die Formalitäten sind viel einfacher: 15 Minuten am weissrussischen Zoll, 5 Minuten am ukrainischen. Dafür möchte die ukrainischen Beamten schon von mir wissen, in welchem Land die Straßen besser seien und erwarten, dass ich natürlich die Ukraine lobe. Die Antwort kann ich erst einige Tage später geben, und sie würde den Beamten nicht gefallen. Vorerst kann ich nicht klagen, und der Verkehr ist weiterhin sehr mäßig, nimmt aber doch allmählich zu. Ab Dubrovicja möchte ich deshalb auf die weiter östlich verlaufende Nebenstraße wechseln und lerne so schon eine ukrainische Eigenart kennen: Wegweiser sind selten, und die wenigen vorhandenen zeigen oft Orte, die in meiner Karte nicht zu finden sind. Schon der Weg ins Ortszentrum wird zu einer kleinen Irrfahrt über Straßen mit Schlaglöchern ohne Ende. Das Zentrum ist schön mit Cafés und Spielplätzen, überall viele Menschen, die den freien Tag genießen. Aber die Fortsetzung beginnt zuerst gleich wieder mit einer Irrfahrt. Glücklich bin ich schließlich auf der richtigen Straße, und erst noch mit gutem Asphalt Belag. Die Freude dauert aber nur knappe 5 km, bis Bereshky. Ab hier werde ich auf grobem Pflasterstein durchgeschüttelt, und der sandige Streifen beidseits ist kaum befahrbar. In manchen Abschnitten ist nur noch Sand, und so geht es anstrengend und mir kurzen Regenschauern noch gut 20 km weiter bis nach Sarny. Hier geht es zunächst nur durch heruntergekommene Industriegelände, bis mit der grossen Kirche doch noch ein etwas belebtes und hübsches Ortszentrum auftaucht. Dominiert wird der Platz mit schöner Allee von einem Panzer als Denkmal für die Befreiung im 2.Weltkrieg. Im (wohl einzigen) Hotel Slutsch am Hauptplatz mit gutem Zimmer für 242 Grivni (ca. 27 Franken) muss ich der Frau am Empfang die Nationalität selber aufschreiben, da ihr „Швейцария“ völlig unbekannt ist. Die nassen Regenkleider kann ich im Heizungsraum (auch im Sommer in Betrieb!) aufhängen. Auch hier ist das nahe Restaurant durch eine Hochzeitsgesellschaft besetzt, aber am Ende des Platzes komme ich doch noch zu einem Nachtessen nach dem eher anstrengenden Tag.
    Tagesbilanz Velo: 138 km / 7.4 Std. / 78 m Aufstieg

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