Der Trolleybus fährt stadtauswärts. Am Straßenrand eine Reihe von dörflichen Häusern aus der Stalinzeit, frisch renoviert. Dazwischen ein kleiner Palast. Das runde Eingangstor stahlt grün: Kulturhaus der Tauben und Stummen. Die Musik dringt in Schwaden in die kalte Nacht. Die Tür kracht, dahinter rhythmischer Lärm. 5000 Rubel Eintritt. Der Stempel leuchtet im Neonlicht. Im Vorraum Plastiktische neben Fernsehsesseln. An den Wänden Keramikplatten. Im großen Saal zuckt das Licht, die Bässe eintönig, die Tänzer winden sich im Takt. Im Keller eine improvisierte Garderobe, dahinter verkleidete Hexen, Astronauten und Ärzte. Erfüllt von kindlicher Freude und Alkohol tanzen sie durch das Kulturhaus. Auf der Tanzfläche Schuldiscoflair. Hier die Jungs, da die Mädchen. Die elektronische Musik dröhnt, die Nebelmaschine spuckt Stickstoffwolken.
Plötzlich Feueralarm. Piep, piep, piep, piep, piep. Die Musik dröhnt weiter. Der DJ wippt hinter den Plattentellern. Blitze durchdringen den Raum. Die Astronauten hüpfen unschuldig über das Parkett. Ein Arzt reißt sich den Kittel vom Leib. Langsam durchziehen die Musik melodiöse Endlosschleifen. Piep, piep, piep, piep. Im Vorraum wird Bier in 1,5-Liter Flaschen verkauft. Eine Bar gibt es nicht. An den Wänden Warnungen vor Alkoholismus und Aids: den beiden Krankheiten, die nicht nur die Gesundheit des einzelnen Menschen gefährden, sondern der Volkswirtschaft schwere Schäden zufügen. Daneben Ausschnitte aus Illustrierten: so feiern sie den Tag der Verteidiger des Vaterlandes. Und eine von Hand gefertigte Wandzeitung: den Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges. Darunter verschlingen sich zwei Erschöpfte im Sofa. Im Saal tanzen wenige verbissen im Takt der Musik, die den verworrenen Linien des Schlagwerks folgt. Der nächste DJ legt seine Platten im Schottenrock auf. Ein Astronaut liegt auf dem Parkett und starrt auf die quadratischen Kronleuchter aus den 1980er Jahren. Bässe beben durch den Nebel. Piep, piep, piep, piep. Im Vorraum warten die Angestellten des Hauses auf den Feierabend. Befremdet blicken sie den müden Jugendlichen nach. Später erscheint ein Mann in Lederjacke und Pelzmütze. Der Direktor sorgt dafür, dass um ein Uhr die Musik verstummt. Die Erschöpften und Betrunkenen laufen in die Nacht.




