Belarus-eine politische Zeitreise

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  • #3134
    Frankman
    82 Beiträge

    Ich lese jetzt seit geraumer Zeit die Belarusnews, verfolge die Presse und bin oft in Belarus und jedesmal kritisieren alle Don Luka.
    Grundsätzlich einmal folgendes: Es gibt weltweit kein ideales politisches System, so lange es noch mindestens 2 Menschen gibt !!! Kommunismus und Sozailismus sind gescheitert, Märkte verändern sich und auch die Demokratie hat ihre Schwächen. Nun aber zum wesentlichen, zu Don Luka.
    Versetzt man sich einmal in die Situation, dieses oft als Diktator titulierten Staatschefs, so erkennt man folgendes: Ein Volk ist eine Ansammlung von Einzelinteressen, man kann es nie allen Recht machen.
    Die Alten wollen Ihre Rente, Ruhe und einen Traum von Sicherheit. Don Luka bietet Ihnen dies, die Rente kommt stets pünktlich nach Hause und in unzähligen Paraden werden die Verdienste der Vergangenheit anerkannt.Der Wunsch nach Veränderung tritt hinter einer altersbedingten Lethargie zurück, man kann sich Veränderungen nicht mehr schnell genug anpassen. Ergo: Sympathie zu Don Luka.
    Leider gibt es auch die Jungen:
    Jung, dynamisch, erfolglos? Die jüngere Generation strebt in unserem Informationszeitalter nach Veränderung, westlichen Standards, Freiheit und hat noch Ideale. In Hinblick auf die Verantwortung ggü. einem gesamten Volk, ist es schwierig, auch dieser Gruppe Ihren Willen zu lassen. Man kann zwar Veränderungen vornehmen, aber die Jungen verstehen nicht, dass Sie nicht die Einzige Gruppe im Staatsgebilde ist. Wir sind jetzt und wir sind die Zukunft, sollen sich die Alten nach uns richten.
    Die dritte Gruppe sind die Idealisten und die Opportunisten. Die Idealisten haben ehrbare Leitbilder und verstehen noch nicht, das andere Menschen andere Einstellungen haben und das letztlich Ideale den geringsten Marktpreis besitzen. Bleiben die Opportunisten, die sich mit jedem politischen System arrangieren und sich von folgender Maxime leiten lassen: " Wenn ohnehin schon jeder an sich denkt, muß ich wenigstens an mich denken!"Dies gilt für grosse Teile der Wirtschaft und der Politik.
    Don Luká müßte schon ein Zauberer sein, um es allen recht zu machen. Er regiert sein Land wie er es will. Die sog. Diktatur bietet den Vorteil einer z.T. staatlich kontrollierten und dadurch begrenzten Korruption. Er ist ein Patriot, der einen schweren Weg geht, m.E. aber darauf vertraut Belarus sicher in die Zukunft zu leiten.
    Warum bin ich Pro Luka? Vorweg, ich bin kein Fan von Lukaschenko, dennoch bietet er einige Vorteile.
    Betrachtet man einmal die Situation in den neuen EU-Ostmitgliedern, so fällt folgendes auf: Es ist mit Sicherheit eine Chance für diese Länder,denn Wohlstand und Reisefreiheit sind verlockend. Tatsächlich beginnt jedoch der Ausverkauf dieser Länder, die Schere zwischen arm und reich klafft weiter auf, es gibt mehr Verlierer als Gewinner.
    Die Teilnahme an Internationalen Märkten lockt auch mit Krediten zum Ausbau des Landes, man verkauft Teile der eigenen Souveränität, die Sozialsysteme werden auf Dauer nicht mehr finanzierbar.Die rasanten Entwicklungen zwingen einem manche Fehler auf, man hat leider nicht die Zeit aus diesen Fehlern zu lernen, denn Entwicklung und Integration gehen ja weiter. Ein Paradies für Opportunisten.
    Der von Don Luka betriebene gemäßigte Anpassungskurs bietet die Gelegenheit, einige Kardinalsfehler zu vermeiden.Es schmeckt nicht allen, ist aber m.E. für die Gesamtheit des Landes ein guter Kurs, wenn auch nicht ideal.
    Warum es Opposition und Studenten nicht besser machen
    können: Jeder Wechsel eines Systems besitzt neben neuen Chancen auch neu Gefahren. Die westliche Unterstützung der Opposition bindet diese gerade in ein westliches System ein, die Weichen werden für den Ausverkauf des Landes gestellt.Man wirbt mit neuen Freiheiten, Märkten und Chancen. Was passiert, wenn die Opposition gewinnen sollte: Man tauscht ein Übel das man kennt, gegen eines, von dem man nicht weiss, ob es nicht noch viel schlimmer ist. Seilschaften und Korruption werden bleiben, lediglich die Begünstigten verändern sich. Der Wunsch nach Veränderung wird realisiert, aber dieses kostet, die Wirtschaft wird neu ausgerichtet & die Arbeitslosigkeit nimmt zu. Die Gegenfinanzierung geht über Staatskredite, bzw. wenn man das nicht will, so werden die Renten halt nicht mehr regelmäßig gezahlt und es wird anderswo gespart. Die Idealisten werden nach dem Jubel des Sieges auch in der politischen Realität ankommen und proklamieren, dass Sie dass so gar nicht gewollt hatten. Die Realisten und Opportunisten werden Ihr schäfchen ins Trockene bringen und dann dem Land den Rücken kehren ( wie schön ist doch die neue Reisefreiheit ). Wer räumt danach die Scherben weg? Wem werden die Sympathien gehören? Wie in Deutschland, gerade auch in unserem Osten, wird man von der guten alten Zeit sprechen und man gehört zur Kategorie der Alten, die der Veränderung eher kritisch gegenübersteht.Und es kommen neue junge und mit Ihnen kommt auch der Wunsch nach erneuter Veränderung und es kommen neue Ideale. Aus dieser Zeitreise entstammt meine Sympathie für Don Luka und für seine Haltung und Spendenbereitschaft für die USA gebührt Ihm mein Respekt. Es ist niemals einfach das richtige zu tun, und die Leitung eines Staates mit Patriotismus und Verantwortung bringt einem oft die Mißachtung der ganzen Welt ein. Also Pro oder Contra Don Luka, dies mag jeder für sich entscheiden, aber bei der ganzen Kritik ist ein anderer Blickwinkel mitunter auch ganz interessant.

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    #3137
    targa71
    559 Beiträge

    Hallo Frankman,

    Ich werde es wohl nie verstehen warum es Leute gibt die eine Orientierung zum Westen gleichsetzen mit dem Ausverkauf des Landes???
    Ist ein Bestreben nach Demokratie auch der Ausverkauf des Landes?

    Frankman, dann hättest Du auch kritisch darauf eingehen müssen das Lukaschenko einen Ausverkauf des Landes Richtung Russland betreibt. Oder wie sind seine Versprechen an Gazprom bezüglich eines günstigen Gaspreises zu verstehen?!! Man versucht doch gerade hier billigst das Gasnetz an Gazprom abzutreten.

    Hmm, und verstehen tue ich auch nicht deine merkwürdige Annerkennung für wie du sagst "Don Luka"??
    Ist der Titel Don neben einer spanischen Anrede nicht auch geprägt von der italo-amerikanischen Mafia?
    Wenn du letzteres meinst dann hast Du meine Zustimmung….

    Gruss

    targa

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    #3140
    Frankman
    82 Beiträge

    Hallo targa,ich freue mich das mein kleiner Bericht doch einige Menschen zum Nachdenken bewegt. Ich bin kein Feind der Demokratie, sondern wollte vielen Aspekten einmal einen neuen Blickwinkel geben. Zu Deiner ersten Aussage:

    Ich werde es wohl nie verstehen warum es Leute gibt die eine Orientierung zum Westen gleichsetzen mit dem Ausverkauf des Landes???
    Ist ein Bestreben nach Demokratie auch der Ausverkauf des Landes?

    Ja, vermutlich wirst Du es erst verstehen, wenn es zu spät ist ;-).Aber ich will Dir diese Frage vernünftig beantworten, denn ein Meinungsaustausch soll ja allen Beteiligten etwas bringen.Die Orientierung nach Westen gleich Ausverkauf eines Landes? Von welchen anderen Ländern willst Du bei dem Gelingen aller Demokratiebemühungen sonst Geld bekommen? Nach dem Zusammenbruch der SU denkt jeder erst an sich und hat mit dem politischen und wirtschaftlichen Wandel selbst genug zu tun. Ja und gerade dieser Wandel kostet Geld. Wieso setze ich eine Orientierung gen Westen gleich mit dem Ausverkauf? Weil es meines Erachtens stimmt. Die Politik der westlichen Staaten ist mehr und mehr von der Wirtschaft bestimmt, die staatliche Souveränität ist zu dauernden Kompromissen gezwungen.Durch die Erweiterung nach Osten bietet sich den Industrienationen etwas, was im Westen schwer umkämpft bzw. nicht mehr vorhanden ist: Neue Märkte, niedrige Lohn und Produktionskosten, keine Umweltschutzauflagen auf Westniveau.Ob dieses gut für ein Land ist, magst Du Dir selbst beantworten.
    Verstehe bitte nur das folgende: Kredite und Verträge entspringen keinen Idealen, Sie sind Druck- und Kontrollmittel der Wirtschaft / der Staaten.Menschenfreundlichkeit wirst Du hier, bestenfalls als gut kalkulierten Nebeneffekt finden.
    Aber dennoch kann ich nicht klagen, da meine Firmen und ich gerade von diesem System profitieren. Diese Gedanken leiste ich mir nur in der Freizeit und werde Sie auch nie öffentlich proklamieren ;-).
    Nächster Punkt von DIr: Ist das Bestreben eines Landes nach Demokratie der Ausverkauf eines Landes?
    Nein, ist es nicht.Das Bestreben des Volkes nach Demokratie ist sein gutes Recht und der Wunsch danach ehrbar. Ich kritisiere lediglich die möglichen / wahrscheinlichen Konsequenzen die aus einem erfolgreichen Bestreben resultieren. Es gibt immer Verlierer und Gewinner, bzw. mal verliert man, mal gewinnen die anderen.

    Frankman, dann hättest Du auch kritisch darauf eingehen müssen das Lukaschenko einen Ausverkauf des Landes Richtung Russland betreibt. Oder wie sind seine Versprechen an Gazprom bezüglich eines günstigen Gaspreises zu verstehen?!! Man versucht doch gerade hier billigst das Gasnetz an Gazprom abzutreten.

    Diesbezüglich hast Du recht, aber wenn man hier etwas schreibt denkt man auch nicht an alles,sorry.
    Das grundlegende Dilemma unserer Zeit ist Tempus fugit, die Zeit flieht. Wir haben nicht viel Zeit, die Entwicklungen schreiten schnell voran. Auch Don Luka hat begriffen, dass er reagieren muss. Vielleicht hat er das aus seiner Sicht kleiner Übel gewählt, vielleicht ist es eine politische Kalkulation, das wenn der Westen gegen Dich ist, Du nicht auch noch Deine letzten Verbündeten verlieren darfst.

    Zu meiner Formulierung Don Luka. Ja ich beziehe auf die Italienischen Wurzeln.Ich blicke gerne auf Politik und zwar mit Humor. Aber dennoch, bei aller Kritik, halte ich Don Luka für den momentan richtigen Staatschef von Belarus, wenn auch mit Sicherheit nicht den idealen. Aber was will man mangels vernünftigerer Alternativen machen?

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    #3141
    GroM
    4243 Beiträge

    [quote] Die Politik der westlichen Staaten ist mehr und mehr von der Wirtschaft bestimmt, die staatliche Souveränität ist zu dauernden Kompromissen gezwungen.
    [/quote]

    Und du Experte hast jetzt das einzige Land der Welt gefunden, in dem das nicht so ist: Belarus.

    Gratulation.

    [quote]
    Durch die Erweiterung nach Osten bietet sich den Industrienationen etwas, was im Westen schwer umkämpft bzw. nicht mehr vorhanden ist: Neue Märkte, niedrige Lohn und Produktionskosten, keine Umweltschutzauflagen auf Westniveau.
    [/quote]

    Keine Umweltschutzauflagen.
    Das ist ein großer Vorteil, der sich in ein paar Jahrzehnten als gigantischer Nachteil erweisen wird.
    Und auch Lukaschenka, -> der Verbrecher <-, begreift allmählich, das Belarus ein riesen Müllproblem hat.
    Getrennt-Mülleimer werden doch nur an Feiertagen aufgestellt…

    Und der tolle "Fortschritt" im Osten:
    Was natürlich alles zusammenbrechen wird, unter dem Fortschritt, dem sich kein einziges Ostland wentziehen kann: Zunehmende Maschinisierung der Arbeit, Wegfall der menschlichen Hände.

    Westliche Konzerne pflastern dort doch schon seit Eigkeiten alles mit Fabrikationshallen voll, der Niedriglöhne wegen.

    [u]Russland und andere Länder verkaufen sich und ihre Körper an, du hast es erraten: den Westen.[/u]
    Und das schon seit langem, und vermehrt. Aber das weißt du besser als ich.

    [quote]
    Ob dieses gut für ein Land ist, magst Du Dir selbst beantworten
    [/quote]

    Was denn?

    Eine Diktatur mit einem Verbrecher als Oberhaupt wie in Belarus, oder
    eine konsumierende, kapitalistische Gesellschaft, wie im "Westen"?

    Bist doch gedanklich in den 50er, 60er Jahren oder so?

    [quote]
    Aber dennoch kann ich nicht klagen, da meine Firmen und ich gerade von diesem System profitieren.
    [/quote]

    Das denke ich mir.
    Unrecht schaft Kapital.
    So wars schon bei den Majas, Inkas, Indianern, und so gehts weiter.

    cash-flow, durch menschenrechte-low.

    [quote]
    Das Bestreben des Volkes nach Demokratie ist sein gutes Recht und der Wunsch danach ehrbar.
    [/quote]

    Merke: Demokratie ist eine Lüge des Westens. 😉

    [quote]
    Ich kritisiere lediglich die möglichen / wahrscheinlichen Konsequenzen die aus einem erfolgreichen Bestreben resultieren.
    [/quote]

    Nämlich stockender cash-flow.

    [quote]
    Es gibt immer Verlierer und Gewinner,
    [/quote]

    Nämlich ein paar Reiche, einen Ditkator, und einen Haufen Arme, etwas Mittelstand, und den bösen Westen natürlich, mit seiner unsäglichen Demokratie.

    Auf der einen Seite den kapitalistischen Westen kritisieren, und dann selber stolz auf die eigenen "Firmen" sein, weil sie von den Zuständen einer Diktatur profitieren. 😯

    [quote]
    Auch Don Luka hat begriffen, dass er reagieren muss.
    [/quote]

    Und weil er wie auch seine Mitverbrecher keinen Plan haben wie, wird an Russland orientiert, der Westen verflucht, das Volk angelogen und die Zügel straffer angezogen.

    [quote]
    (…)halte ich Don Luka für den momentan richtigen Staatschef von Belarus, wenn auch mit Sicherheit nicht den idealen.
    [/quote]

    Kein Wunder, wird ja nur der gezeigt, in den belarussischen Medien, dazu passt dein Spruch hier:

    [quote]
    Aber was will man mangels vernünftigerer Alternativen machen?[/quote]

    [u]Leider haben es weder Russland noch Belarus geschafft, wie Deutschland oder Japan, eine globale Revision ihrer Geschichte durchzuführen[/u]. Daher auch dieser Popolismus, und naive Schönrederei, wie wir sie nun wieder lesen durften.
    Ein typischer, verharmlosender Text, einer Person, die allem Anschein nach zur Elite gehört, und vom System profitiert. Unnötiger als ein Stein. Don Luka muss es nicht allen recht machen, er braucht nur zu verschwinden, das reicht schon.

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    #3142
    Frankman
    82 Beiträge

    Für Jan:Ich freue mich an jeder konstruktiven Diskussion, aber ich hasse Polemik. Lieber Jan, leider ist Deine Antwort polemisch und erinnert mich an einen Aufsatz über die bösen Erfahrungen in einem politischen Umerziehungslager.
    😉 Ja auch ich beherrsche zur not Polemik.
    Jedenfalls kommst auch Du in meinem Bericht vor, denn alle Idealisten erwachen einmal in der Realität.
    Lebe Deinen Traum, aber verträume nicht Dein Leben.

    Ja, ich verdiene in und mit Osteuropa Geld, ja ich nutze die sich bietenden Chancen. Es erscheint mir nur ein wenig zu kurz nachgedacht, wenn Du mich zur Elite zählst ( danke, ich fasse das als Kompliment auf ). Weißt Du eigentlich, wie schwer es ist in Belarus Waren zu importieren, kennst DU die Zollbestimmungen, staatl. Materialprüfverordnungen die westliche Zertifikate nicht anerkennen. Kennst Du die sich beständig wandelnde Steuer- und Rechtslage und kennst Du die KORRUPTION? Ich denke nicht, denn dann hättest Du anders geantwortet. Auch bezog sich meine Aussage zur wirtschaftlichen Entwicklung nicht nur auf Belarus und auch ich will keinen wirtschaftlichen Selbstmord begehen, so dass ich dem bestehenden System blind vertraue. Aber ich nutze die Möglichkeiten.
    Ob ich aus den 50er oder 60er Jahren komme? Nein, mit Sicherheit nicht. Allerdings solltest Du Dir diese Fragen einmal selbst stellen, da Deine Ideologie, Protestbereitschaft und Deine Ideal ( schaue auf Deine Website ) dort Ihre Ursprünge haben.
    Ferner titulierst Du Menschen als Verbrecher. Da ich selbst Jura studiert habe, sage mir nach welchem Recht beurteilst Du dies, wie subsumierst Du die Sachverhalte unter welche Tatbestände. Auf der politischen Bühne hättest Du große Karrierechancen als polemischer Schreihals, Nörgler und Weltverbesserer. Aber wie zu Anfang gesagt: Ich hasse Polemik, mir liegt mehr am sachlichen Gedankenaustasch.

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    #3143
    GroM
    4243 Beiträge

    [quote](…) Lieber Jan, leider ist Deine Antwort polemisch und erinnert mich an einen Aufsatz über die bösen Erfahrungen in einem politischen Umerziehungslager.
    😉 Ja auch ich beherrsche zur not Polemik.
    [/quote]

    Musst du ja, bei einem so konkurenzlos-guten Diktator wie Don Luka. Bis auf seine Polemik sind seine Reden ja auch nichts weiter wert, wenn ich mal an die Drohungen im März 2006 erinnern darf ("Kopf abschlagen " & Co)

    [quote]
    Jedenfalls kommst auch Du in meinem Bericht vor, denn alle Idealisten erwachen einmal in der Realität.
    Lebe Deinen Traum, aber verträume nicht Dein Leben.
    [/quote]

    Rofl, das sagt du, weil du in deinem Traum lebst, und ich in meinem, oder wie.

    Nur ist dein Traum ein Land ohne Presse- Meinungs- Versammlungsfreiheit, mit Wahlfälschung, Strahlung, Unterdrückung, Resignation und fortwährender Unterdrückung.
    [u]Und jetzt kommt einer wie du, also Frankman [/u](schon der 9000ste oder so) [u]und sagt: Ich hab Erfolg
    dank dem System.[/u]

    [quote]
    Ferner titulierst Du Menschen als Verbrecher. Da ich selbst Jura studiert habe, sage mir nach welchem Recht beurteilst Du dies, wie subsumierst Du die Sachverhalte unter welche Tatbestände.
    [/quote]

    Ich zitierte das Zweite Deutsche Fernsehen, Auslandsjournal 09.12.2004 ("… Verbrecher Lukaschenko…")

    Ich denke mal, all diejenigen, welche Kohle mit dem Don Luka Regime verdienen, also mit dem ->> Verbrecher <<-, kriegen schnell ne feuchte Hose, wenn jemand mal die Wahrheit streift. Das erklärt auch so manches Protestschreiben.

    [quote]
    Auf der politischen Bühne hättest Du große Karrierechancen als polemischer Schreihals, Nörgler und Weltverbesserer.
    [/quote]

    Das macht der Don Luka doch schon ganz gut.
    Leider ist er ein schlechter "Politiker".

    [quote]
    Aber wie zu Anfang gesagt: Ich hasse Polemik, mir liegt mehr am sachlichen Gedankenaustasch.[/quote]

    Und ich verachte nichts mehr als deinen Euphemismus.
    Das wars dann, gute Nacht.

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    #3146
    GroM
    4243 Beiträge

    Hallo zusammen. Darf ich mich an der Stelle einklinken?

    Also Jan, deine Emotionen sind zwar verständlich aber an der Stelle kaum diskussionsfördernd. Außerdem verlierst du deine Glaubwürdigkeit bei dem unsachlichen und aggressiven Ton. Sei bitte geduldiger. Entweder man nimmt sich Zeit, um sachlich zu argumentieren, oder man lässt es sein. Insbesondere, wenn der Diskussionspartner sich bemüht eine Diskussion und nicht eine polemische Suche nach Opfern/Verbrechern oder Ideologiengegensätzen (Ost/West) zu initiieren .

    Es gibt in der Tat zunehmend viele Befürworter eines solchen Regimes, wie es in Belarus oder China praktiziert wird. Und es ist insbesondere für die Menschen bitter, die selbst oder ihre Freunde zu Aufgestoßenen oder Opfern eines solchen Regimes werden: direkt oder indirekt. Bitter, wenn sie hören, wie erbarmungslos einfach die Welt in den Augen der Opportunisten aussehen kann.

    Die Pro-Argumentation fällt nicht schwer: 1. es sind mehr/weniger soziale Regime, die sich um das Wohl der untergebenen (!) Bevölkerung kümmern und die notwendigen Ressourcen dafür aufbringen; 2. die negativen Aspekte bzw. Tendenzen der Globalisierung und die teilweise "Barbarei des freien Marktes" im so genannten Westen und in den (nach westlichen Vorstellungen transformierten) Ländern des Ostblocks lassen diese Regimes verlockend ausschauen und diese legitimieren, insbesondere auf Grund scheinbarer Stabilität, Kontrolle und Sicherheit; 3. eine weitere wichtige Rolle spielt die konjunkturbedingte gute wirtschaftliche Lage (Wachstum) in diesen Regimes.

    Das sind die drei fast unschlagbaren Argumente
    – autoritär, korrupt aber sozial -> im Volksmund: "hart aber gerecht!"
    – antikapitalistisch -> "populistisch, propagandistisch aber unbezwingbar, unverkäuflich, stolz!"
    – wirtschaftlich -> "planwirtschaftlich bzw. administrativ-hierarchisch, ineffektiv aber systemtragend!"

    gegen die kommen solche Begriffe wie "Freiheit, Menschenrechte etc." nur sehr schwer an. Insbesondere bei den Menschen, die wenig damit anfangen können oder genug "schlau" sind, um auf die Grundrechte verzichten zu können. Psst… schließlich können diese später immer noch als ein (ver-)käufliches Privileg erworben werden.

    Das belarussische Regime hat einige sehr lukrative Seiten, die von "Kennern" gerne und intensiv genutzt werden. Ja, sogar von den Gegnern des Regimes! Und das macht es ihnen so schwer mit dem Regime fertig zu werden. Was sind diese Seiten bzw. Instrumente?! Nun ja, sie sind teilweise Überbleibsel des Sowjetsystems.

    [b]Instrument Nr.1:[/b] Nennen wir es „social networking corruption“. Ist kein Zitat – diese Definition kommt von mir. D.h. man ist erfolgreich in der Tat nur dann, wenn man "1000 Freunde“ hat… aber auch "1000 Dollar"! Denn die Monopolisierung verschiedenster Bereiche des Alltags (u. a. Staatsmacht) durch verschiedenste Menschen (was vom Regime verursacht wird!) lässt keine anderen Chancen mehr übrig an unterschiedliche Ressourcen oder Dienstleistungen heranzukommen, als es über die intensive und regelmäßige Pflege der Kontakte zu tun. Das nennt man auch „die Beziehungen“. Ohne „die Beziehungen“ ist der belarussische Alltag kaum zu meistern! Schlimmer noch, „die Beziehungen“ sind das A und O des Vorwärtskommens in Belarus. Es fängt mit einfacher Beschaffung bestimmter Mangelware und endet mit der Einräumung bestimmter Privilegien bei diversen Dienstleistungen (z.B. Passaustellung, Führerscheinprüfung, Kfz-Anmeldung etc.). Über „die Beziehungen“ kann/darf nur derjenige verfügen, der im System drin ist! Auf dem rechtmäßigen Anspruch zu bestehen, bringt so gut wie gar nicht, auch wenn der Staatsoberhaupt öffentlich darüber spricht. Das Recht gilt hier nur eingeschränkt, wird von den meisten auch kaum ernst genommen, und bringt manche einfach auf die Palme! Das „Beziehungen-System“ wird vom Regime geradezu gefördert, schafft Abhängigkeitshierarchien und untergräbt langfristig die Rolle, den Nutzen bzw. Glaubwürdigkeit eines Rechtsystems. Eine Sackgasse.

    [b]Instrument Nr. 2:[/b] Ein Regelwerk von Ausnahmen, Sonderfällen und Privilegien. Es wurde bereits kurz erwähnt und entspringt dem „Beziehungen-System“. Das Regime findet in diesem System den wichtigsten Halt und „das Beziehungen-System“ lebt davon. Und es wird nicht ein Mal geheim gehalten, es ist völlig legal! Überall ist dieses Instrument undokumentiert vorgesehen. Also vergessen Sie nicht danach zu fragen! Ein solches effektives Instrument auf der höchsten Ebene ist z. B.: A. Lukaschenko darf die Inhaftierten persönlich, ohne Zustimmung des Parlaments, der Gerichte oder Ministerien amnestieren. Die Verwendung eines solchen Instruments setzt natürlich gewisse Bedingungen voraus, insbesondere wenn „die Beziehung“ nicht (mehr) vorhanden ist bzw. nicht (mehr) funktioniert. In der Regel sind es gewisse Gegenleistungen, Zugeständnisse oder Verzicht auf etwas. Manchmal darf man es auch „auf Kredit“ verwenden… Belarussen lieben es Schuldner zu haben. So kann man den Schuldner lange im Pat halten.

    [b]Instrument Nr.3:[/b] „Money for nothing“. Willkommen im Sozialsystem, dass zur Freude und Bewunderung aller sich weniger um die Arbeitslosen bzw. Sozialschwachen sorgt, sondern eher bestrebt ist solche nicht zu haben. Gut so! Die Arbeitsbeschäftigung ist phänomenal hoch. Jeden Tag brechen 98% der arbeitsfähigen Bevölkerung zur Arbeit auf. Alle fühlen sich gebraucht und sozial integriert. Was sie dabei machen – spielt keine Rolle. Ob sie zu viert (2 Verkäuferinnen, Administrator, Kassiererin) in einem kleinen Geschäft hocken, ob sie in einem Büro jahrelang auf dem PC Solitär spielen, ob sie zu hunderten auf den Strassen patrouillieren, ob sie auf einem Feld in einem Gebüsch (bis die Erntezeit kommt) saufen oder in einem Betrieb Waren produzieren, die sich in Lagerhäusern zu Bergen stapeln. Egal! Sie kriegen ihren Gehalt, mit dem sie über die Runden kommen und sogar etwas ansparen können. Immerhin sind sie „bei der Arbeit“ und hocken nicht einfach so zuhause vor der Glotze oder PC und kommen auf „dumme Gedanken“. Und da gehen bei manchen die Haare hoch, wenn sie daran denken, dass sie mal das Geld „richtig“ verdienen müssen. Wie denn das?! Nein, nein, nein. Da haben wir den Staat, der kümmert sich um uns… Und so wird aus einem Sozialsystem ein Parasitensystem… Das kennen wir aber schon, oder? Nur dass es aber vom Staat (Regime) so auch gewollt ist, hm… warum bloß?! Abhängigkeit, Alternativlosigkeit, Loyalität, Kommando-Mentalität. …

    Hm. Was ist aber daran so lukrativ? Eigentlich nichts. Doch! Beschäftigen Sie mal ein paar Leute aus dem Verwandten-, Bekanntenkreis eines kritisch-wichtigen Nomenklatur-Beamten ihres Bezirkes oder aus dem Wahlkreis eines Abgeordneten. (eine solche Anfrage könnte recht bald bei Ihnen eintrudeln). Auch wenn diese keine Qualifikationen vorweisen und faul herumsitzen. Sie kommen an die ersten zwei Instrumente viel einfacher heran! Und das ist geschäftskritisch – und zwar immer!

    Wie ist in einem solchen System von den Menschen zu erwarten, dass sie ihr gesamtes Existenzgeflecht, das sich an die demokratiefernen Prozesse/Instrumente stützt, für eine Rechtsordnung, für Freiheit und Demokratie aufgeben?! Angesichts der Natur des Menschen (manche sprechen sogar von der „Mentalität“), scheint das fast unmöglich zu sein. Oder?

    Denn kollektive Beteiligung an dem Systemspiel führt zum kollektiven Schweigen, Ignorieren, Vertuschen, Tolerieren, Beschönigen, Schönreden und Befürworten. Und für Außenstehende ist es die Legitimation des besten Regimes, das Belarus unter den Umständen haben kann. Dass wir in der Zukunft (wieder mal) mehr über das „wahre Gesicht“ des Regimes erfahren werden – das scheint uns heute nicht zu interessieren. Der Mensch kann die Verantwortung für später nicht übernehmen – höchstens für Jetzt. Und so mancher kann es nicht mal für die Vergangenheit tun.

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    #3148
    Frankman
    82 Beiträge

    Zur letzten Antwort: Ich freue mich, das jemand erkannt hat, das ich an einer allen Beteiligten Nutzen bringenden Diskussion interessiert bin. Bezüglich der Instrumente, die genannt worden, so neige ich dazu dem vorbehaltlos zuzustimmen, denn es beginnt oft schon an der Grenze mit dem Zoll.Vitamin B führt dort manches mal schon fast zur Reisefreiheit. Bei Unternehmen aus dem Westen: Versuche einmal ohne Beziehungen oder raschelnde Zuwendung Genehmigungen zu erhalten. Das geht zwar,aber wenn man über 30 ist, so lange lebt man ja auch nicht mehr.Welche Gangart bringt oft Erfolg: Einladungen, gemeinsames Grillen, und Freundschaft ( auch das Jobangebot an Beamte, deren Jobs ja auch nicht ewig sicher sind findet Anerkennung für den Fall eines Systemwechsels ), also eine Hand wäscht die andere, man bietet Optionen. Es ist ein uraltes westliches Spiel ( nein, das ist falsch, man spielt es weltweit, denn es liegt in der Natur des Menschen).Ist dieses vorwerfbar? Nein, es ist der Fehler im System, aber hier läuft es auch nicht anders, man zerrt solche Themen nur nicht in das Licht der Öffentlichkeit.Und wie in meinem Beitrag erwähnt: Ich bleibe bei meiner Überzeugung, das ein Systemwechsel in Belarus dieses Problem nicht lösen wird, es wird nur neue Kanäle geben.
    Diesbezüglich noch einmal auf Jans Beitrag zurückkommend: Demokratie ist politisch für ein Volk ein Entwicklungsprozess. Man wird nicht auf Anhieb das perfekte politische Allheilmittel haben, man wird lernen und Fehler machen. Natürlich macht man auch einiges besser, das nennt man Entwicklung. Aber auch die alten Demokratien im Westen haben Ihre Schwächen: Demokratiemüdigkeit der Bevölkerung, kein politisches Interesse ( die machen eh was Sie wollen, meine Interessen werden nicht vertreten ), etc.. Auch in Deutschland funktionieren die elitären Seilschaft der DDR weiterhin, ja das geht sogar in de Demokratie. Und die Parteien: Parteien sollen Unmengen von Menschen vertreten, damit dieses funktioniert, sucht man, da jeder Mensch Einzelinteressen hat, natürlich den kleinsten gemeinsamen Nenner. Ist das die Vertretung meiner Interessen, die ich wirklich will?
    Es gibt kein ideales politisches System, jedes hat Schwächen und Vorzüge. Die Wahl liegt bei jedem allein.

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    #3149
    GroM
    4243 Beiträge

    Ich weiß, dass meine Art aggressiv beim Empfänger ankommen mag, tendenziös sicherlich emotional. Da hast du recht GroM.

    Leider sind unsere Gegner Vebrecher, da sie mit Lügen und illegalgen Mitteln regional und global operieren. Was sind da schon "Unsachlichkeit" und Emotion von Leuten, die das ansprechen, wenn man das mal vergleicht? Albern.

    Es gab und gibt immer Leute die sachlich argumentieren und diskutieren können, und zwar über Dinge, die weder sachlich sind, noch Argumente bereithalten.

    Dazu gehört: jedes Argument [u]für[/u]ein Land mit Beschneidung von Menschenrechten. Ich glaube nicht
    daran, dass eine sachliche Diskussion etwas bringen wird, wenn die Grundlage keine Sachlichkeit besitzt.

    Das geht jetzt seit mindestens 12 Jahren so.
    Argumente für Luka?
    Gibts viele, Tausende, Millionen.
    Muss man sich was einfallen lassen.
    Z.B.: Dem Volk über Medien vorgaukeln es gäbe keine Alternative.
    Muss man nur wirtschaftliche Anreize schaffen.
    Partei-Konformität schafft Arbeitsplätze.
    So ein Zufall.

    Ich unterstelle also:
    a) Euphemismus
    oder
    b) Unwissenheit
    oder
    c) ferner weitere Absichten, die evtl. kriminell sein können.
    oder
    d) Desinformation / Propaganda

    wenn:
    – Pro-Argumente für ein unmenschliches System fallen,
    das sieht man an folgendem Schlusssatz von Frankman:

    [quote]
    Es gibt kein ideales politisches System, jedes hat Schwächen und Vorzüge. Die Wahl liegt bei jedem allein
    [/quote]

    Auch in einem Land mit Wahlfälschung
    und Beschneidung von Menschenrechten?

    Mal sachlich gefragt.

    0
    #3150
    GroM
    4243 Beiträge

    Jan, ich glaube, nicht einmal der oppositionellen Minderheit in Belarus bringt Deine Hitzköpfigkeit und Unbeherrschtheit etwas.

    Stichwort "Ausverkauf" der Republik:
    Da braucht man sich nur die Parteiprogramme der Milinkevich-Unterstützer durchlesen!

    http://by.milinkevich.org/supports/people/

    Natürlich suchen diese Weltanschauungsgemeinschaften ihr Heil in der Privatisierung von (auch) Infrastrukturunternehmen!

    Zu GroM:

    Eingehend auf Dein Beispiel der 4 Angestellten, von denen nach marktwirtschaftlichen Kriterien nur eine gebraucht würde ein anderes Beispiel:
    Es war in einer Dezembernacht 2005, als ich den Mascherov Prospekt Richtung Vesnjanka spazierte (wo meine Wohnung lag) – ich erblickte ein Schneeräumfahrzeug, das – AUF TOTAL LEERER STRASSE – von 2 (!) Polizeiautos mit Blaulicht eskortiert wurde, also an Sinnlosigkeit kaum zu überbieten.
    GroM, ich gebe Dir recht, der Staat muss ja fast regelrecht Beschäftigungen erfinden, aber es fehlt mir der Mut der Opposition laut und deutlich zu sagen, dass im Falle eines Machtwechsels einer von 3 Beamten sein Brot verlieren wird.

    Die Malady Front ist ganz toll mutig im Anbringen von weiss-rot-weissen Fahnen an diversen Gebäuden (es scheint, darin erschöpft sich ihre politische Tätigkeit) aber den Mut zu sagen: "Bei einem Machtwechsel wird sozialpolitisch kein Stein mehr auf dem anderen bleiben", diesen Mut sieht man bei all diesen Milinkevich-Leuten, welche – und das sieht man heute besser denn je – die Wahl verloren haben ÜBERHAUPT NICHT!

    Stattdessen wird – seid mir nicht böse – der Gedenktag für die Opfer von Tschernobyl für politische Agitation missbraucht.

    0
    #3151
    digidrops
    140 Beiträge

    Ja, Gospodin da gebe ich Dir Recht. Ich habe noch nicht viel gehört, zumindest wird auch hier nicht viel berichtet, wie denn die Opposition im Falle eines Systemumbaus mit den daraus resultierenden massiven sozialökonomischen Problemen geagieren möchte. Es wird sicher keine unsichtbare Hand richten. Es wäre vielleicht gar nicht so schlecht, befände man sich im Denken der deutschen 50 ‚ger und 60 ‚ger. Die hatten nämlich auf das Dilemma des Systemumbaus eine Antwort: "Ordungspolitik und soziale Marktwirtschaft". Trotz der für D. günstigen Investitionen (woher sie letzlich auch immer kamen), wäre es ohne den ordungspolitischen Grundsatz massiv unsozial geworden.

    Leider hat man eine Empfehlung Eukens nicht verwirklicht: die Zurückführung der Großkonzerne. Aber die Antwort auf die Lösung des Problems hatte man im Prinzip schon damals. Und hier ist es eben sehr verwunderlich, warum gerade in den Ländern, die das Erbe des "realexistierenden Sozialismus" tragen heute so wenig von den Prinzipien sozialer Marktwirtschaft umgesetzt werden. Was Europa in den letzten Jahren der Einigung nicht gelernt hat, was es seinem Krebsgeschwür der Konzerne entgegensetzen will. Warum haben sich in Polen, der Slowakei, etc.. und vor allem in Russland keine schlagkräftigen Gewerkschaften etabliert? Ich bin nicht gerade ein Freund der deutschen Gewerkschaften, auch diese haben in den letzten 16 Jahren gehörig versagt.

    Aber wir brauchen irgendein Prinzip der Balance in Europa. Wie haben es nicht. Das hat nichts mit Träumerei zu tun, sondern wird essentiell. Solange die Opposition nicht den Versuch einer Antwort parat hat, ist sie keine Alternative für die meisten Leute und irgendwie kann ich es verstehen, auch wenn ich es nicht will.

    0
    #3153
    GroM
    4243 Beiträge

    @frankman:
    [quote]Nein, es ist der Fehler im System, aber hier läuft es auch nicht anders, man zerrt solche Themen nur nicht in das Licht der Öffentlichkeit.[…]

    Demokratie ist politisch für ein Volk ein Entwicklungsprozess[/quote]

    Hier stimme ich dir zu, es handelt sich in der Tat um einen Fehler im System und es ist nicht wegzudenken, da es in der Natur der Menschen liegt.
    ABER
    Sobald "dieser Fehler" zur Systemtugend gemacht wird und das Staatssystem völlig legal stützt, dann hat das weit reichende Folgen. Welche Vorstellungen von der Staatsmacht, der Gewaltenteilung, der Justiz etc. etc. etc. wirst du als Staatbürger haben, wenn du in einem allumfassenden legalen(!) System der Belohnungen (Privilegien, Präferenzen, Sonderkonditionen) und Bestrafungen (Ausklammerung aus dem System, Verlust "der Beziehungen", Isolation) aufwächst und von dem System vollständig abhängig bist?! Fördert es dein Verständnis der Demokratie, der Gerechtigkeit, der Chancengleichheit? Sind wir dann auf dem Weg zu einer "gerechteren Gesellschaft"?!
    Ich denke kaum!
    Denn schon heute glauben immer weniger Menschen an die Gesetze, an die Sinnhaftigkeit der Volksvertretung, an die "Gerechtigkeit" eines Staatssystems, an die Ehrlichkeit und Nützlichkeit öffentlicher Träger oder gar zivilgesellschaftlicher Organisationen (NGOs). Fast hinter jeder(!) Handlung Anderer sehen die Menschen eine Aktion nach den Regeln des "Beziehungen-Systems": "er hat sicherlich dafür kassiert" oder "er wird schon etwas dafür bekommen haben!". Und es ist nicht mehr nur "die Natur des Menschen". Es handelt sich um ein System, das vom Regime aufgesetzt wurde und alltäglich seine Verwendung auf allen Ebenen findet. Du musst nicht mehr viel tun, lediglich „die Beziehung“ zu diesem System aufrechterhalten und diese Pflegen, ODER du bist weg vom Fenster! Wie das vom Staat praktiziert wird? Überall. Nehmen wir mal die Lukaschenkojugend (BRSM). Es ist ein deutliches Beispiel für ein solches System und die Art wie man „die Jungen“ ins System hineinführt. Du musst nur der Organisation beitreten, einen symbolischen Beitrag zahlen, bei jeglichen obligatorischen Treffen, die überwiegend „von oben“ angeordnet und von Propagandaabteilungen initiiert werden, dabei sein und sich offensichtlich loyal zum Regime verhalten. Wenn du nicht unbedingt weiter aufsteigen willst, ist das schon alles, was von dir zur Pflege und Aufrechterhaltung „der Beziehung“ verlangt wird. Belohnt wirst du reichlich: zahlreiche Vergünstigungen in diversen Diskos, Bars, Ferienlagern, bei Konzerten, beim Bücherkauf etc. Bist du nicht dabei – hast du keine Chance. Entweder bekommst du gar keine Chance zu einem Konzert oder in ein Ferienlager zu kommen, oder du wirst richtig zur Kasse gebeten. Eine Alternative hast du nicht. Denn alle parallelen nichtstaatlichen Jugendverbandsorganisationen bzw. studentische Vereinigungen werden vom Staat bekämpft. Eine recht harmlose aber effektive Art es bereits im jungen Alter deutlich zu machen: entweder du bist mit dabei im System, akzeptierst es und machst mit – oder du wirst es verdammt schwer haben. Und du begreifst recht früh, dass es in deinem Interesse ist „an der Seite der Starken, der Einflussreichen“ zu stehen. Chancengleichheit, Gerechtigkeit, rechtmäßiger Anspruch – da bekommt nur ein müdes Lächeln zu sehen.
    Es ist nur ein einfaches Beispiel. Wie gemein trickreich und existentiell kritisch ein solches Mitmachen im Regimesystem später, im Erwachsenenalltag wird – das erfährt man in Belarus in jeder Küche. Und wie verbrecherisch die Bestrafungs-Maßnahmen dieses Regimes für das Nichtmitmachen sind – das erfährt man von zahlreichen Menschen, die es bereits versucht haben, aus „dem Clan“ auszusteigen oder den Einstieg dort abgelehnt haben.

    Also wohin steuern wir in Belarus? Ist das der Weg eines sozialgerechten und gleichwohl autoritären Systems hin zur Transformation zu einem starken, unabhängigen und demokratischen Staat?!

    @Gospodin:
    [quote][…]aber es fehlt mir der Mut der Opposition laut und deutlich zu sagen, dass im Falle eines Machtwechsels einer von 3 Beamten sein Brot verlieren wird. [/quote]

    Ja, das wird möglicherweise passieren. Ich höre nicht auf den oppositionell gesinnten Menschen in Belarus zu sagen, dass sie jetzt in erster Linie nicht an den Machtwechsel per se denken sollen, sondern an das, was sie danach konkret machen werden, und wie sie es machen werden! Denn es wird hart und viele Probleme, die dabei auftreten werden, sind heute noch kaum erkennbar – man muss sich vorbereiten, um die Bevölkerung so gut wie möglich absichern zu können. Und der Westen wird dabei nicht helfen – es ist lächerlich zu erwarten, dass die EU mit einem Sack voller Geld zur Hilfe eilt. Zunächst sollte man nur mit sich selbst rechnen. Und das tun leider noch sehr wenige Oppositionelle. Aber der Wechsel wird kommen!

    Wir dürfen nicht in absoluten Kategorien denken! Wahrscheinlich ist es so einfacher, um die Gegensätze und Unterschiede zu erkennen und abzugrenzen, oder?! Jedes Gespräch von einem möglichen Systemwechsel in Belarus wird von der Behauptung dominiert, dass im Fall des AL-Sturzes bzw. -Abgangs Belarus in die Hände geldgieriger, expansions- und kontrollwütiger Manager und Politiker westlicher Welt (insb. die USA) geraten wird. Beispiele soll es angeblich genug geben: die Ukraine, Polen etc. Diese pauschale Behauptung führt das Gespräch sofort in eine Sackgasse, weil man offensichtlich nur ENTWEDER/ODER haben kann. Oder?! Hm… eine komische Welt. Alle Gegner von AL werden automatisch als ein schreckliches ODER abgestempelt. Und sein Regime inkl. aller Verbrechen findet sofort eine ENTWEDER-Legitimation. So einfach ist das?!

    Es gibt zumindest ein Paar Alternativen mehr und diese müssen ohne Musterdenken und ohne ideologische Stempel diskutiert werden. Fakt ist: die Gesellschaft erkrankt immer mehr, das Regime zerfresst jegliche Demokratieansätze, ersetzt sie durch Imitate und die Verbrechen häufen sich, insbesondere deswegen, weil sie mittlerweile zum Bestandteil des Alltags geworden sind und im kollektiven Schweigen untergehen.

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    #3155
    digidrops
    140 Beiträge

    [quote]Jedes Gespräch von einem möglichen Systemwechsel in Belarus wird von der Behauptung dominiert, dass im Fall des AL-Sturzes bzw. -Abgangs Belarus in die Hände geldgieriger, expansions- und kontrollwütiger Manager und Politiker westlicher Welt (insb. die USA) geraten wird. Beispiele soll es angeblich genug geben: die Ukraine, Polen etc[/quote]

    Nun man muss es nicht immer in so extremen Worten sagen. Es gibt diese Manager. Aber nicht alle Teilnehmer der Marktwirtschaft sind so. Man muß es mitdiskutieren und dafür Lösungen anbieten.

    Warum nicht den Weg eines sozialgerechten und gleichwohl autoritären Systems hin zur Transformation zu einem starken, unabhängigen, [b]sozialgerechten[/b] und demokratischen Staat?! [/quote]

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    #3156
    GroM
    4243 Beiträge

    Zum Beispiel.

    Muss noch dem Satz von dir zustimmen:
    [i]"Solange die Opposition nicht den Versuch einer Antwort parat hat, ist sie keine Alternative für die meisten Leute"[/i]

    sehr treffend formuliert.

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    #3157
    digidrops
    140 Beiträge

    Wenn hier immer wieder über alternativen diskutiert wird, müßten wir uns auch die gefährliche Frage gefallen lassen, wäre Don Luka auch eine Alternative für D.

    Immerhin: unsere Sozialsysteme erodieren. Gesundheit wird immermehr vom Einkommen abhängig?!?! Die Arbeitslosigkeit ist exorbitant und es macht sich Politikverdrossenheit breit. Wie stark ist unsere Demokratie?! wirklich und wie hoch der Anteil des Demos an den Entscheidungen?

    Also ich hoffe nicht, das jemand noch einen Gedanken daran verschwendet ein Präsident wie Don Luka oder gar ein Faschist könnte uns das HEIL bringen. ABER: Wenn wir die Demokratie sind, dann müssten wie sie retten. Meiner Meinung, geht das nur europäisch, glokal, sozusagen. Aber man müßte sich zumindest in Europa über die Priotitäten von Werten in der politischen Ordnung verständigen, die da wären (noch ungeordnet): Freiheit, Vielfalt, Kreativität, soziale Sicherheit, Gesundheit, Bildung, Ökologie, individuelle Verwirklichung, Solidaität, Arbeit, gute Nachbarschaft ;), gemeinsames Grillen 😉 u.v.m. (Diese allein machen schon deutlich, daß, (nicht Volk, schlechter Begriff) sondern ein System einer Gesellschaft mehr ist, als die alleinige Aggregation von Einzelinteressen, wie Frankman behauptet.) Wenn wir solch eine Diskussion wieder beginnen und uns auf demokratischem Weg vielleicht mit den Belarussen eine Alternative zur Gegenwart bauen, vielleicht bekommen wir dann auch eine. Auf jedenfall wird dann klar, daß es nicht nur den bösen Kapitalisten gibt, sondern auch den guten Unternehmer und daß wir es irgendwie mitbestimmen können.

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