Alkoholkonsum in Belarus – ein Problem?

Foren Soziales Alkoholkonsum in Belarus – ein Problem?
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  • #4264
    julka
    87 Beiträge

    Hallo Targa,
    vielen Dank für Deine Tips, wie immer sehr wertvoll. Ich hatte noch nicht daran gedacht, daß ich auch Zloty eintauschen muß. Spontanität kostet oft Lehrgeld. Gut, daß es Dich hier gibt.
    Bischen mulmig ist mir, wenn ich daran denke, daß ich ja auch mal zur Toilette muß und dann das Auto unbeobachtet mit. Meine Freunde hier in Deutschland meinen, da wäre das Auto schnell geklaut!!! Ist das wirklich so schlimm? ( Hoffentlich nicht wieder zu naiv)

    L.G. Julka

    Beitrag geändert von: julka, am: 01.09.2007 08:59

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    #4268
    sirius6
    85 Beiträge

    Quatsch, so schlimm ist es nicht in Polen, achte darauf das du auf den Brummieparkplätzen rast machst und schön hell ist, dann passiert auch nichts….

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    #4273
    Alex
    523 Beiträge

    Hallo,
    letztes Jahr im Sommer sind wir drei Wochen in Brest bei der Familie gewesen und danach eine Woche bei der Verwandschaft in der Ukraine / Kiew. Ich berichte mal was wir innerhalb von 24 h an einem "stinknormalen" Tag in Brest und Umgebung erlebt haben:
    Nachmittags gehen wir in einen Supermarkt, um ein Mitbringsel (etwas Wein) für die langjährige Freundin meiner Frau zu kaufen, da wir heute Abend eingeladen sind. Was mich immer wieder beeindruckt hinter der Theke in der Alkoholabteilung – Wodka in Kisten, wie bei uns in Deutschland das Bier… Naja, Wein gekauft und in einen nord-westlichen Vorort von Brest gefahren. Da der Mann der Freundin meiner Frau in der Fleischfabrik arbeitet, wird gegrillt: Schaschlik XXL, sowas habe ich noch nie gesehen – und gegessen. Sehr lecker! Zum Glück hat man an mich als Autofahrer gedacht und alkoholfreies Bier besorgt, denn es heißt hier ja: 0 Promille! Der Rest der Gesellschaft trinkt Bier aus Dosen in großen Mengen – alle sind gut gelaunt. Gegen 21:30 h kommt jemand auf die Idee, zum nahe gelegenen See zum Schwimmen zu gehen. Also, alle brechen auf – auch die Kinder sind dabei – und gehen zum See. Ein junger Mann kommt uns entgegen, er läuft in Schlangenlinien mit einem Eimer in der Hand. Flusskrebse hat er im See gefangen, dabei gebechert und läuft jetzt nach hause, um seinen Rausch auszuschlafen. Am See angekommen steht ein LKW am Ufer, drei Arbeiter sitzen dahinter im Gras, sie futtern Brot, Gurken, Wurst, Tomaten und trinken aus 2 Flaschen Wodka. Gegen 23:00 h, nach dem Schwimmen fahren wir auch schon wieder nach hause. Auf halber Strecke fahre ich fast einen Besoffenen über den Haufen, der auf meiner Spur die Straße entlangtorkelt. 2 km weiter der nächste Besoffene, zum Glück diesmal am Straßenrand – immerhin, anscheinend kennen alle ihren Weg nach hause. Zu hause angekommen ab in die Falle … Nasdarowje!
    Am nächsten Tag fahren wir auf unsere Datscha. Gegen 11:00 h wollen wir in den nächstgelegenen Ort laufen, wo es einen kleinen "Tante Emma Laden" gibt, um einige Dinge für’s Mittagessen zu kaufen. Auf halber Strecke kommen wir um die Ecke und vor uns liegt ein Motorrad quer auf dem Feldweg.

    [img]http://www.gerdi.de/Bilder/Belarus/Motorrad.jpg[/img]

    Ich sage zu meiner Frau irgendwas ist hier faul, so stellt keiner sein Motorrad ab. Neben dem Weg, am Waldesrand liegt ein junger Mann, barfuß und in Badehose. Im ersten Moment denken wir hoffentlich ist er nicht schwer verletzt, aber nach mehrmaligem Rufen gibt er einige Laute von sich, er scheint zu leben und ist einfach nur besoffen. Während unseren Untersuchungen fahren 2-3 Autos langsam vorbei und um das Motorrad herum, keiner hält an, niemand hilft. Da wir kein Handy dabei haben, nötigen wir ein junges Ehepaar anzuhalten und die Polizei anzurufen. Wiederwillig versucht die Frau jemanden mit ihrem Handy zu erreichen – kein Erfolg. So schnell wie die Zwei da waren, sind sie wieder in Ihr Auto gestiegen und weggefahren. Ich richte das Motorrad auf und bocke es an der Seite des Weges auf. Ganze Arbeit hat der Kollege geleistet, Kupplungshebel abgebrochen (hängt noch am Bowdenzug) und Rückspiegel abgerissen. Die Verkleidung sieht auch sehr jämmerlich aus. Meine Ansicht zu diesem Thema ist: Zum Einen, dass man nicht genau weiß, ob der Mann verletzt ist, daher muss Hilfe geholt werden, zum Anderen finde ich, dass solche Leute aus dem Verkehr gezogen gehören, da sie das nächste Mal vielleicht ein Kind zu Tode fahren.
    Also unser Ziel heißt weiterhin "Magasin". Wir treffen eine ältere Frau, welche auch auf dem Weg zum Ort ist, da dort die Endhaltestelle für das Sammeltaxi nach Brest ist. Sie hat eine Tochter in Duisburg und es entwickelt sich ein interessantes Gespräch. Am "Magasin" angekommen lässt man uns freundlicher Weise sofort telefonieren. Meine Frau darf erst mal alle ihre persönlichen Daten angeben, der Mann am anderen Ende der Leitung ist bestens über ihre Familie und ihre Namen informiert (sie gibt aus versehen ihren Mädchennamen an, das fällt dem Polizisten, bzw. dem Kollegen Computer sofort auf). Nach 10 Minuten Telefonat (!) heißt es schließlich, dass jemand kommt. Die nette Frau mit der Tochter in Duisburg möchte uns unbedingt zu einem Bier einladen, da ihr Sammeltaxi auch noch nicht da ist. Das ist wirklich sehr freundlich, auch wenn es 30 ° im Schatten sind. Nach einer dreiviertel Stunde endlich, eine Staubwolke am Horizont. Ein Lada mit Polizist, wir beide hinten rein und ab zum Unfallort. Nicht schlecht, ich wollte schon immer mal mit der weißrussischen Polizei rumfahren … Angekommen springt der Polizist aus dem Auto über den Straßengraben und blafft den Besoffenen an: "Was liegst Du hier rum? Steh auf!" Keine Sekunde, da hat sich der Mann aufgerichtet, wir verziehen uns taktvoll und machen uns aus dem Staub. 1 Minute später höre ich, wie ein Motorrad gestartet wird und wegfährt (interessant so ohne Kupplungszug !). Kurz darauf fährt der Polizeiwagen an uns vorbei…
    0 Promille ??? Ein Witz! Mein Schwiegervater sagt, wenn Sie nach den 0 °/oo gehen würden, gäbe es auf dem Land Niemanden mehr, der den Traktor oder den LKW fahren könnte, das Land würde still stehen.

    [img]http://www.gerdi.de/Bilder/Belarus/Kirche.jpg[/img]

    Wenn Ihr mich fragt, Alkohol in Deutschland? – Ein Problem !
    Alkohol in Weißrussland (und anderen Ex-Sowjetstaaten)? – Ein Riesenproblem!

    Als kleines "Schmankerl" noch ein Foto aus dem Supermarkt in Kiew. 25 Meter Wodka in doppelten Regalreihen! "Nemiroff" in allen Varianten, in bis zu 3 Liter-Glaskanistern! Das Ganze übrigens durch einen Security-Mann bewacht. Prost und gute Nacht!

    [img]http://www.gerdi.de/Bilder/Belarus/Kiev.jpg[/img]

    Beitrag geändert von: Alex, am: 02.09.2007 17:48

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    #4275
    julka
    87 Beiträge

    Hey Alex,
    so hat jeder seine Erfahrungen gemacht hüben wie drüben. Ich wohne in einer Kleinstadt in Sachsen. Da läuft ständig einer besoffen an unserem Haus vorbei, gegenüber ist eine Keipe – "Kulturstätte" heißt sie. 100 Meter weiter ein Getränkestützpunkt, da sieht es genauso aus. Im Gebiet unserer Schnarchregale (Neubaugebiet) sieht es genauso aus.
    Und in Mecklenburg, wo meine Eltern wohnen sind, wie ich schon geschrieben habe vieler unsere Freunde dem Alkohol verfallen, mehr oder weniger.
    Ich glaube wirklich getrunken wird überall, in bestimmmten Regionen mehr oder weniger.
    Und das bei uns Bier oder Schnaps nicht teurer sind als Wasser finde ich genauso verhehrend wie die vielen Wodkaflaschen auf Deinem Foto. Und im Getränkestützpunkt am REWE markt stehen in Summe auch so viele Flaschen, eben nur anderes Zeug wie Weinbrandt, Whisky, Klarer, Liköre ect.

    Mein Ex war letztes Jahre an der Müritz , 6 Wochen Urlaub, er ist Harz 4 Empfänger. Da haben die jeden Abend pro Kopf eine Flasche Whisky ausgetrunken. Begründung – von Bier kriegt man Kopfschmerzen. Und das in einer Runde mit allen Altersgruppen und aus allen sozialen Schichten. Das war für mich auch schon beängstigend. Wie gesagt, ich denke es gibt dort wie hier Leute die trinken und andere wieder nicht.
    Vielleicht dort ein bischen mehr, aber ich denke, es gibt dort Probleme, die schwerer wiegen als das Alkoholproblem und Dinge, die schöner sind, über die man reden sollte.
    L.G. Julka

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    #4278
    Martin66
    61 Beiträge

    Hallo,

    also ich kann nicht behaupten, dass in Weissrussland übermäßig viel getrunken wird. Ich bin öfters in Witebsk. Klar, man sieht abends ein paar Gruppen von Jugelndlichen auf den Strassen, die ein paar Flaschen Bier haben, aber das ist hier in Deutschland nicht viel anders.

    @julka

    Julka,

    als ich das letztemal durch Polen über Frankfurt Oder gefahren bin, brauchte man keine Sloty um die Mautgebühr zu bezahlen. Die Fahrt war in diesem Sommer. Man konnte ganz normal mit euro bezahlen und hat als Rückgeld Sloty erhalten. ich denke, dass das noch nicht geändert wurde.

    gruss

    Martin66

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    #4281
    sirius6
    85 Beiträge

    ist teurer, da Sie dann 5 € wollen…..

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    #4282
    julka
    87 Beiträge

    Hallo Martin66,
    ich denke ein paar Zloty können nicht schaden. Muß ja sicher auch noch mal Tanken und dann die Toilettengebühr ;))
    Und Dollar vielleicht auch wegen der KV an der Grenze, hab zwar eine, aber wie hier im Forum steht, kann man da auch Pech haben.
    Und paar weißr. Rubel noch….
    L.G. Julka

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    #4284
    GroM
    4243 Beiträge

    Ich bin nun doch schon einige Zeit hier in Minsk wohnhaft doch ich habe in Graz oder Wien wesentlich mehr Besoffene angetroffen als hier in Minsk.

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    #4287
    julka
    87 Beiträge

    Hallo Ihr,
    ich denke, daß man in Minsk auch nicht so viel davon mitbekommt. Das Problem ist sicher größer in den ländlichen Gegenden. Aber das ist es eben hier in Deutschland und anderswo auch.
    In Radeburg ist uns ein Besoffener vom Rad vors Auto gefallen. An der Müritz lief einer die ganze Nacht Runde um Runde um den Campingplatz, weil er den Ausgang nicht mehr finden konnte. Mein Bruder ist in den letzten 3 Wochen 3 mal mit dem Rad gestürzt, angetrunken – Schulter geprellt, Schlüsselbein gebrochen.
    So denke ich könnte man hundert Beispiele aufzählen. Warum trinken die Leute, das habe ich mich schon als Kind gefragt. Mein Bruder wird gerade von seiner Frau verlassen. Das war bei einem Kumpel von mir auch der Grund. Häufig sind Beziehungskriesen die Ursache. Wenn Menschen sich in Ihrer Umwelt unwohl und überfordert fühlen, greifen viele zur Flasche. Aber manche trinken auch nur aus lauter Gemütlichkeit und weil sie nächsten Tag keinen Kater haben – wie der Mann meiner Freundin……

    L.G. Julka

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    #4288
    Belarusdrug
    10 Beiträge

    Hallo alle miteinander,
    nun muss ich meinen Senf auch noch dazu geben. Zum Thema ist zwar schon so viel geschrieben, ich kanns mir aber trotzdem nicht verkneifen.
    Wenn ich das so richtig mitbekommen habe, fahren die meisten von Euch in den Norden des Landes. Unsere Bekannten wohnen aber im tiefsten Süden, in der Tschernobylzone. Da, wo die Not und die Perspektivlosigkeit am Grössten sind. Da ist, aber wer kann es den Leuten verdenken, der Alkohol leider allgegenwärtig. Man hat den Fuss noch gar nicht richtig über die Schwelle gesetzt, da ist der Wodka schon in den Gläsern, egal ob früh um 9 oder abends. Und man erntet lange Blicke, wenn man dankend ablehnt. Mittlerweile haben sich einige daran gewöhnt, dass wir öfter mal ablehnen und fragen vorher, aber bei Fremden ist es halt so.
    Es wird dort hauptsächlich in Geselligkeit oder zum Vergessen getrunken. Um den Frust, den Kummer und die Sorgen runterzuspülen. Um nicht daran zu denken, dass die Probleme und Auswirkungen der radioaktiven Strahlung niemals gelöst werden und oftmals (bei Umsiedlern aus den geräumten Gebieten)um nicht an die einstige Heimat zu denken, die sie ein- oder zweimal im Jahr besuchen dürfen. Wenn man bei solchen Leuten zu Gast ist, drehen sich auch die Gespräche immer wieder mal um dieses Thema – und der Wodka fliesst etwas schneller.
    Soviel von mir zu dem Thema.
    Im übrigen ist natürlich richtig, dass es wohl kein Land gibt, in dem Alkohol und seine Wirkung unbekannt sind. Die Gründe – und auch die vorgeschobenen Gründe – sind hier wie da und dort die Gleichen. Denn auch die Probleme gleichen sich, nur dass sie sich auf einem unterschiedlichen Level bewegen und dass die Auswirkungen auf das tägliche Leben unterschiedlich sind !!!

    MfG

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    #4306
    Wowa
    113 Beiträge

    Bin gerade aus Belarus zurück und habe wieder beide Seiten gesehen. Diejenigen, die ich schon seit Jahren trinken sehe, sind wieder etwas zusammengeschrumpfter und verquollener im Gesicht. Im winzigen Dorf gibt es leider sehr viele davon . Und die anderen, die sich mühsam durchwursteln, aber nicht trinken. War auf einer Hochzeit, zwei Tage lang wurde gefeiert, aber niemand war betrunken, bis auf einen, der am Ende des zweiten Tages blau war, aber der ist an 6 von 7 Tagen betrunken. Und die Stimmung war trotzdem supergut. Ich glaube, bei uns ist das Alkoholproblem besser kaschiert, aber auch vorhanden. Wowa

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    #4339
    Lunatik
    173 Beiträge

    Aeh, meint Ihr nicht, dass Ihr das alles ein wenig dramatisiert? Muessen grundsaetzlich immer Probleme die Ursache fuer den Verzehr von Alkohol sein? Mann Mann, da studiere ich ja scheinbar an einer Universitaet, die von Selbstmordkandidaten ueberfuellt ist. =)

    Es soll Leute geben, die sich die Kante geben weil es ihnen Spass macht…

    Aber in Deutschland herrscht leider viel schwarz-weiss Denken. Trinker oder militanter Antialkoholiker, Raucher oder Sich-ueber-Rauch-in-Kneipen-Beschwerer etc. pp.

    Ich muss sagen, das "Entsetzen" welches manche User hier ueber so manch einen Betrunkenen zur Schau stellen, ebenso wie der "Stolz" ein angebotenes alkoholisches Getraenk abzulehnen; sowas amuesiert mich. =)

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    #4340
    digidrops
    140 Beiträge

    Ich denke wir können den Thread hier langsam schliessen. Es gibt hier eh keine weiteren Erkenntnisse (was auch nicht unbedingt zu erwarten war). Ich fasse nochmal kurz zusammen. Ja, in Belarus wird getrunken. Kann auch schon vormittags um 10 sein.
    Manche trinken aus Frust, manche aus Spass manche aus Geselligkeit, wieder andere wegen der Gesundheit und auch auf dem Friedhof. Die Meisten trinken Wasser, Bier und Vodka. Das ist (Vodka vgl. Klaren) wie in Deutschl. auch am billigsten. Aber auch Tee wird gerne getrunken. Auch in Deutschland wird gerne getrunken im gegensatz zu Tee aber mehr Kaffee, wie auch in anderen Ländern z.B. in Polen, Frankreich, England, USA, naja fast auf der ganzen Welt, ausser vielleicht in Tibet. Was haben wir noch gehört. Menschen zwischen Berlin und Moskau trinken gerne im Park. Nun, eins das wussten wir auch schon vorher, Alkohol ist der Agent Babylon, Faktor für Sklaverei, Ausbeutung und dient zur Ruhigstellung. Weiter? Achso Absinth, … aber das würde jetzt zu weit führen, ich denke einfach, schluss damit, es gibt bessere Themen. Es sei denn, jemand will noch den Hintergrund weissrussischer Trinksprüche abhandeln.

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    #4341
    Lunatik
    173 Beiträge

    [b]digidrops wrote:[/b]
    [quote]Es sei denn, jemand will noch den Hintergrund weissrussischer Trinksprüche abhandeln.[/quote]

    Kennste denn welche? 😉

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    #6168
    julius
    24 Beiträge

    …genug der worte, daher noch ein kleiner link zum großen bruder, denke es ist aber durchaus auch kompatibel mit belarus!

    http://www.spiegel.de/video/video-1020603.html

    gruß, julius

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