Vom Ufer der Memel: 10.06.2006
Geschrieben von:
felixackermann
am Jun 10, 2006
Es war einmal ein Pole, der sich in seiner Heimat so sehr bedroht fühlte, dass er beschloss, in Weißrussland politisches Asyl zu suchen.
Schon lange hatten ihn unheilvolle Wellen verfolgt: Magnetwellen, Elektrowellen, Kurzwellen, Langwellen, Funkwellen. Er sah dahinter eine Verschwörung der deutschen und jüdischen Großgrundbesitzer, die wieder die Herrschaft über Polen gewonnen hatten. Seine Klagen waren vergeblich, die Sendestation in der Nähe seines Hauses wurde nicht abgeschaltet. Er entsagt also seiner Heimat und machte sich auf den Weg ins Nachbarland. Dort wusste man nicht so recht, was man mit ihm anfangen sollte. Immerhin hatte er sein Anliegen schriftlich formuliert und übersetzen lassen. Dennoch wurde ihm kein politisches Asyl gewährt. Er meinte es aber ernst. Er meinte es so ernst, dass er bereit war, für den weißrussischen KGB zu arbeiten. Er ging also in die Zentrale des Geheimdienstes und bot seine Dienste an. Aber keiner der Offiziere sprach Polnisch. Um sein Russisch war es auch nicht gut bestellt. So blieb ihm auch die Zusammenarbeit mit dem KGB verwehrt. Er musste nach Polen zurückkehren. Und wenn er nicht gestorben ist, so leidet er noch heute.
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