Ausgewandert

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  • #5039
    Nanaviki
    136 Beiträge

    Hi, wir 4 sind am 29.07. nach Belarus ausgewandert. Dachte ich mir. Aber bereits am dritten Tage sagte mein Mann: „Wohin hast du mich gebracht.“ Er fing immer wieder davon an und hat letztendlich beschlossen, dass wir nach der Kartoffelernte doch wieder zurück nach Deutschland gehen. Seit 5 Jahren warte ich auf eine klare Entscheidung von ihm. Immer wieder haben wir davon geträumt es in seiner Heimat zu versuchen. Vorigen November war er hier um in Erfahrung zu bringen, ob wir es wagen können und jetzt das! „Mann“ passt nicht mehr in seine Heimat.

    Unsere Möbel sind noch in Deutschland, bei meinen Eltern. Jetzt werden wir wohl doch nach Westdeutschland ziehen müssen, wo die Perspektiven, besonders die Arbeitsplätze größer sind. Das ist jammerschade, es war wohl mehr mein Traum mal auszuwandern.

    Meine Aufenthaltsgenehmigung ist in Arbeit, mal sehen, ob ich sie behalten darf. Mein Mann hat Sorgen uns nicht ernähren zu können. Wohnungen, die für uns in Frage kommen kosten 300 bis 400 USD plus 50 bis 80 USD Nebenkosten im Monat. Das Anfangsgehalt wäre 500 USD. Passt nicht. Um bessere Arbeit zu finden, ist er nicht aufgebrochen. Schon vor dem Ziel aufgegeben!

    Was noch abschreckt, sind die Preise, Wohnungen zu teuer, Benzin mit 80 cent im Prinzip auch, Sonnenblumenöl 2 EURO, Wurst 1 kg ab 6 EURO, Krümeltee (den lieben die Kinder) 2 EURO, 50 Windeln 14 EURO, Parken im Stadtzentrum 1 h = 1 EURO…
    Um einen Arbeitsvertrag zu bekommen, muss er eine Medkommissija durchlaufen und noch zusätlich 3 Krankenhäuser in Minsk besuchen. Er sagte, er will kein Astronaut werden, sondern nur in einer Fabrik arbeiten. Also, nix mit Wirtschaftsflucht.

    Unsere Bekannten hier, sagen, dass seit 2 Jahren die Preise so in die Höhe schiessen.

    Naja, ich hätte nicht so schnell aufgegeben, aber sogar mein Schwiegervater meint, dass es uns in Deutschland besser gehen würde. Deutschland das soziale Schlarraffenland. Gerade da wollte ich raus, rein in die Eigenverantwortung.

    Was solls, schaun mer mal in welche Ecke es uns verschlägt, weit weg von Brandenburg und Belarus. Hat jemand Vorschläge (am Besten dorthin wo viele russischsprachige Migranten wohnen)???

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    #5080
    chupete
    254 Beiträge

    Gibts denn schon was neues bei euch?

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    #5094
    Nanaviki
    136 Beiträge

    Hallo chupete, wir sind am 09.09. mit hängenden Mundwinkeln bei meinen Eltern eingetroffen. Alle haben sich gefreud und hoffen, dass wir nie wieder einen Versuch, in BY zu wohnen, starten. Irgendwie oberflächlich. Jetzt mieten wir hier wo ich aufgewachsen bin die erste Etage, es soll nur vorrübergehend sein. Die Jobsuche in Zeiten der Finanzkriese erweisst sich als sehr schwierig, null Reaktionen und Absagen gibt es auf die Bewerbungen. Wir wollen aber zuerst unser Glück in Brandenburg und Sachsen probieren. Die „geringe“ Entfernung zur 2. Heimat ist wichtig. Wenn wir vom aktuellen EURO- Bel. Rubel-Kurs und den Preisentwicklungen hören, denken wir, dass es besser war zu „flüchten“, schliesslich geht es uns um das Wohlergehen unserer Kinder. Wir bereuen es, dass wir nicht am Anfang unserer Ehe (im Jahr 2003) als noch kinderloses Paar ein Leben in Belarus gewagt haben. Die Wohnungen, Lebensmittel u.s.w. zu der Zeit haben so wenig gekostet… Jetzt müssen wir uns in Deutschland ein stabiles Leben in „unstabilen“ Zeiten aufbauen, bevor wir am Stock gehen.

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    #5096
    chupete
    254 Beiträge

    Hallo, schade, dass es nicht geklappt hat… Die Nähe zur 2. Heimat ist schon schön, wird aber bei der Jobsuche nicht hilfreich sein. Schaiu dich doch mal im Rheinland um, gerade Bonn und Köln haben große russische Gemeinschaften und auch die Jobsuche ist hier definitv einfacher als bei euch. Auch wenn es zum Start vielleicht nur ein Zeitarbeitsvertrag ist, entwickelt sich daraus recht oft mehr.
    Ich spiele auch manchmal mit dem Gedanken, irgendwann vielleicht mal in BY zu leben, aber sicher nicht in den nächsten Jahren. Ich bin gespannt, ob sich nun was tut, die Voraussetzungen sind da, es muss nur ein gewisser Herr mal in die richtige Richtung handeln.
    Zur Zeit ist es sicher schwer, kann mir auch nicht vorstellen, wie meine Schwiegereltern jeden Monat so über die Runden kommen. Ich bin im Dezember wieder drüben und bin gespannt, wie es aktuell aussieht.

    LG,
    chupete

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    #5116
    Alex
    523 Beiträge

    Hallo Nanaviki,
    Du bist mit Deinem Mann in seine Heimat Weißrussland ausgewandert und er fragte Dich „Wo hast Du mich da hin gebracht?“Wie ist denn das zu verstehen? Weiterhin verstehe ich nicht, wenn Ihr schon aus Belarus zurück kommt und am umziehen seid, warum Ihr nicht dort hin zieht wo Arbeit ist, z.B. Rhein-Main, München, etc.? Arbeit und Auskommen ist doch das Wichtigste, erst recht, wenn man Kinder und Verantwortung hat. Euren Verwandten kann ich nur beipflichten, was für ein Glück für Euch daß Ihr wieder hier seid! Weißrussland hat unter Lukaschenko keine Zukunft, man kann eine Volkswirtschaft nicht wie eine Kolchose führen. Finanzkrise hin oder her, Deutschland wird sie nicht das Genick brechen, Belarus schon eher. Dazu kommen noch steigende Lebensmittel- sowie Energiepreise und weitere Globalisierungseffekte, etc., etc. …
    Wo wir schon dabei sind, wie hattet Ihr eigentlich die Krankenversicherung für Deinen Mann, Deine Kinder und Dich in Belarus geplant?
    Gruß aus Mainz von Alex, der sich wundert, einfach nur wundert!

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    #5117
    Nanaviki
    136 Beiträge

    Hallo Alex, ich glaube mit folgendem Text sprenge ich die Idee des Forums. Das passt wohl eher in den Bereich Seelsorge, oder ähnliches. Erst das einfache: unsere Kinder haben beide auch die belorussische Staatsbürgerschaft damit dürfen sie kostenfrei die staatliche Krankenversorgung in Anspruch nehmen. Ich hatte im Mai die Medkomissia im Kreiskrankenhaus durchlaufen, da habe ich eine Akte bekommen, im September bekam ich eine Aufenthaltsgenehmigung für zwei Jahre, damit kann ich jetzt ebenso die staatliche Versorgung in Anspruch nehmen.

    Mein Mann erläutert mir schon seit dieser o.g. Aussage, bis zum heutigen Tage, dass eigendlich ich diejenige war, die unbedingt nach Belarus wollte. Das sagt mir jemand, der sich nie, bis heute, um die Arbeitssuche gekümmert hat und der aller zwei Monate davon anfängt, dass ein Leben in Belarus einfacher wäre. Das er es auch dort nicht packt haben wir jetzt gesehen.

    Wie gesagt, nur ich kümmere mich um die Jobsuche. Mittlerweile ist „Mann“ auch bereit Schichtarbeit oder Zeitarbeit zu machen. Aber eines wünsche ich mir von allen, die unsere Sittuation mitbekommen, die Chance, wenigstens ein halbes Jahr hier in meiner Heimat Brandenburg/Sachsen auf Jobsuche zu gehen. Alle meine Verwandten, die uns mit den Kindern unterstützen könnten (z.B. im Krankheitsfall), wohnen hier. Wenn es nicht klappt, dann suchen und finden wir etwas in den alten Bundesländern. Übrigens habe ich 8 Jahre in der Apotheke gearbeitet und werde nach dem Erziehungsurlaub auch wieder arbeiten gehen. Zuerst muss aber mein Mann untergebracht werden, sonst hockt er bis zum Sarg zu Hause rum.

    Tja, 80 % der Beiträge im Forum drehen sich um das Thema Heirat, aber bei uns gehts darum unsere Ehe und Familie zu retten. Das passt hier nicht rein. Hier lese ich viel von glücklichen deutschen Männern mit ihren belorussischen Verlobten oder Frauen. Habt ihr es gut, Frau darf bei euch Frau sein.

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    #5118
    Alex
    523 Beiträge

    Hallo Nanaviki,
    vielen Dank für die Antwort. Das scheint bei Euch wirklich eine schwierige Situation zu sein. Bei mir und meiner Frau ist es so, daß wir beide berufstätig sind (Da ist Mann Mann und Frau Frau). Glücklicherweise werden wir auch teilweise von unserer Verwandschaft bzgl. der Betreuung unserer Tochter unterstützt.
    Die (Weiß-) russischen Männer, das ist ein Kapitel für sich, darüber könnte auch ich Bücher schreiben (Stichwort Verantwortung übernehmen, ERWACHSEN WERDEN). Na gut, Deinem musst Du wohl öfter mal in den Hintern treten… so ermüdend und schwer das auch sein mag, ich wünsche Dir viel Erfolg!
    Gruß aus Mainz
    Alex

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    #5119
    Conny Kuhs
    343 Beiträge

    Hi Alex,

    du machst mir ja richtig „Angst“, was (weiß-) russische Männer betrifft.
    Ich bin seit Juni mit meinem Mann verheiratet, bis jetzt kann ich mich nicht „beklagen“.
    Er hat so seine Marotten, aber ich denke, dass hängt einfach noch mit seinen Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache zusammen. Er liest sehr viel in deutsch, hat aber noch Hemmungen mit Fremden zu sprechen.

    Ich muss ihn z.B. zum Arzt begleiten, oder bei Behördengängen.

    Aber er ist ständig in der Zeitung, im Internet oder an schwarzen Brettern auf der Suche nach einem Job, hat auch schon kleinere Aushilfstätigkeiten gemacht.

    Also ich finde er ist nicht weniger erwachsen als deutsche Männer, bleiben die nicht auch immer „Kinder“ ( nicht böse sein, Spaß muss sein, aber viele weibliche Leser werden mir jetzt sicher zustimmen).

    Conny

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    #5120
    Alex
    523 Beiträge

    Hi Conny,
    das ist von mir etwas provokant formuliert, natürlich gibt es solche und solche … wie im richtigen Leben halt.
    In meiner nährern Umgebung habe ich da nur so eine Anhäufung einer bestimmten Kategorie:
    Sohnemann wohnt bei Mama und Papa. Es wird geheiratet und direkt zu Frau und Schwiegermama gezogen. Morgens wenn wir zur Arbeit gehen lassen wir uns warmes Essen machen, damit wir mittags auch was zum Futtern haben. Abends, wenn wir nach hause kommen verlangen wir Schnitzel, welches wir von der Schwiegermama gebraten bekommen, und NUR Schnitzel. Die Wäsche bekommen wir gewaschen, die Hemden gebügelt, die Wohnung geputzt und das Bett gemacht. Nachts, wenn die Frau zur Schichtarbeit geht, machen wir uns frisch und vögeln uns durch die Stadt (tschuldigung), bis die Schwarte kracht. So machen wir das Monat für Monat, zwischendurch pumpen wir die Schwiegermama – die das Treiben natürlich mitbekommt – auf etwas Kohle an, mann will ja schließlich ein schickes Auto fahren. Auch die eigenen Eltern werden angepumpt, abwechselnd mit der Aussage, daß sie dies und jenes überhaupt nichts angeht. Überhaupt ist man nirgens und niemand Rechenschaft schuldig und Fehler macht man auch nicht: Männlich markannt 2-fach gebrannt. Generell haben sich die Eltern schon das ganze Leben lang Sorgen gemacht, die Ausbildung bezahlt, den fetten Offizier bei der Armee mit einem Haufen Dollars geschmiert, damit der Sohnemann nicht mehr vor Angst weinen muss, wenn er Montags zu den prügelnden Kameraden in die Kaserne geht.
    Das sind so in etwa grob umrissen die Symptome, die für mich die im vorigen Post genannten Defizite anzeigen.
    Vielleicht ist es auch die Unfähigkeit mit Freiheit umgehen zu können, ich weiß es nicht…
    Viele Grüße
    Alex

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    #5121
    Conny Kuhs
    343 Beiträge

    Hi Alex,

    was du da beschreibst passt alles auf meinen deutschen Ex-Mann.

    Aber Fakt ist einfach wenn man jemanden aus einem anderen Kultukreis heiratet, dann muss man damit rechnen das nicht alles so läuft wie vielleicht erhofft.

    Mein Mann hat sich bei einem Treffen mit einer Bekannten aus Kasachstan „beschwert“,
    ich sei so selbstständig.

    Für ihn ist es eben so, er ist der Mann im Haus und ist für vieles zuständig und verantwortlich.
    Ich kann ihn da schon verstehen, es ist nicht leicht für ihn, dass ich momentan einen festen Job habe und er noch nicht.

    Da ich lange mit meinen Kindern allein gelebt habe musste ich alles regeln und managen (auch schon in meiner 1.Ehe).
    Es war für mich also sehr ungewohnt, dass er mir bei Einkäufen die Taschen abnehmen wollte.
    Er lässt sich auch gern bedienen, das streite ich nicht ab, aber er bedankt sich für die Mahlzeiten, für kleine Gefälligkeiten.

    Ich habe mit ihm wohl das grosse Los gezogen, was sicher auch an seiner Erziehung liegt. Beide Eltern waren Lehrer und er hat sehr früh auf eigenen Beinen gestanden, bzw. allein gewohnt.

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    #5122
    Nanaviki
    136 Beiträge

    Hallo Alex, die Umschreibung passt auf die Hälfte der Freunde meines Mannes in Belarus: bei Schwiegereltern leben, sich vorn und hinten alles reinstopfen zu lassen, durch zugeschobenne Dollars einen Job zu bekommen, fremdgehen, nicht arbeiten gehen… Natürlich sind nicht alle so, aber zu viele. Im groben und ganzen, auch wenn in Belarus die Frau arbeiten geht, sie hat den gesamten Haushalt und die hauptsächliche Verantwortung für die Kinder am Hals. Die Rollen sind noch absolut klassisch verteilt. Für mich ist gemein, dass sich die Männer dort zur Begrüßung umarmen, die Hand geben und/oder abknutschen, aber die Frauen werden nicht einmal per Handschlag begrüßt. Trotzdem reizt uns alle, die wir hier vertreten sind, etwas an den Menschen, ihren Eigenheiten und ihren Heimatländern. Nicht wahr?

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    #5123
    Alex
    523 Beiträge

    Hallo Nanaviki,
    so ist es leider. Kann ich alles unterschreiben, besonders allerdings die letzten beiden Sätze.
    Viele Grüße
    Alex

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    #5639
    Nanaviki
    136 Beiträge

    Hallo, um das von mir angefangene Thema zum Abschluss zu bringen- für alle Kopfschüttler und die, die Verständnis haben für uns: MANN arbeitet seit 3 Monaten in Dresden und seit knapp 2 Wochen wohnen wir wieder in dieser Stadt, der wir Ende Juli den Rücken gekehrt haben. Wir haben sogar die selbe Postleitzahl.-wink Es hat nicht sollen sein. Trotz 40 h Woche und unbefristetem Vertrag reicht das Einkommen zum Leben nicht, mit „Stütze“ ging es uns Finanziell besser. Aber, es gibt Hilfe in diesem Land und das ist der riesige Unterschied zu Belarus. Das Thema Koffer packen ist jetzt erst einmal abgeschlossen, denn nächstes Jahr kommt unsere Große in die Schule.

    Zur Zeit planen wir unsere jährliche Sommerreise zur Babuschka und freuen uns riesig, wenn es endlich los geht.

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    #10472
    Nanaviki
    136 Beiträge

    und noch dieses:

    zu unserem Reisegepäck hat vor 3 Wochen auch meine Aufenthaltsgenehmigung und der Registrierungsstempel (Propieska) mit der Adresse wo ich in Belarus angeblich wohne, gehört. Weil es ein Dokument ist, kann man das nicht einfach wegschmeißen. Wir haben im OVIR gefragt, was wir damit machen sollen. Mir wurde dann diktiert was ich auf russisch schreiben soll: eine Sajawlenie = Antrag, die Aufenthaltsgenehmigung ab sofort zu annulieren, da ich ausreisen werde und meinen Wohnsitz in Deutschland haben werde… -wink

    3 Tage später kommt meine Schwiegermutter mit einem Brief in der Hand an (sozusagen vom Einwohnermeldeamt), öffnet den, bekommt die Panik und sagt sie müsse jetzt hier ausziehen. Aus dem Haus, was mein Schwiegervater gebaut hat und jetzt seinen Kindern gehört. Große Panik…Sie sprintete zu meinem Mann welcher sofort entdeckte, dass der Brief an mich adressiert war. Es handelte sich um die Bestätigung, dass ich nicht mehr als Bewohner dieses Hauses gemeldet bin.

    So, das müsste jetzt doch alles gewesen sein.

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    #10474
    GroM
    4243 Beiträge

    Aber: So richtig nach „angekommen“ klingt das noch nicht…

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