Die Spatzen rufen es von den Dächern: Schon sechs Tage war der Präsident nicht im Fernsehen erschienen. Zuvor hatte man den Eindruck, dass er 24 Stunden am Tag präsent war.
An einigen Tagen hatte er eine gute Nachricht, an anderen warnte er das Volk vor bösen Einflüssen. Und an manchen Tagen erhob er seinen Zeigefinger und belehrte die Weißrussen über die Notwendigkeit das Vaterland zu schützen. Doch nach seinem mehr oder minder „eleganten Wahlsieg“ verschwand er vom Bildschirm. Sollte ihm etwas zugestoßen sein? Hat er sich nach erfolgreicher Wiederwahl eine Woche Urlaub gegönnt? Oder liegt er erschöpft danieder?
Am sechsten Tag erschien er wieder, ermattet und verunsichert. Er sprach zu den Fernsehzuschauern anders als sonst. Etwas war vorgefallen, etwas hat sich verändert. Denn er forderte kleinlaut: „Was hängen überall meine Portraits im Land. Nehmt sie ab, ein kleines Foto reicht auch. Am Ende wird man mich noch des Führerkults beschuldigen!“ Am nächsten Tag in der Meldestelle war, begrüßte mich die zuständige Beamtin: „Ach Ackermann ist wieder im Lande!“ Sie war bester Dinge, denn nur wenige Ausländer belästigen sie derzeit während der Arbeit. Nachdem sie meine Registrierung murrend vorgenommen hat, bemerke ich beim Verlassen des Raumes den Nagel und den Schatten an der Wand. Sie hatte das Portrait des obersten Dienstherren bereits abgehängt.




