Vom Ufer der Memel: Mein erster weißrussischer Nescafé

Posted by: felixackermann

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Es ist soweit. Die Automatisierung des Genussmitteleinzelhandels hat Belarus erreicht. Man kann nun am Automaten löslichen Kaffee kaufen: einfach, zweifach, mit Zucker, Milchpulver oder auch ohne.

Nicht, dass jemand darauf gewartet hätte, aber das hiesige Automatenwesen war doch arg gebeutelt durch die horrende Inflation und die nicht gerade verwitterungsbeständigen Banknoten von 10 bis 50.000. Einstmals waren noch Hasen auf den wertvollen Scheinen, weshalb die weißrussischen Rubel Zajtschiki heißen. Heute sind sie nichts mehr wert. Das 10er Nominal, auf dem die Minsker Nationalbibliothek abgebildet ist, dient nicht selten als Ersatz für fehlendes Papier auf öffentlichen Toiletten. Auf der höchsten Banknote strahlt die Ritterburg von Mir. Hoffentlich wird dieses Stück Weltkulturerbe nicht auch bald zu Altpapier. Nach reichlicher Überlegung schob ich kürzlich in der Grodnoer Universität einen 1.000-Rubelschein in einen Automatenschlitz und als er surrend verschwand, fühlte mich wie auf einem Berliner U-Bahnhof. Statt einer Fahrkarte erschien im Ausgabefenster ein Plastikbecher mit Werbung für eine japanische Elektronikfirma. Darin schwamm eine bräunliche Flüssigkeit, die ganz nach löslichem Bohnenkaffee schmeckte. Mein erster weißrussischer Automatenkaffee.

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