Vom Ufer der Memel: Portrait vor seiner ersten Platte von N.R.M.

Posted by: felixackermann

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felixackermann
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Er ist dreizehn Jahre alt, hört Metalica, die Haare sind brav geschnitten, er trägt einen weiß-rot-grünen Trainingsanzug mit der Aufschrift „Belarus“. Pascha wohnt bei seinen Großeltern in Grodno, weil die Mutter zeitweilig in Moskau arbeitet.

Und was gibt’s Neues Pascha? „Ich habe ein neues Telefon: Motorola c650, mit 65.000 Farben, Spielen, Bildern und mp3-Melodien.“ Und sonst? „Ja, ein paar neue CDs von Metalica und sonst gibt’s eigentlich nichts Neues.“ Pascha, du siehst gar nicht aus wie ein Rocker! „Naja, eigentlich würde ich mir die Haare am liebsten ganz abrasieren, so auf Skin, aber dann würde ich eine ordentliche Tracht Prügel von meiner Großmutter bekommen. Für lange Haare übrigens auch.“ Und warum sprichst du nicht wie deine Großeltern Weißrussisch? „Na ist doch klar: ich kann diese Bauernsprache nicht leiden, mir wird schlecht davon. Spätestens nach einer halben Stunde muss ich kotzen, wenn ich selbst anfange zu sprechen. Und in der Schule, da muss man aufpassen, ich will doch nicht für einen Dorfproll gehalten werden. Oder im Geschäft, die glauben noch, man sei nicht von hier. Und ich will dir mal was sagen: ich brauche Weißrussisch nicht, es ist einfach eine bescheuerte Sprache. Keiner spricht hier Weißrussisch, vielleicht die Großeltern, ein paar Fremde, aber sonst – nicht mal im Weißrussischunterricht spricht der Lehrer Weißrussisch! Wozu also eine tote Sprache sprechen?“ Aber warum lernst Du sie nicht wenigstens, um Deinen Großeltern eine Freude zu bereiten? „Ich sprech doch Weißrussisch, viel besser als die Alten, die machen doch Fehler über Fehler, aber ich will mich eben nicht in dieser lausigen Sprache unterhalten, ich gehe sowieso fort von hier, nach Moskau zu meiner Mutter und da komme ich mit Russisch viel weiter.“ Und was suchst Du in Moskau? „Na das große Geld, ist doch klar, ich werde groß einsteigen, vielleicht in die Werbebranche oder ins Immobilienbusiness – da brauche ich die Sprache meiner Großeltern nicht.“

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