Belarus mit anderen Augen gesehen

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  • #1400
    fabmatti
    245 Beiträge

    Hallo mal wieder.

    Nachdem ich nun seit über einem halben Jahr recht häufig – ja sogar fast immer – dieses Forum besuche und auch darin schreibe, sind mir viele der Forums-Themen durch den Kopf gegangen, als ich die letzten 2 Wochen mal wieder dort war.

    Zusammengefasst hatte ich einen positiveren Eindruck im Vergleich zum letzten Mal. Es tut sich was in Belarus. Viele für uns alltägliche Sachen halten nun auch Einzug. Die Akzeptanz für ein paar Neuerungen wächst zwar langsam aber immerhin.

    Zuerst fiel mir das Straßenbild auf. Die Autos, die dort fuhren, waren in einem besseren Zustand als bei meinem letzten Besuch im Sommer 2004. Das mag sicherlich mit den neuen Zöllen für ältere Autos und den „TÜV“-Prüfungen zusammenhängen. Vielleicht hat aber auch nur die Kälte die alten Schrottmühlen eingefroren.

    In den Städten ist auch vieles zu beobachten. Zwar gibt es immer noch diese gammelig aussehenden und heruntergekommenen Plattenbauten, aber es wachsen neue Blocks mit modernen Fenstern und Türen. Klar werden diese für die Normalbürger unerschwinglich sein, aber man sieht einen Fortschritt. Die Stadt Zodzina (da werden die Belaz-Trucks gebaut) war vor 2 Jahren eher trist und öde. Jetzt siehts schon recht schick aus. Auch in Borisov wachsen schicke Gebäude. Die Banken schmücken sich regelrecht. Das ist der Trend, in den der Minsker Bahnhof oder die neue Bibliothek passen. Und es ist eben nicht nur in der Hauptstadt.

    Dass jetzt auch Registrier-Kassen in den kleinen Geschäften und Ticketmaschinen in den Marschrout-Taxen Einzug gehalten haben, ist aus westlicher Sicht dringend nötig gewesen. Die weißrussische Bevölkerung hat damit aber Akzeptanz-Probleme, weil die meisten es so wie immer machen würden, weil es ohne die Dinger geht.

    Meinen Schwiegereltern habe ich nun einen PC eingerichtet, damit sie ihre Geschäftszahlen für ihren kleinen Laden verwalten können. Da müssen Zettel (was sonst in BY!?!) für die Bank ausgefüllt werden. Bisher machten Sie es per Hand, aber da sowas nicht akzeptiert wird, musste das ganze in der Bank neu abgetippt werden, was wiederum Geld kostete. So haben sie es gleich in akzeptabler Form. ABER meine Schwiegereltern haben (noch) kein Verständnis für diese modernen (für uns alltäglichen) Vorgänge. Aber ich habe gute Hoffnung.

    Generell muss man sagen, dass der staatliche Zwang, auch als Klein-Unternehmer ein Konto zu führen, Vorteile für alle hat. Ja auch für das Volk. Die Rennerei in sämtliche Winkel der Stadt, um bei irgendwelchen Behörden Gebühren zu entrichten, entfällt. Man geht jetzt einmal zur Bank und zahlt von dort. Das ist noch nicht ganz so bei den Bürgern angekommen, so wie Online-Banking und -Handel bei uns viele noch abschreckt.

    Dann das große Thema Alkohol!!!
    Ich habe das jetzt mal genauer unter die Lupe genommen, weil man ja nicht drum rum kommt bei einem Besuch 😉
    Allgemein kann man sagen: Der Weißrusse schüttet, der Deutsche genießt eher. Das ist jetzt aber nicht nur auf Wodka bezogen. Bei der einfachen Bevölkerung fehlt irgendwie das Verständnis, dass Alk ein Genussmittel ist. Da wird sogar guter Wein runtergespült, und nicht langsam genossen. Unsere Freunde in Minsk sind modern, leben sehr westlich orientiert. Da ist auch das Gespür für einen guten Tropfen vorhanden. Man kann sich zwar auch betrinken, aber mit Genuss und Freude, so haben wir es mit russischen Cognac getan 🙄
    Wodka ist halt ein gefährlicher Stoff. Er ist zu billig, um als Genussmittel angesehen zu werden. Dass ihn viele so trinken, wie hier die meisten eine Coke, und danach die Sorgen (vorerst) weggespült sind, macht eine Abhängigkeit leichter. OK, es ist ein nationales Problem dieser Wodka-Stammländer. Aber er gehört irgendwie immer auf den Tisch. Vor allem wenn oft Gäste da sind, wird nun viel mehr getrunken. Wir würden das schon als Alkoholismus einstufen, aber dort ist es noch normal. Ich kann es nicht so hart eingrenzen.

    Und nun die politischen Sachen.
    Im Batka-TV wird nichts beschönigt, man lässt nur die negativen und unliebsamen Infos weg. So wirkt es beim Volk auch ehrlicher. Toll von Lukaschenko fand ich aber, dass er auch mal ein Eishockey-Match mit Studenten machte. Klar ist das Populismus, aber es wirkt volksnah. So bekommt er genügend Stimmen für eine weiter Amtszeit, ohne noch irgendwelche Zahlen manipulieren zu müssen. Er hat beim einfachen Volk seine Mehrheit, weil er halt eine Stabilität verkörpert.

    Von Infos über die Opposition ist nichts zu erfahren, dei Leute wissen gar nicht, ob´s noch andere Kandidaten gibt und – wenn ja – wen. Es ist keine Landesweite Oppositionsbekanntheit vorhanden. Sicher wird es bei der anstehenden Wahl Regionen geben, die zu einem hohen Prozentsatz für Milinkewitsch wählen werden, aber erfahren wird man´s ja eh nicht.

    Ansonsten bleibt zu sagen, dass die Reisebedingungen nach Belarus sehr gut sind. Die Züge inklusive Personal machen von mal zu mal einen besseren Eindruck. Es ging in den Zügen auch harmonischer vonstatten. Vielleicht hatte ich auch nur Glück, dass die anderen Fahrgäste einfach nett waren.

    Puuh, jetzt tun mir die Finger weh…

    Grüße
    Matthias

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    #1404
    GroM
    4243 Beiträge

    Welcome back, Matthias.
    Danke für deine „Einschätzung der Lage“ in Belarus. Fand ich sehr spannend zu lesen, wie das Leben dort von dir im Detail wahrgenommen wurde.

    Ich denke, dass es auch logisch und gesetzmäßig ist, dass in Belarus nichts stehen bleibt und sich langsam entwickelt. Es wäre fatal zu glauben, in Belarus bleibe alles brach liegen und das Land zerfalle unter der Führung von Lukaschenko nach und nach! Ich sehe auch immer wieder neue Banken, neue schicke Geschäfte, frisch gestrichene Fassaden der Hauptstrassen, Internet-Cafes, sehr teure Autos. Es ist schön, dass in Belarus sich etwas tut, denn Potential dazu hat das Land. Es wäre auch denkbar schwierig, sich – als ein Transitland – von dem Fortschrit in der gesamten Region komplett abzuschotten. Aber mit dem politischen Führungsstil hat es nichts zu tun. Diese Entwicklung ist nicht der Regierungsfähigkeit von Lukaschenko zuzuschreiben. Und wenn man genauer hinschaut, dann wird es offensichtlich, dass das Regime die Dynamik eher lähmt, ausbremst und in dem Streben die Dynamikströme zu verstaatlichen, zu kontrollieren – diese erwürgt. Dass jede „Innovation“ bzw. „Erneuerung“ nur mit gigantischen Anstrengungen durchgeboxt werden muss. (z.B. sie brauchen alleine für die Bürokratie fast 1 Jahr, um in Minsk ein Café eröffnen zu können!). Dass die Potentiale größtenteils ungenutzt oder blockiert bleiben und daher abwandern müssen. Wenn man das Potential und die Leistung der Menschen in Belarus mit ihrer Entlohnung, mit dem Rückfluß ihrer Investitionen bzw. mit der Höhe staatlicher Zuwendungen, Hilfen, Förderungen vergleicht, so wird es offensichtlich, dass der belarussische Staat ihre Bürger bereits heute ausbeutet. Denn wer selbst es wagt etwas Eigenes aufzubauen, der hat von der staatlichen Seite nichts zu erwarten, mehr noch – er muss „sich mit dem Staat anlegen“, sich durch die Bürokratie durchkämpfen (Vitamin B: Beziehungen, Bestechungsgelder). Wer für den Staat arbeitet oder schlimmer noch – auf ihn mittlerweile angewiesen ist, dessen Erwartungen an den Staat sind gering, hier kommt nicht mal der Gedanke darüber, ob die staatliche Leistung angemessen ist: Hauptsache es gibt etwas: „charku, da schwarku“. Im Endeffekt geht es bei beiden (irgendwie) weiter. Aber beide müssen ihre Erniedrigung in Kauf nehmen, müssen sich damit abfinden, bis diese Erniedrigung zum Alltag wird. Die in Belarus vom System gezüchteten und zum „Weiterkommen“ unerlässlich gewordenen „soft-skills“ sind immer noch: Dreistigkeit, Grobheit, Frechheit, Bestechlichkeit und Ignoranz. Ob die Menschen in Belarus einen solchen Fortschritt haben wollen?! Das bezweifele ich.

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    #1405
    targa71
    559 Beiträge

    Hallo Matthias,

    schön das Du wieder aufgetaut….ähem aufgetaucht bist und dann voller Tatendrang einen netten Bericht geschrieben hast.

    Gruss

    Volkhard

    0
    #1414
    GroM
    4243 Beiträge

    @ Fabmatti.. Die Situation in den Städten mag sich ja verbessern, aber am Land sehe ich da kaum eine Verbesserung.

    @ Maxim.. Schließe mich deiner Meinung an.

    0
    #1415
    fabmatti
    245 Beiträge

    [quote]@ Fabmatti.. Die Situation in den Städten mag sich ja verbessern, aber am Land sehe ich da kaum eine Verbesserung.[/quote]

    Das habe ich ja auch nicht behauptet. Ich war diesmal nicht auf dem Lande, aber ich kann mir vorstellen, dass dort immer noch die Zeit stehen geblieben ist, leider. Ich wollte wenigstens ein paar positive Worte verlieren… 😉

    Tschö
    Matthias

    0
    #5154
    gendre
    4 Beiträge

    Hallo,
     
    Ich studiere Architektur in Dresden. Dieses Semester arbeite ich über die Städte von Osteuropa und insbesonders über Mogilev (Mogiljow). Mein Arbeit besteht aus der Katastrophe Tschernobyl und ihre dramatische Folge auf der Bevölkerung und der Landschaft, aus der Geschichte und der Entwicklung, endlich aus der Architektur und Städtebau von dieser Stadt . Ich brauche allgemeine Informationen über der Stadt und dem Land, zB. Text, Fotos, Bezeugnungen, Karten, Lageplan oder Stadtplan von Mogilev. Können Sie mir bitte helfen?
    Vielen Dank,
     
    Chloe

    0
    #5217
    Kurt Mekelburg
    7 Beiträge

    Wenn man sich mit der belarussischen Gesellschaft auseinandersetzt, muß man sich zwangsaläufig auch mit der untergegangenen Sowjetunion befassen. Denn Belarus sieht sich immer noch in der Tradition der alten Sowjetgesellschaft. Gerade auf dem Land und hier v.a. im Agrarbereich (Kolchosen) hat sich in Belarus nicht viel verändert. Das Land ist auch die eigentliche Machtbasis von Lukaschenko und deswegen würde Lukaschenko nicht im Traum daran denken, Grund und Boden (sprich: Kolchosen) zu privatisieren. Spätestens dann würde das Fundament seiner Macht erodieren mit unvorhersehbaren Auswirkungen auf das weißrussische Machtgefüge.

    Die Sowjetgesellschaft war im Grunde genommen eine Betrugsgesellschaft. Der Direktor einer Produktionsgenossenschaft oder einer Kolchose hat getäuscht und getrickst, um von den übergeordneten staatlichen Organen Subventionen zu bekommen und die Arbeiter haben im Gegenzug den Chef beschissen, um einen persönliche Vorteil zu erlangen. Täuschen, Tricksen und mit der Halbwahrheit operieren hat zum Standardrepetoire eines jeden Kolchosdirektors gehört – und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Und in diesem Umfeld ist Alexander Lukaschenko sozialisiert worden – was unsere feinsinnigen EU-Politiker immer beachten sollten, wenn sie mit einem Mann wie Lukaschenko Verhandlungen führen sollten.

    So ein „betrügerisches“ System hat letztlich zur Folge, dass man irgendwann nur noch seiner eigenen Sippe vertraut – das ist auch der Grund, warum in autoritär-diktatorischen Systemen sehr oft eine innerfamiliäre Nachfolgeregelung gesucht wird (Lukaschenko soll ja auch seinen Sohn als Nachfolger favorisieren !).

    Parlamentswahlen 2008:

    Der Ausgang der Parlamentswahlen in Belarus hat mich nicht verwundert. Was ich von der Opposition in Belarus halte, habe ich an anderer Stelle dargelegt. Die Weißrussen haben sehr staatstragend gewählt. Der Einfluß der Opposition auf das belaruissische Wahlvolk ist scheinbar sehr klein. Mit drei bis vier Oppositionspolitikern hätte Lukaschenko durchaus leben können, ohne das dadurch sein Regime ins Wanken geraten wäre.

    Die erneute Hinwendung zum technologisch führenden Westen ist für Weißrussland ein Akt der Notwendigkeit. Russland ist zwar auch weiterhin wichtig als Lieferant subventionierter Energieträger, als Kreditgeber und als Absatzmarkt für belarussische Produkte – aber Lukaschenko ist sich der Tatsache bewußt, dass Russland bis heute jeden Beweis schuldig geblieben ist, dass es eine technologisch moderne, international wetbewerbsfähige Industriegesellschaft aufzubauen versteht. Die mangelnde Innovationsfähigkeit der Industrie und Forschung ist das eigentliche Problem Russlands.

    Wenn man einmal vom Demokratiedefizit absieht und Lukaschenkos Arbeit vom Standpunkt seiner Möglichkeiten und den Ergebnissen betrachtet, so fällt die Bilanz für Lukaschenko gar nicht so schlecht aus. Die Klaviatur der Machtpolitik beherrscht Lukaschenko perfekt. Weißrussland ist inzwischen wieder ein Gesprächpartner des Westens geworden, ohne das dadurch das Verhältnis zu Russland gelitten hätte. Und v.a. hat es Lukaschenko bis heute geschafft, die russischen Oligarchen aus Belarus fernzuhalten. In diesem Punkt dürfte Lukaschenko mit Artur Klinau einer Meinung sein, der in seinem Buch ´Minsk – Sonnenstadt der Träume´ geschrieben hat: „ … und im Osten Russland, das zwar nicht dein Feind, aber weitaus gefährlicher ist als ein Feind.“

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    #5219
    Jan
    5 Beiträge

    [b]chloe schrieb:[/b]
    [quote]Hallo,

    Ich studiere Architektur in Dresden. Dieses Semester arbeite ich über die Städte von Osteuropa und insbesonders über Mogilev (Mogiljow). Mein Arbeit besteht aus der Katastrophe Tschernobyl und ihre dramatische Folge auf der Bevölkerung und der Landschaft, aus der Geschichte und der Entwicklung, endlich aus der Architektur und Städtebau von dieser Stadt . Ich brauche allgemeine Informationen über der Stadt und dem Land, zB. Text, Fotos, Bezeugnungen, Karten, Lageplan oder Stadtplan von Mogilev. Können Sie mir bitte helfen?
    Vielen Dank,

    Chloe[/quote]

    Hi, ich fahre am 27.12. nach Mogilev. Vielleicht kann ich dir helfen. Allgemeine Infos über die Stadt findest du im Internet genügend. Kartenmaterial lässt sich ganz gut im Gleumes in Köln besorgen. Ich war mal vor zwei Jahren im Laden, da konnten die sogar die Landkarte mit der Strahlenbelastung und -verteilung in Weißrussland bestellen. Kannst ja mal schauen: http://www.landkartenhaus-gleumes.de/index-g.php3

    Wenn dich konkrete Gebäude oder andere architektonische Besonderheiten der Stadt interessieren, sag mir um welche es geht, eventuell schaffe ich es davon ein paar Fotos zu machen – außgenommen sind allerdings Regierungsgebäude =) Ich hab auch noch nen Haufen Fotos aus Mogilev zuhause. Vielleicht ist da auch schon was dabei…

    Mich würde interessieren warum du dir für deine Arbeit gerade die Stadt Mogilev ausgesucht hast?

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    #5224
    derdickemax
    283 Beiträge

    [quote]Und v.a. hat es Lukaschenko bis heute geschafft, die russischen Oligarchen aus Belarus fernzuhalten.[/quote]Richtig, und er hat auch weitgehend verhindert, dass eigene, weißrussische Oligarchen entstehen.

    Dadurch entsteht aber ein Problem: wenn man sich (zu Recht) gegen eine Oligarchenökonomie (wie in Russland) entscheidet und auch keine Staatsökonomie mehr will (weil inzwischen sogar die Bürokraten eingesehen haben, dass die nicht funktioniert), dann taucht die Frage auf: Wer sind die Träger der Ökonomie?

    Das kann nur ein dynamischer Mittelstand sein, viele tausend fleißige, gebildete, tüchtige Leute, die das Schicksal in die Hand nehmen. „Maly bizness“, kleine Privatfirmen, Selbständige und Genossenschaften. Das würde auch zu Belarus passen.

    Genau denen aber werden oft noch bürokratische und politische Hürden in den Weg gestellt, während man würdelos vor ausländischen Investoren kriecht. Die ausländischen Investoren werden nicht kommen, solange das Rechtssystem noch von der Politik dominiert und missbraucht wird nach Gutdünken. Billige Arbeitskräfte gibt es auch in EU-Ländern zu Millionen.

    Die BY-Regierung sollte den Wert ihrer eigenen Leute erkennen und aufhören, ihnen kleinliche, bürokratische Knüppel zwischen die Beine zu werfen, so wie es die klugen Chinesen getan haben. Dann werden sie auch erkennen, dass dort die KP immer noch regiert.

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    #5233
    Wowa
    113 Beiträge

    Hallo, Chloe!

    Mogilow hat eine sehr schön restaurierte Altstadt. Sowas habe ich sonst in dem Land noch nicht gesehen. Es gibt an vielen alten Häusern, die wieder hergerichtet wurden, Tafeln mit ihrer Historie. Es gibt auch ein schönes Frauenkloster mit üppigem Blumengarten. Natürlich sind auch die üblichen Plattenbauten zu sehen, aber nach Minsk war ich doch beeindruckt. Ich kann auch gern mal schauen, welche Fotos ich auf Foto-CD habe, die ich Dir mailen kann. Melde Dich, wenn noch Bedarf besteht.
    Wowa

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    #5272
    gendre
    4 Beiträge

    Hallo,
    Ja ich möchte gern Fotos von Gebäudn der Altstadt Mogilow haben. Auf Internet habe ich nur Bilder von der S. Stanislas – und S. Nicolas Kirche und von der Theater.
    Vielen Dank.

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    #5300
    Kurt Mekelburg
    7 Beiträge

    [b]derdickemax schrieb:[/b]
    [quote][quote]
    Das kann nur ein dynamischer Mittelstand sein, viele tausend fleißige, gebildete, tüchtige Leute, die das Schicksal in die Hand nehmen. „Maly bizness“, kleine Privatfirmen, Selbständige und Genossenschaften. Das würde auch zu Belarus passen.
    [/quote]

    Zugegeben, dieser Gedanke hat Charme. Aber eine Mittelstandspolitik, wie wir sie verstehen, ist weder heute noch morgen in Belarus realisierbar. Es fehlen dafür schlicht und einfach die Voraussetzungen. Das ursächliche Problem ist dabei nicht einmal Lukaschenko (er ist für mich sowieso nur die Personifizierung weißrussischer Mentalität). Schade, ein ´dynamischer Mittelstand´ würde tatsächlich zu Belarus passen.

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    #5603
    Marius Hanisch
    14 Beiträge

    Ich bin begeistert von den Anworten zu diesem sehr informativen Thread und deckt sich mit meiner Einschaetzung bzw Erfahrung, die ich waehrend diverser Besuche in der Hauptstadt Minsk und Umland gewinnen konnte.

    Mich freut es zulesen, das man sich nicht der ueblichen Klischees bedient sondern sachlich und menschlich mit allen Facetten dieser Republik auseinander setzt

    Thema Buisiness:

    Ich habe zahlreiche hochgradig gebildete Leute kennengelernt, die die Umsetzung ihrer Ideen hinsichtlich Gewerbegruendung auf Grund der genannten Buerokratie nicht umzusetzen wagen oder koennen. Wie im Eingangsthread beschrieben, wuerde durch eine Festigung einer privat organisierten Mittel-/Oberschicht das Machtgefuege in Belarus ins wanken geraten. Dennoch tut sich was, wenn auch in kleinen Schritten.
    Man kann es auch daran erkennen, dass neben den Vintage-Fahrzeugen sich anstaendige Mittelklasse- und Oberklassefahrzeuge im Stadtbild sehen lassen. Auf dem Land dagegen die Fuhrwerke mit den 1 PS Hafermaschienen als Synonym fuer den Stillstand.
    Auf Grund einer fehlenden staatlichen Versorgung ( die 20 Dollar die man im Fall der Arbeitslosigkeit nach mehrmonatigem Spiessrutenlauf erhalten kann, wird kaum genutzt)Ich hab alle als ziemlich fleissig in Erinnerung und die 48 Stunden Woche ist ein unerreichtes Westprodukt. Wer hier 200 – 400 EUR pro Monat im 10-11 Stundentakt pro Tag scheffelt, gilt schon als Mittelschicht

    Thema Frauen:
    In Weissrussland gibt es wie ueberall im GUS-Raum, die schoensten Frauen.
    Allerdings gibt es einen sichtbaren Unterschied, zwischen den juengeren Generationen und jener ab 40+. Im russigsrpachigen Raum mag jede die schoenste sein, daher geben sie sich Muehe bei der Wahl der Kleidung sowie im sonstigen Erscheinungsbild. Ich bin beruflich und privat in vielen Teilen der Erde unterwegs und lebe zur Zeit in Norwegen, aber nirgens habe ich einen solchen Stolz in der Frauenwelt erlebt.
    Dies hat zur Folge, dass bei einem Besuch in der Disko oder Bar sich die Maedels erstmal alle neidvoll und teils veraechtend gegenseitig bemustern bevor sie visuell die Jagd auf die Maennerwelt angehen.
    Dies laesst aber im Alter sichtlich nach und endet im Klischee der buckligen „Babuschka“
    Mich aergert es zu tiefst, dass hierzulande die Maedels als billig, heiratswillig im Hinblick einer dauerhaften Versorgung und dumm angesehen werden. Zugegeben die Praesenz jener auf den zahlreichen Kontaktportalen lassen diesen Rueckschluss zu und es gibt sie wohl auch. Mir sind sie vor Ort nicht begnet und obwohl ich nicht grad ein Nachtschattengewaechs und von der Kleidung und Ausstattung als Wessi klar erkennbar bin, hatte ich nie den Eindruck, dass sie sich um jeden Preis dem Westler um den Hals werfen. Viele moechten weg, aber nicht fuer immer und dann auch mit eigener beruflichen und privater Perpektive. (Weiss-)Russische Frauen, sind leidenschaftlicher, treuer und pflegen familaere Werte, die wir nicht mehr kennen, aber wuenschen
    Die sogenannten Vamps oder Ultra-Nataschas schaffen es von allein dauerhaft(mit Leichen im Keller) in den Westen zu kommen und sind mir nur in Moskau, St. Petersburg, New York und Miami begegnet. Wer ein wenig Gestik, Mimik und Tonfall interpretieren kann, erkennt die Absichten von allein und kann damit jonglieren (zumindest bis zum Trauschein) oder es einfach bleiben lassen.

    Thema Maenner:

    Anders als die Frauen, legen die weissrussischen Herren weniger Wert auf ihr Aeusseres und laufen zu oft als Fashion-Victims rum.Jene die es tun, uebertreiben es dann oder waehlen Kombinationen, die auch als NoGo durchgehen.Zum Thema Fashion gibt es kaum echte Markenware. Alles was ich gesehen habe, waren Fakes. Auch sind Maenner oftmals was grob im Umgang mit Fremden oder fremden Frauen. Handzahmer dagegen im Umgang mit Familie und Freunden. Klassische Statusobjekte sind Autos, Handies und sonstiges technisches Schnickschnack. Dies trifft aber auch auf die Maedels zu und nirgends habe ich mehr Ipods gesehen als in Minsk. Ich erinnere mich an zahlreiche baulich heruntergekommene Wohnungen mit Einfach-Verglasung, wo auf dem Tisch der neuste Laptop stand

    Thema Prostitution:

    Dies ist in Belarus verboten, dennoch gibt es sie wie ueberall auf der Welt auch.
    An diversen Bushaltestellen sitzen diese auf den Baenken rum und warten auf Kundschaft, haette mein Begleiter mich nicht drauf aufmerksam gemacht, haette ich sie
    vom aeusserlichen Erscheinungsbild nicht als solche erkannt. Oftmals werden diese in Taxen abgeholt, wobei die Taxifahrer nicht selten die Vermittler sind bzw werden von den Freiern beauftragt. Als Passant wird man nicht von denen angesprochen. Ob das immer so ist kann ich nicht beurteilen, vermute aber, dass es auf Grund der Strafen so sein muss.

    Thema Informationen:

    Via dem noch nicht zensiertem Internet liegen die Infos ueber das Land allen vor, die sich ueberhaupt das Internet leisten koennten, aber auch einen PC bedienen koennen. Nach meinem empfinden erfolgt die Zensur ueber den Preis fuer das Internet. Ein Flatrate liegt im mittleren dreistelligen EUR-Bereich und die sonstigen Tarife werden nach Traffic abgerechnet.
    50 MB Traffic kosten circa 3 EUR und schaut man sich flashprogrammierte Seiten oder gar youtube-VIdeos an, so ist nach einer handvoll Minuten auch Schluss mit dem Zugang zum weltweitem Datenpool. In Minsk konnte ich testweise jene mir bekannte Seiten aufrufen, die in China indiziert sind.
    Die staatlichen Medien kann man schon fast als lustiges Unterhaltungsprogramm in Hinblick auf die Serioesitaet aber auch Tiefgruendigkeit betrachten. Die Propaganda erreicht die Aeltern auf dem Lande, die juengeren scheren sich nicht drum, da sie mit ihrem eigenen Werdegang oder Kummer beschaeftigt sind.

    Thema Opposition:

    Waehrend in den 90igern besonders hartnaeckige Widersacher des Systems spurlos verschwanden oder mit fingierten Vorwuerfen im Knast endeten, so sieht es dank Bruessel heute nicht mehr ganz so dramatisch aus. Es werden immer noch genuegend weggesperrt, aber eher kurzfristig als Warnschuss des Systems. Viel druchschlagender als das ist allerdings das Risiko, seinen Arbeitsplatz auf Grund politischer Taetigkeiten zu verlieren und die Verweigerung einer Ausreise der ohnehinschon schwierigen Visa-Beweilligung.In den meisten Faellen zieht der Verlust des Arbeitsplatzes die gesamte Familie mit runter.. Besonders krass ist ein politischer Aktivismus fuer Jungendliche, die damit sogar den Zugang zum Bildungswesen verlieren koennen oder gar nicht erst erhalten. Oftmals bedient man sich dann auch einer Zwangsrekrutierung zum Wehrdienst, um der Verweigerung eines Abschlusses eine Legitimation zu verleihen.

    Die Mittel des Systems um die Leute im Land zu halten:

    Als effektivste Mittel um das ausreisewillige junge Volk im Lande zu halten liegt in der Bewilligung von Studiengebuehren, die mit unserem Bafoeg nichts gemein haben. Ein Bewilligung liegt rein in den Kosten fuer den Hochschulzugang und schliesst WOhn-und Lebenshaltungskosten aus. Im Gegenzug verpflichten sich die Studenten nach Abschluss fuer 2 Jahre ( bald 5 Jahre) in einer staatlich zugewiesenen Stelle taetig zu werden. Da die wenigsten Eltern die Gebuehren samt Unterhalt finanzieren koennen bzw die meisten Studenten sich selbst nicht tragen koennen, betrifft das die grosse Masse.
    Wer die Mentalitaet der Familienplanung betrachtet, wird feststellen, dass es danach kaum noch in Erwaegung gezogen wird.
    Als weiters Mittel sehe ich die Sicherung der Grenzen sowie das Fuehren einer schwarzen Liste. Jene die vermerkt sind werden trotz Visa nicht rausgelassen.
    Obwohl es zahlreiche sporadisch ueberwachter „Gruener Grenzen“ gibt, will keiner einen Illegalenstatus und wird kaum genutzt. Eine Bewilligung als Asylsuchender wird gnadenlos und ohne Pruefung auf Rechtmaesssigkeit im grossen Stil von den Polen und Litauern unterdrueckt und die Betreffenden den weissrussischen Behoerden zugefuehrt.

    Es gibt in Belarus noch den KGB mit einem beeindruckenden Gebaeude im Herzen von Minsk. Anders als in der DDR dennuziert sich das Volk seltens gegenseitig und den Einsatz von IM ( inoffiziellen Mitarbeiten) konnte mir gegenueber von meinen Freunden in Weissrussland nicht bestaetigt werden.Allerdings konnte ich festellen, dass jene bei Polizei, Millitaer und Partei priviligierter sind. Hier haette ich gerne weitere Ansichten gehoert, da ueber die staatliche Ueberwachung nur sehr selten und sehr vorsichtig gesprochen wurde. Generell mochten meine Freunde lieber ueber andere Dinge sprechen. Mein Eindruck war, dass jene die auffaellig geworden sind uberwacht werden sowie allerlei Organisationen aus dem In-und Ausland, die dem Regime auf die Fuesse treten koennten. Aufgefallen ist mir die massive Praesenz an Soldaten und Polizisten in der Haupstadt Minsk

    Thema Alkohol und Drogen:

    Auch ich habe feststellen muessen, das zu viellerei Anlaessen der Vodka in Stroemen fliesst, allerdings hab ich festgestellt, dass die juengeren eher westlich orientierten Generationen davon wenig halten. Auch empfinden die meisten Frauen den hemmungslosen Genuss als unmaennlich und abstossend. Massen von torkelnden Menschen habe ich nicht gesehen, vereinzelt mal die sogenannten „Budla`s“ , die im Vergleich zu unseren als harmlos (zu voll fuer eine Aggression) betrachtet werden koennen und dann eher billige Schaumweine oder Mischgetraenke aus abgeschnittenen Plastikfalschen konsumieren, da fuer die der Vodka noch zu teuer ist.
    Ungewohnt fuer mich war, dass diese sich auch in Hausfluren tummeln und mehrmals an alle Tueren klopfen um Nachschub oder Geld zubekommen. Werde nie vergessen wie ich in der Annahme meine Freunde wuerden wiederkommen, einen total betrunkenen „Bittsteller“ die Tuer geoeffnet hab und der wankelnd die Treppe runtergefallen ist um gleich danach erneut nach Alk und Zigaretten zu fragen.
    Hierzulande wuerde man die Polizei rufen, auf Nachfragen teilte man mir mit, dass diese Leute es schon schwer genug haben, sie nicht als Bedrohung empfunden werden und im Falle einer Anzeige noch groessere Probleme bekæmen als sie ohnehin schon haben.

    Der Vodkakonsum ist bei den “ Normalen“ stets begleitet von Trinkspruechen und nach jedem Glaeschen gibt es ein Stueck Wurst ( zu empfehlen ist die vierkantige Salami mit dem Namen “ Grossvaters Geschenk“ )oder einem Stueck Schmelzkaese. Dadruch kann man (fast)genauso viel trinken wie ein Russe.

    Die Drogenproblematik halte ich auf Grund der heftigen Gesetzgebung und den 10-bis 20 mal hoeheren Preise fuer gering.
    (Falls dieser Teil den Forum-Betreiber nicht passt, bitte ich um Loeschung/Schwaerzung dieser Passagen)
    Unter Drogen verstehe ich auch Tabak, den fast jeder froehnt. Eine Schachtel Zigaretten kostet 80 Cent. In Koeln zB gibt es keine Techno- oder Hiphop-Party ohne Drogen wie XTC, LSD,Ketamin, Kokain, Amphetamin und zum runterkommen Gras.
    Vor Ort habe ich eine groessere Veranstaltung (Refresh Wave) dieser Art besucht. Mir sind einige Leute begenet die sich der Jahreszeit entsprechend mit psychadelischen Pilzen aus dem heimischen Wald sowie minderwertigen Gras (dh die Blaetter der Pflanze und nicht wie sonst die prellenden Blueten) in vergleichsweise bescheidenen Umfang berauscht haben. Einen hemmungslosen (Misch-)Konsum wie in D, F, GB oder den USA hab nie vorgefunden. Grundsaetzlich sollte jeder davon die Finger lassen, insbesondere in Belarus. Man kann sich angeblich in den meisten Faellen zwar teuer freikaufen, wenn nicht, sitzt man schon mal 7 Jahre im Knast fuer einen Joint. Auf Grund fehlender Abkommen wird man keine Strafe im Heimatland absitzen koennen.
    Mir sind auch keinerlei Junkies im Stadtbild aufgefallen.

    Thema Armut:

    Die Armut in Minsk aeussert sich auf eine subtile Weise, die mir mehr ans Herz ging, als in den Laender der 3. Welt. Vorab:
    Townships oder gar Favelas sowie Massen von zerlumpten Menschen habe ich nicht gesehen, auch nicht um Umland von Minsk.

    Armut in Minsk aeussert sich darin, dass die Betreffenden (nicht schaebig gekleideten) aus Jung und Alt in den Fussgaenger-Unterfuerhungen der mehrspurigen Strassen zum Teil einzelne Blumen oder Blumenstraeusse durch einfaches hochhalten wortlos anbieten. Teilweise auch einzelene oder mehrere selbstgestrickte Waren. Auch habe ich gesehen wie Raupkopien von DVDs und CDs grossflaechig auf dem Boden ausgebreitet wurden und selbst von der Polizei geduldet wurden. Bettelei habe ich seltens gesehen, wenn waren es die Babuschkas die ohne einen in die Augen zu schauen eher wimmernd einen Pappbecher hochhielten. Dies ist in Norwegen wesentlich aggressiver und haeufiger anzutreffen ( Baltische Babuschkas die auf einen zulaufen, please -please sagend den Becher ins Gesicht druecken oder wortlos ein Pappschild unter die Nase halten)

    Auf den Lande fand ich das nicht vor. Hier wurden eher Waren aus dem heimischen Garten am Strassenrand feilgeboten.

    Es gibt in Belarus eine bedrueckende Altersarmut. So habe ich viele vor allem aeltere Damen gesehen, die im Oeffentlichendienst stehend zB die Seiten-Strasse kehren. Oftmals mit kleinen Besen ohne Stiel, sodass die aus der Hocke heraus oder sich bueckend kaputt schuffteten.Sie alle waren fuer unsere Verhaeltnisse im Rentenalter oder gar auf Grund koerperlicher Gebrechen nur nich in Altenheim anzutreffen. Auch habe ich ungewoehnliche viele aeltere Herren gesehen, die in den Abfalltonnen der Haeuser nach verwertbarem aller Art gesucht haben.

    Thema Folgen der Reaktorkatastrope:

    Dies ist noch heute ein presentes Thema und ich moechte gerne auf eine 12 -Teilige Reportage auf youtube von der Organisation „Canadian Aid for Chernobyl“ hinweisen, die aus dem Jahre 2006 stammt:

    Wer sich ein wenig mit der Materie auseinandersetzt, wird feststellen, dass die Zerfallsprodukte aus dem Fall-Out heute bis zu 3 mal giftiger sind und nun in Wurzeltiefe schlummern. Das Thema an sich wird totgeschiegen, bzw mein Eindruck war, dass die Leute nicht stigmatisiert werden moechten und darueber nicht reden wollen. Nach Auskunft meiner Freunde liegt die Abtreibungsquote in den betroffenen Regionen weltweit an hoechster Stelle. Mir wurde auch mitgeteilt, dass mehr als 90% der Geburten nicht gesund zur Welt kommen. Auch mehr als 20 Jahre danach besteht heute noch dringender Bedarf an medizinischer Versorgung und sonstigen Massnahmen. Eine Annerkennung als Strahlenopfer wird von weissrussischer Seite erschwert, um den Zugang zu kostspielen Behandlungen zu verhindern.Die Regierung plant nun grosse Teile der kontaminierten Gebiete wieder fuer die Landwirtschaft zur Verfuegung zu stellen und man kann von ausgehen, dass diese auch in den Export gelangen.

    Wer glaubt, dass dies ein regional einzigartiges Problem ist, der moege doch bitte
    mal googeln zum Thema Majak, La Hague und Sellafield, See Karatschai sowie sich mal die meldepflichtigen Unfaelle hiesiger und internationaler Kernkraftwerke anschauen.
    Trotz dieser Erfahrungen plant die weissrussische Regierung den Bau eines eigenen Kernkraftwerkes

    Ich wuerde mich freuen, wenn andere meine Eindruecke bestaetigen, erweiteren oder Ihre Sicht darlegen koennten. Da ich micht stets nur kurzfristig in dem Land aufgehalten habe kann ich nicht sagen, ob das oben geschriebene ueblich oder gar vollstaendig ist.

    Ich habe Belarus als eine Zeitreise und die Hauptstadt Minsk im Zentrum alsFreilichtmuseum empfunden. Aerger gabs als ich das Parlament fotografierte und noch mehr Aerger als ich einen im Dienst-Wolga schlafenden Polizisten abgelichtet habe
    Alles blieb gluecklicherweise folgenlos nach Loeschung der Bilder.
    Hochgradig dekadent fand ich die Ausstattung der Elite-Polizei des Praesidenten. Diese fuhren in nagelneuen aufgemotzten Chrysler Kombis samt Bling-Bling-Felgen und trugen amtlichere Waffen am Mann

    Mich hat Belarus in seinen Bann gezogen und hoffe es bald wieder bereisen zu koennen.
    Ich wuerde es mittlerweile jedem Luxus-Urlaub vorziehen, denn man trifft auf aufrichtige, wenn auch einfache Menschen.
    Russisch sollte man sprechen, sofern man sich auf eigene Faust auf dem Weg macht.
    Unterkuenfte sollte man vor Ort aufsuchen, bzw von weissrussen organisieren lassen.
    Man laeuft sonst Gefahr immer mehr zu bezahlen als noetig. Nachts ist die Millionenstadt nahezu menschenleer und im Zentrum hell erleuchtet.Grundsaetzlich kann man sich immer sicher fuehlen.
    Der Lebensstandart des einfachen Volkes ist nicht vergleichbar mit jenem in Mittel- oder Westeuropa. Viele Wohnungen und Sanitaeranalgen sind in einem technischen und baulichen Zustand wie bei uns in den 50iger Jahren. Die weissrussische Kueche hat mich
    ueberzeugt und selten so gut gegessen wie in Belarus. Empfehlen moechte ich „Draniki“ und „Blini“ Die Kueche ist deftig aber herzhaft.

    Das Warenangebot ist oft ueberschaubar aber es gibt im Grunde alles was es bei uns auch gibt. Besonders beeindruckend fand ich die Fischtheke in den groesseren, abseits vom Zentrum befindlichen Supermaerkte. Hier gab es alles was es bei uns auch gibt plus jene Produkte aus dem russischsprachigem Raume. Gigantisch

    Abgesehen von den Reisekosten, den Umstaenden fuer Registrierungen und sonstigen
    Formalitaeten, ist der Aufenthalt in Belarus fuer unsere Verhaeltnisse guenstig.
    Mit Englisch kommt man nicht sehr weit, lediglich juengere Generationen sind der englischen Sprache oftmals mehr schlecht als recht maechtig (wobei man faierer Weise sagen muss, dass es bei uns nicht viel anders ist) geben sich dennoch grosse Muehe und manchen sprechen es fliessend.Dennoch wird man sich unterhalten koennen und erfaehrt eine Menge ueber Land und Leute.

    0
    #5604
    derdickemax
    283 Beiträge

    Bravo!

    Das war ja regelrecht eine ethnologische Analyse 😉

    Kann dem Gesagten aus eigener Erfahrung im Wesentlichen zustimmen, ein sehr guter Überblick.

    Die normalen Leute stören das Regime nicht, und das Regime kann am besten überleben,
    wenn es die normalen Leute nicht stört (z.B. mit sinnlosen bürokratischen Zwängen,
    abartigen Zöllen etc.)

    Hier könnte Belarus von den Chinesen noch sehr viel lernen: Erlaube kleine private
    Freiheiten und kleinen privaten Reichtum, dann kümmert sich kein Schwein mehr um
    Politik.

    Dann wird Lukaschenko eines Tages zu Berlusconis Chirurgen gehen, wenn er mit 70
    immer noch Präsident ist.

    0
    #5636
    Alex
    523 Beiträge

    @ Marius Hanisch:
    Sehr schöner Erfahrungsbericht, Kompliment und vielen Dank!
    Alex

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